Branntwein
482
Branntwein
getretener Entmischung eines Theils Alkohol, weniger undschlechter» Branntwein. Das zuerst bei der Destillation Ueder-gehende hat einen unangenehmen Geruch und Geschmack;man fängt es daher besonders auf, der darauf folgendeBranntwein ist von guter Beschaffenheit; der Nachlauf(liogossos), so wie der Borlauf wird dem Wein bei der fol-genden Destillation zugegeben. Der Branntwein wirddann auf eichene Bvrrathsfäffer gefüllt, in denen er einegelbliche Farbe annimmt; er wird durch's Lagern angeneh-mer und milder.
Der aus Wein bereitete französische Branntwein ist inDeutschland unter dem Namen Franzbranntwein(Cognac) bekannt, obschon Cognac eigentlich nur denBranntwein bezeichnet, der in dem Orte gleiches Namensfabricirt wird, da man nach den Weinbauenden Orten denBranntwein in Frankreich benennt; den Weingeist von dortnennt man gewöhnlich Sprit, d. h. ospric (>le via). DerFranzbranntwein ist blaßgelb, besitzt eine ausgezeichneteReinheit und gewürzhaste Milde, die nach der Sorte Wein,aus welcher man denselben bereitete, modificirt ist. Durchden geringen Gehalt an Gerbsäure erhält derselbe eine Ei-genthümlichkeit des Geschmacks, welche man dem nachge-machten durch Eichenrindentinktur zu geben im Stande ist.Auf diese Eigenthümlichkeit gründet sich die sogenannte hol-ländische Probe, welche darin besteht, daß man einigeTropfen einer Auflösung von Eisenvitriol zum Branntweinsetzt, wodurch eine blauschwarze Färbung entstehen muß.
Tresterbranntweinist von geringerer Güte; manschüttet auf die aufgelockerten Treffern Wasser, arbeitet siemit diesem durch, und wartet den Eintritt der Gährungab; die Höhe der sich entwickelnden Wärme giebt das Maaßfür den Wasserzuguß ab, welchen man täglich machen muß,damit die geistige Gährung nicht in eine saure übergehe;doch kann auch durch zu viel Wasser die Gährung ersäuftwerden. Man pflegt diesen Gährungsproceß in verschlossenenFässern vorzunehmen, ja selbst in Gruben, wenn es an ersterngebricht. Die gegohrnen Trestern werden dann destillirt;den Lütter nennt man in Frankreich blanquouo, weil ermilchig aussieht. Der Tresterbranntwein besitzt einen Übeln,scharfen Geschmack und Geruch und nur allein durchDampfdestillation dürfte ein rein schmeckendes Produkt zuerzielen sein.
Um aus Weinhefen Branntwein zu bereiten, wer-den diese entweder sogleich destillirt oder mit heißem Wasserausgezogen, das Flüssige durchgeseiht und der Hefenrück-stand, wegen des bedeutenden Gehalts an Weinstein, aufWeinhefenasche (conäros gravelsos) verarbeitet. — Man ge-winnt bei einem sehr unvollkommenen Verfahren in denNheinprovinzen von 60 Quart Trester 4 bis 6 QuartBranntwein von 80 Proc. llc., von Weinhefen 6 bis8 Quart.
Aus Pflaumen wird der sogenannte Slibonitza oderKötsch dargestellt, aus Kirschen das sogenannte Kirsch -wasser (kiau-üe-vio 6o cöriso), welches einen Gehalt anBlausäure besitzt, wovon der eigne Geruch, Geschmack unddie Wirkung. Man zerquetscht nämlich die Kirschen mitden Kernen.
Auf den westindischen Inseln, eben so auch in Ostindien
wird Zucker, Zuckerschaum, Zuckcrrohrabfälle, Melasse ingeistige Gährung versetzt, und sodann destillirt. Dies ist derRum. Der feinste Rum wird aus Zuckersaft und Melasse,eine minder gute Sorte aus Zuckerschaum und einem Zu-satz von Melasse dargestellt. Den Hauptbetrieb hat Ja-maica. Auch aus den süßen Säften verschiedener Bäume,z. B. der Palme, Kokosnußmilch, dem Safte des Ahorn,der Esche, Birke und anderer Bäume, wird ebenso, wie ausdem Auckerrohrsaft, eine geistige Flüssigkeit bereitet, wobeiim Allgemeinen je 100 Pfd. fester Zucker ohngefähr 30 Pfd.Alkohol von 0,823 spec. Gewicht geben. Durch Gährungdes mit Wasser verdünnten Honigs gewinnt man den Meth.Auch der Saft süßer Aepfel, Birnen, Johannisbeeren undanderer süßen Früchte giebt durch Gährung mehr oder we-niger Alkohol.
Ueber die verschiedenen Methoden, den Weingeistgehaltdes Branntweins, Rums und anderer geistigen Flüssigkei-ten zu bestimmen, vergleiche man den Artikel Weingeist.Die Branntweinfabrikation beschränkt sich heutzutage nichtmehr auf einzelne Städte oder Gegenden, sondern man kannwohl sagen, sie wird i» allen Orten der civilisirten Erde ge-trieben, freilich mit größerer oder geringerer Vollkommen-heit. In Deutschland liefern besonders die Rheingegendenund Norddeutschland viel Branntwein. Frankreich erzeugtbedeutende Quantitäten Weinbranntwein, den es nach allenTheilen der Erde, selbst bis nach China, ausführt. Eng-land hat, da dort die Branntwcinfabrikation manchen Be-schränkungen unterliegt, wenig Brennereien; es wird daherviel Branntwein eingeführt. Der ausländische Branntweindarf nur in Fässern von 100 Gallons und auf Schiffen, dieüber 100 Tonnen halten, eingebracht werden.
Man vergleiche noch die Artikel Arak, Cognac,Genever, Likör, Rum und Weingeist.
Sehr beträchtlich ist die Branntweinbrennerei in Preu-ßen. Es waren Brennereien in Betrieb im Jahr:
1831 1830 1842
13,819 11,628 10,321
Dieselben verarbeiteten nach Scheffeln:
1831
1839
1842
Weizen . . .
330,368
213,201
126,979
Roggen . . .
1,832,999
968,716
938,880
Gerste . . .
2,183,682
1,941,896
2,146,386
anderes Getreide
8437
12,886
23,040
Kartoffeln . .
13,220,467
20,033,173
20,801,730
Die Branntweinsteuer betrug
1831 1839 1842
3,475,138 6,482,436 6,328,612 Thlr.
Die Besteuerung der Branntweinbrennerei nach demMaischraum, welche Preußen einführte, und das Streben,möglichst viel Branntwein aus demselben Maischraum zugewinnen, um größer» Gewinn bei gleicher, wenn nichtgrößerer Wohlfeilheit des Produkts zu erlangen, und diefortschreitende Entwickelung der Chemie in der Anwendungbewirkten, daß die Branntwcinfabrikation seit 1841 wesent-lich vollkommener eingerichtet wurde durch die Einführungdes Dickeinmaischen, der Dampfapparate und des allgemei-nen Gebrauchs der künstlichen Hefe. Dadurch gewann