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Erster Band. A - G.
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Bibergeil

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Biclefelp

dicken, starken, festen, auf der Oberfläche sich durchaus glattund unverletzt anfühlenden häutigen Substanz umgebensind. Wird ein solcher Beutel durchgeschnitten, so bestehtderselbe im Inneren aus einem dichten, aus vielen Blätt-chen zusammengesetzten Gewebe, in welchem die eigentlicheSubstanz des Bibergeils eingeschlossen und damit fest ver-wachsen ist. Mit einem jeden dieser Beutel ist ein kleinerer,

; welcher das Bibergeilfett enthält, verwachsen, oder es sindj wenigstens Spuren vorhanden, daß solcher da gewesen undnur davon abgelöst worden. Jene Masse des Bibergeilsfüllt jeden der zwei unter sich zusammenhängenden Biber-gcilbeutel ganz aus; hat aber in der Mitte eine Höhlung,durch welche der innere Zusammenhang der Masse aufgeho-ben ist, und welche Höhlung der eigentliche Charakter desächten Bibergeils ist. Die eigentliche Substanz des Biber-geils, abgesondert von dem häutigen Zellgewebe, womit siedurchflochten, ist schwärzlichbraun, trocken, doch nicht dürr,ohne Glanz, fest, bröcklich, leicht zerreiblich und von obenangeführtem Geschmack und Geruch. Diese Sorte ist diebeste und übertrifft an Güte alles Bibergeil, welches ausandern Ländern zu uns gebracht wird.

Geringer als diese, sowohl im Preise als in der Güteund Wirksamkeit ist 2) das englische oder canadischeBibergeil, llasioroum anxlicum, canackonse. Man er-hält es aus Canada über England in kleineren länglichen,sehr eingeschrumpften, mehr schwarzen, dünnhäutigen Beu-teln, deren äußere häutige Substanz rauh und lose ist,gleichsam als wäre die Haut abgezogen; auch findet sich eineSpur von daran gewesenen Fettbeuteln. Beim Durch-schneiden eines Beutels sieht man im Inneren eine viel grö-ßere Menge von Zellgewebe, das aus feineren und durch-sichtigeren , in mannichsachen Windungen sich durchziehendenHäutchen besteht. Die oben bemerkte Höhlung fehlt hierganz. Die Masse selbst ist mehr dünn und trocken, zerreib-licher und Heller von Farbe. Geruch und Geschmack sindmehr widrig, bisweilen auch etwas ammoniakalisch. Auf-bewahrt wird das Bibergeil an einem kühlen Orte inzugebundener Blase und einem wohlverschlossenen Gefäße.Verfälschungen: Wegen seines hohen Preises ist dasBibergeil vielen Verfälschungen unterworfen. Um das Ge-wicht zu vermehren, norden bisweilen Steinchen, Bleistückeu. s. w., oder anstatt des ächten Bibergeils sein geschnitte-nes und getrocknetes Fleisch oder getrocknetes Blut hinein-gcsüllt. Besonders soll das englische oft nichts weiter alscin Gemisch von Bibergeilpulver mit Ammoniak, Sagapen,Mutterharz, Leufelsdreck, Drachenblut u. s. w. sein, wel-ches in die Hodensäcke von Ziegenböcken oder die Gallen-blasen von Schafen oder Kälbern geknetet wird. — Die or-ganische Struktur der Beutel und die chemische Zerlegunggeben die zuverlässigsten Zeugnisse von der Aechtheit dieserSubstanz. — um frisches Bibergeil unverdorben zu erhal-ln, soll man es entweder möglichst schnell in einer ange-messenen Wärme (nicht durch Rauch) trocknen, oder nachBuchner's Angabe die Beutel mit roher Holzsäure zweimalbestreichen, sie 8 Tage lang an der Luft hängen lassen unddann in einem, mit Blase überbundenen Glase aufbewah-ren. Das getrocknete nimmt, von Wasser oder Weingeistdurchdrungen, sogleich seinen früheren durchdringenden Ge-ruch wieder an. Gebrauch: in der Arzneikunde als ner-

venerregcndes Mittel gegen Hypochondrie, Krämpfc,Schwindel, Ohnmachten rc. in Pellen- oder Pulverform,und auch unter Parfümerien. Die Bestandtheile sind inbeiden Arten nicht genau dieselben. Das erstere besteht aus34 Theilen ätherischem Oel, 23 Theilen Fettwachs undharzähnlichem Stoff, 24 Theilen kohlensaurem Kalk, 19Theilen Zellstoff; das andere aus 1 Theil flüchtigem Oel,2 Theilen Fcttwachs, 13,7 Theilen Harzstcff, 33,6 Theilenkohlensaurem Kalk, 19,2 Zellstoff.

Bibcrhaare, s. Castorhaare.

Bichet heißt 1) ein Getreidemaaß im schweizer Can-ton Freiburg (der 8. Theil eines Sackes); 2) in Genf derhalbe Loupe von 1990 franz. Kubikzoll — ll'^preuß.Wetze.

Biconzia, Bigonza, ein venetianisches Wein-maaß, der 4. Theil der Amphora (s. d. Art.). Der Bi-eonzia hat 2 Conzi oder Mastelli, oder 12 Secchy oder 48Bozza oder 128 Boccali oder 192 Quartuzzi, und ist —799321/25 franz. Kubikzoll oder 2 Eimer und 18 Quartpreußisch.

Biclbrief, s. Beilbrief.

Bielefeld, Kreisstadt in Preußen, Pros. Wcstpha-len, Regierungsbezirk Minden, in einer schönen Gegend,von der Lütter durchflossen, 32° 1^ 21" n. Br. 6° 11/ 34"ö. L.. mit 7000 Einw., Gymnasium, vorzüglicher Leine-weberei, großen Bleichen, beträchtlicher Fabrikation vonGinghams, Garn, Zwirn, Band, Leder, Eisen - und Stahl-waaren. Das um Bielefeld gesponnene Leinengarn ist einHandgarn und vorzüglich. Man unterscheidet das stärkereMalz - oder Maltgarn in Strähnen zu 20 Gebinden s 30Faden, und das feine Bollgarn in Strähnen zu 20 Ge-binden mit 60 Faden, den Faden zu 2 berliner Ellen.

Bier. Ein wäfferiggcistiges, durch Gährung aus demmit Hopfen versetzten Absud von Getreidemalz erhaltenesGetränk. Als Malz nimmt man vorzüglich das aus Gerste,seltener das aus Weizen, noch seltner das von Hafer; dochsind auch andere zuckcr-, mehl- oder schleimhaltige Körperzu gebrauchen, die man durch verschiedene Zusätze würztund in Gährung bringt. Solche Biere sind Sprossenbier,Jngwerbier, Syrupbicr u. a. Das Malz, das entwederblos getrocknet (Lustmalz) oder stark gedörrt (Darrmalz)ist, wobei sich ein Theil des Zuckers in gebrannten Zuckerumändert, wird mit Wasser angerührt, wobei sich dasStärkmehl theilweisc in Zucker verwandelt, diese Umwand-lung durch Kochen vollständiger gemacht und dadurch zu-gleich der gelöste Eiwcisstoff zum Gerinnen gebracht, zuEnde des Siedens Hopfen oder Hopfenauszug zugesetzt, derAbsud bis auf einen gewissen Grad abgekühlt und mit Hefein Gährung gebracht. Ist diese bis zu einem gewissen Grabgediehen, so zieht man die nun geistige Flüssigkeit von derHefe auf Fässer, die bald nachher verspundet werden. Aueinem kühlen Ort verbessert sich das Bier binnen einer be-stimmten Zeit, die um so länger dauert, je stärker und halt-barer es gebrauet ist. Dünnes, hcsiges, schwach gebrauteswird indessen bald sauer oder schaal, wenn der Zutritt derLuft nicht ganz vollständig abgehalten wird. Man kanndie Biere eintheilen, je nach ihrem Wassergehalt, in dickeund dünne; je nach ihrem Gehalt von Weingeist und

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