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Erster Band. A - G.
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Branntwein

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Branntwein

zur Oberfläche empor. Steigen diese Bläschen schnell nacheinander empor, so betrachtet man es als ein gutes Zeichen.Kommr man mit dem Gesicht über die Oberfläche, so hatman eine betäubende, erstickende Empfindung; ein darübergehaltenes Licht verlöscht augenblicklich, und die Tempera-tur der Jährenden Masse ist höher als die der umgebendenLuft. Wenn die Temperatur gleich wird, der stechende Ge-ruch nachläßt, die Hülsen zu Boden fallen, die Flüssigkeitklar geworden ist und einen weinsäuerlichen Geschmack be-kommen hat, so ist die Währung zu Ende. Das gegohrneGut wird jetzt in das kupferne Destillirgefäß geleitet, wel-ches seiner Gestalt wegen Blase heißt. Diese Blase hateinen Deckel, Helm, Hut- oder Blasen köpf genannt,mit einem geräumigen Schnabel oder Halse, woran dieKühlröhre befestigt ist, die durch ein Faß mit kaltem Was-ser, das Kühlfaß, geht und aus demselben heraus in einanderes leeres Gefäß, die sogenannte Vorlage, sich er-streckt. — Diese Theile enthält das gewöhnliche Brennge-räth. — Es sind aber fast immer zwei Blasen von einerleiGestalt und Einrichtung, nur von etwas verschiedenerGröße da: die Lutterblase und die Klärblase. Er-stere ist größer als die zweite.

Man bringt das gegohrne Gut in die Lutterblase underhitzt sie unter stetem Umrühren bis auf 68° R. Alsdannsetzt man den Blasenhelm auf, kittet ihn, damit keineDämpfe in die Lust entweichen können, fest, befestigt an sei-nen Hals die durch das Kühlfaß geleitete Kühlröhre undverklebt alle Fugen genau. Nun beginnt die Destillation,welche so lange fortgesetzt wird, bis das Uebergehende nurnoch aus Wasser besteht. — Wenn nämlich die Hitze desGuts, die vor dem Verschließen 63° betrug, noch wenigeGrade zunimmt, so entwickeln sich schon Weingeistdämpfe,die in die Höhe steigen, durch den Blasenhals in die Kühl-röhre dringen, daselbst zunächst an das kalte Metall unddurch dieses auch an das kalte Wasser ihren Wärmestoff ab-setzen und wieder zu Tropfen werden, die in die Vorlägefließen. Nach und nach kommen immer mehr mit Wasser-dämpfen vermischte Weingeistdämpfe, und nun muß mandas Feuer unter der Blase mäßigen, damit nicht alles Was-ser zu Dampf werde und mit in die Vorlage ziehe. Indes-sen erhält man bei dieser ersten Destillation doch nur einenschwachen Branntwein, den sogenannten Lütter oderLauter, der nur etwa 10 bis 18 Proc. Alkohol hat undmit essigartiger Säure und stinkenden Oeltheilen (Fuselöl)vermischt ist. In der Blase ist blos mattes Gut oderPhlegma zurückgeblieben. — Den Lütter bringt mandann in die kleinere Klärblase oder Weinblase, umihn zum zweiten Male zu destilliren. Gern thut man Pott-asche, Kochsalz, Wachholdern, Pomeranzen und dcrgl. mitin die Blase, um den unangenehmen Geschmack zu tilgen.Anfangs geht ein Branntwein über, der 60 Proc. Alkoholenthält. Man sängt ihn entweder unter dem Namen Vor-lauf besonders auf, oder läßt den nachfolgenden schwächern?u ihm gehen, um daraus einen gewöhnlichen Sehenk-branntwein zu bekommen. Immer gehen die geistigen,Theile zuerst über, und in der Blase bleibt Phlegma zurück;je mehr man daher das Destillat von Neuem dcstillirt, destogeistiger und stärker wird es, desto mehr nimmt es aberauch an Volumen ab. — Hat das Fluidum 60 Proc. (unter

100 Theilen 60 Theile Spiritus und 40 Theile Wasser),so nennt man es Alkohol oder Weingeist; hat es 80Proc., so heißt es doppelt rectificirter Weingeist;hat es 100 Proc., so ist es absoluterAlkohol.

Ein besonders wichtiger Gegenstand für die Branntwein-brennerei ist die Entfuselung des Branntweins. Es sinddazu unzählige Mittel vorgeschlagen; unter allen hat sichaber die Holzkohle am zweckmäßigsten erwiesen. Sie wirdmit andern Mitteln vereinigt in ein dazu besonders gebautesLäuterungsfaß mit mehreren Böden gethan, und dann derzu reinigende Branntwein, nachdem er durch Wasser bis zuder beabsichtigten Stärke verdünnt worden ist, hineinge-schüttet. Uebrigens muß diese Läuterung bei dem Brannt-wein , der mit Kirschsaft oder andern färbenden Zusätzen an-gemacht werden soll, vor dieser Mischung geschehen, weildurch die Läuterung die Farbe ganz verloren geht.

2) Branntwein aus Kartoffeln.

Die Kartoffeln werden, nachdem sie durch Waschenvon den anhängenden erdigen Theilen befreit worden sind,durch heiße Dämpfe gekocht. Nach 2 bis Mündiger Ein-wirkung des siedenden Dampfes sind sie gar, und werdendann möglichst fein zerquetscht, wozu man verschiedeneVorrichtungen hat, (gewöhnlich Quetschmühlen mit hölzer-nen oder gußeisernen Walzen; sehr zweckmäßig ist die Sie-mens'sche Zerkleinerungsmaschine). Der durch das Zer-quetschen erhaltene Kartoffelbrei wird mit ätzender Pott-aschenlauge vermischt, in den Dampfbottich gebracht, mitheißem Wasser verdünnt und V- Stunde lang gekocht.Später wird er mit Wasser von 23 bis 37° R. eingemaischt,V>s bis V» Weizen- oder Gerstenschrot zugesetzt, und dieMaische gut vermengt, am besten mittelst einer mechani-schen Vorrichtung. Etwa nach einer Stunde muß sie ab-gekühlt werden, was man durch ähnliche Borrichtungen wiebeim Bier, auch wohl durch Eis befördert, dann setzt mandas Kühlwasser zu, darauf die Hefe und nach 3 bis 4 Tagenist die Maische reif. — Nicht jede Sorte Kartoffeln eignetsich zur Brennerei gleich gut, es wird eine mehlreiche, nichtwässerige Kartoffelart erfordert, auf einem magern Lande,in einem sandigen oder trocknen Lehmboden gewachsen, dieaus fettem Lande sind weniger tauglich, enthalten mehrWasser; oft sind die rothen Kartoffeln recht gur. GefrorneKartoffeln, vor dem Aufthauen und Faulen zum Brennenverwendet, geben gleiche Ausbeute als nicht gefrorne, ja siesollen manchmal noch mehr liefern. Kartoffeln, nach demMonat December verarbeitet, geben weniger Alkohol, alsfrüher; und noch weniger die schon keimenden Kartoffeln.

Um aus Rüben, besonders Runkel- und Mohrrüben,Hülsenfrüchten, Roßkastanien rc. Maische zu erhalten, ver-fährt man auf ähnliche Weise als bei den Kartoffeln.

3) Branntweinbereitung aus Wein.

Sie findet nur in den südlichen Ländern statt, derenWeine geistreicher sind, und deshalb mehr Ausbeute liefern.Man zieht die Weißweine den Rothwcinen zu diesem Be-hufe vor. Aus den Weinartcn des südlichen Frankreichserhält man im Durchschnitt >/,, ja >/z Branntwein, ausdenen des mittleren >/,, des nördlichen Frankreichs >/« bis>/,o; im Süden brennt man beinahe allgemein rothe, imWesten weiße Weine. Wenn der Wein angefangen hat, säuer-lich zu werden, so giebt er, wie ganz natürlich, wegen ein-

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