Biberfelle
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Bibergeil
Thiers. Sie sind sehr Haarreich, haben einen kleinen schwar-zen oder braunen Flecken und werden am meisten geschätzt.Die von der Hudsonsbay haben die Größe eines Schaffelles,sind auf der Mitte des Rückens schwarzbraun, nach Kopf u.Schwanz mehr kaffebraun, am Hals und Bauch aschgrauund gelbgrau. Das Rückenhaar ist 1 bis Istz, das Bauch-haar 3/,, das Hals-, Kopf- und Schwanzhaar nur > 2 Zolllang. — Sommer-Biberfelle, trockene oder magereBiberfelle, sind die von dem im Sommer getödteten Thiere.Sie haben weit weniger und kürzereHaare und dienen dahergar nicht als Pelzwerk, sondern blos für Hutmacher. —Fette Biberfelle, Pelzbiber, weil sie häufig mitVo-geldärmen zu Pelzen zusammengenäht sind. Oft ist dieFleischseite gegerbt, mir Streifen bemalt, mit Zierrathen be-setzt !c., französisch Laslor gras; englisch Loat-llearer, tatLearer, Leaver in Leason, solche, welche den Wilden sschoneine Zeitlang zur Kleidung dienten und daher fettig undschmierig sind. Ein Theil der gelben Haare ist bei diesenFellen gewöhnlich schon ausgefallen, doch eignen sie sich nochzu Pelzwerk, so wie für Hutmacher, obgleich das Reinigen,durch Waschen und Abbürsten mit Seifenwasser, und Los-trennen der Haare mehr Arbeit macht, als bei den unge-brauchten Fellen.— Biberbäuche: die Bauchstücke desWinter-, seltner die des Sommcrbibers. Sie werden ge-wöhnlich sackweise zusammengenäht und so verkauft.Scidenbiber: braune Biberfelle mit ungemein feinen sei-denartigen Haaren. Sie kommen aus Canada und von derHudsonsbay und werden besonders als Pelzwerk geschätzt.Gebrauch: die Biberfelle werden theils als Pelzwerk ge-braucht, eine Benutzung, die schon in den frühesten Zeitenbekannt war, theils scheert man die Haare derselben ab undbenutzt diese zu Hüten. Früher, (in Frankreich zu Ende des13. Jahrhunderts), webte man auch Strümpfe, Handschuheund Mützen aus denselben. Zu Tuch fand man sie nicht wohlanwendbar, da sie sich bei Nässe leicht zusammenfilzen. AlsPelzwerk schätzt man besonders die hellbraunen.
Deutschland so wie alle europäischen Länderbeziehen die Biberfelle aus Nordamerika unmittelbar oderüber England, seltner aus Rußland. Jetzt ist indessen dieEinfuhr nicht mehr bedeutend, da man sie weniger häufigals Pelzwerk anwendet und bei'm Hutmachen durch andereHaare ersetzt. Der größere Absatz nach China, so wie dieallmälige Ausrottung des Thiers in Nordamerika durch dasVordringen der Bevölkerung und durch zu starkeJagden ha-ben die Preise sehr erhöht. 1792 kostete in Hamburg dasPfund Biberhaare 8 bis 12 Thlr. sächsisch, 1801 : 36 bis 18Mark, 1801 das Pfund Felle 1« Mark, 1825 : 13 bis 18Mark. Nordamerika, und zwar besonders Canada und dieHudsonsbay, ist das Land, welches fast alle in Handel kom-menden Biberfelle liefert. Bis 1761 war der Handel in denHänden der Franzosen. Als sie aber Canada an die Eng-länder abtreten mußten, ging er in die Hände dieser und derNordamerikaner über. 1623 ertheilte der König einer Ge-sellschaft, der llompaxmo >I„ lümmln oder >Iu Laslor, das Rechtdes Alleinhandels mit Biberfellen, welches 1661 an diellnmpogme orcitlonlnlo und 1673 an Generalpächtcr über-wiesen wurde. Damals (1677) wurde der Preis eines fet-ten Biberfelles auf 3 Livres 10 Sous, der eines trocknenund dünnhaarigen auf 4L. 10 S. und der eines trocknen auf
3 L. 10 S. gesetzt. 1690 erhielten die Kolonisten wiederden freien Ein- und Verkauf; 6 Jahre später wurde er wie-der einer Compagnie übergeben, später der Mississippi-,1777 der indischen Compagnie, welche alle Felle über Rö-chelte nach Paris gehen ließ und sie dort verkaufte. Diejährliche Ausfuhr der Franzosen schätzte man auf 200,000Felle. 1713 setzten sie in Canada 26,730 Stück ab undsandten nach la Röchelte 127,080 St. Durch Schleichhan-del wurden von 1739 bis 1748 jährlich 88,000 Stück nachLondon gebracht. — Als die Engländer 1763 Canada er-hielten, nahm die Ausfuhr eher zu, als ab, da der Handelvernünftiger, d. h. nicht mehr so monopolmäßig betriebenwurde. 1799 erhielt London aus Canada 160,000 Stück.Aus der Hudsonsbay führten die Engländer früher und nochjetzt ebenfalls viel Biberfelle aus. Da der Handel aber inden Händen einer Compagnie ist, so wird er nicht so betrie-ben, wie es sein könnte. Um 1821 rechnete man, daß dieCompagnie von der Hudsonsbay jährlich 25,000 Stück aus-führte.
In den Vereinigten Staaten haben New - P 0 rk,Baltimore, Philadelphia den Haupthandel mit Bi-berfellen. Sie erhalten sie theils von ihren eigenen Pelz-händlern, theils von den Engländern, und führen sie beson-ders nach China aus.
Rußland hat an einigen Flüssen, z. B. am Jenisey,Ob, Laß, in Kamtschatka, auf den Aleutcn, noch viele Biber,und führt davon, so wie von Nordamerikanischen, besondersnach China aus. Den Haupthandel hatT 0 b 0 lskin Si-birien und Petersburg. Schon die Römer erhielten ausder Krimm Biberpelze. Man unterscheidet die Felle nachdem Orte ihres Ursprunges in obische, tschulymsche,siransche, kamtscha da lische, so wie nach ihrer Beschaf-fenheit in große weißhäutige, kleine schwarzhäutige,jährige, von jungen Bibern, und See-Biberfelle,Illorsküo liobru. Das russische Haar ist etwas länger alsdas Nordamerikanische, aber feiner. Die größten und schön-sten Felle findet man unter den kamtschadalischen.
Bibergeil, lat., engst und stanz, staswroum, ist imfrischen Zustande eine talgartige, weiche, jedoch nicht fette,sondern mehr gummiharzige, etwas zähe, schmierige Sub-stanz von einem sehr starken, eigenthümlichen, den meistenPersonen widrigen, manchen aber nicht unangenehmen Ge-rüche und bitterlichen, aromatischen, etwas beißenden, imMunde anhaltenden Geschmacke, die sich sowohl bei demmännlichen als weiblichen Biber in zwei besondern, amBauche auf beiden Seiten zwischen dem After und demSchambeine sitzenden Beutel», deren jeder noch mit einemobern und kleinern, das Bibergeilfett, Ixungia Laslo-rii, enthaltenden Nebenbeutel versehen ist, vorfindet. Inden frischen Beuteln der russischen Sorte spielt die Farbedes Bibergeils aus dem Dunkelbraunen ins Aschgraue: inden durch Räuchern getrockneten Beuteln aber, wie es imHandel vorkommt, ist es von brauner Farbe und zerreibbar.Man unterscheidet 2 Sorten: 1) das sibirische odermoskowitische Bibergeil, Lasloreum sidiricnm,moscmviticum, mit welchem auch das preußische, pol-nische und deutsche übereinstimmt. Man erhält es infast kegelförmigen, unten runden, getrockneten, dunkelbrau-nen, höckerigen, schweren Beuteln, die auswendig mit einer