Buchhandel
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Buchhandel
Neben dieser christlichen Gelehrsamkeit entwickelte sichunter dc» Arabern ein reges geistiges Streben, das vorzugs-weise auf praktisches Wissen, Geographie, Astronomie,Medizin gerichtet war, aber auch die Poesie umfaßte. Alsim 12. Jahrhundert die Universitäten entstanden, und alsodie Klöster nicht mehr die einzige Stätte der Bildung blie-ben, die durchaus theologisch-philosophisch geworden war,erschienen auch wieder öffentliche Büchcrhändler, die zu denUniversitäten gehörten. So in Paris und Bologna, woihr Geschäft durch besondere Gesetze bestimmt war. Indessengab es ohne Zweifel auch an anderen Orten Abschreiber, diefür Lohn Abschriften machten. Je reger das wissenschaftlicheStreben aus verschiedenen Ursachen wurde, je mehr stieg derBegehr nach Büchern und desto einträglicher wurde das Ab-schreiben. In Paris hießen die Bücherhändler stationorü unddie Büchermäkler librarü.
Dies war der Zustand des Buchhandels in der altenZeit. Eine neue Zeit desselben begann mit der Erfindungdes Buchdrucks, die durch den Deutschen Johann Gu-tenberg oder Gansfleisch zu Mainz gemacht wurde,dem aber freilich dafür kein anderes Glück beschiedcn war,als in der wesentlichen Erleichterung der Verbreitung derBildung der Menschheit genützt zu haben. Seine Kunstging noch während seines Lebens in fremde Hände über.Das erste gedruckte Buch war die Bibel von 1488 oder 1438.Nach der Erfindung der Buchdruckkunst war der Buchhandelauch in den Händen der Buchdrucker, die öfters Verfasser,Drucker und Verleger zugleich waren. Sie hießen Buch-führer, und befanden sich häufig in den drückendsten Um-ständen ; allein bald nach dem Anfang des 16. Jahrhundertsbildeten sich Gesellschaften von Personen aus allerlei Stän-den, vornehmlich aus dem der Kaufleute, welche auf ihreKosten Bücher drucken und verkaufen ließen, z. B. in Augs-burg, wo u. a. Max Weiser thätig war. So entstand all-mälig, gesondert von der Buchdruckerei, der Buchhandel,welcher sich in Deutschland vorzüglich nach Frankfurt a.M.,ohne Zweifel in Folge der hiesigen Messen, zog. GeorgMiller aus Augsburg ließ daselbst seit 1384 jede Messe einVerzeichniß aller neuen Bücher in Quart ohne Seitenzahlenbei Nicolaus Bassäus drucken. Seine Söhne Ellas undGeorg setzten dasselbe bis 1807 fort. Im Jahr 1604 wurdedas allgemeine Meßverzeichniß mit obrigkeitlicher Bewilli-gung durch Peter Kopf verkauft. In derselben Zeit began-nen die Buchhändler in Leipzig, wo, beiläufig gesagt, imJahr 1480 das erste gedruckte Buch vorkommt, die frank-furter Bücherverzeichnisse nachzudrucken, und sie mit den inLeipzig herausgekommenen Büchern zu vermehren. Balddarauf vertrieb Ccnsurdruck den Buchhandel von Frankfurt.Seitdem wurde Leipzig der Sammelplatz der in- und aus-ländischen Literatur. Das daselbst erscheinende Mcßver-zeichniß neuer Bücher trat an die Stelle des frankfurter undwurde durch die Weidmännische Buchhandlung fortgesetzt, inderen Verlag dasselbe sich noch jetzt befindet.
Die Buchhändler sind entweder Verlagshändler,welche die Schriften von den Verfassern gegen Honorar er-kaufen, auf ihre Kosten drucken lassen, und dann an die ei-nen offenen Laden haltenden Buchhändler (Sortimentshänd-ler) verkaufen; oder Sortimentshändler, die in einem
offenen Laden mit den Büchern handeln, welche sie von denVerlegern erkaufen. Beide Geschäfte können auch in einerPerson vereinigt sein. Eine dritte Art des Buchhandels istdas C ommissionsgeschäft, durch dessen treffliche Or-ganisation sich der deutsche Buchhandel überhaupt vordem der übrigen Staaten auszeichnet, und auch Leipzigdadurch vorzüglich zum Stapelplatz der Literatur gewordenist. Jeder außerhalb Leipzig lebende deutsche nebst einergroßen Zahl ausländischer (englischer, französischer, hollän-discher, belgischer, russischer, dänischer, schwedischer) Buch-händler hat nämlich in der gedachten Stadt einen daselbstansässigen Buchhändler als Beauftragten, an welchener die Bestellungen an sämmtliche Buchhändler, so wie seineAahlungs- und anderen Aufträge sendet. Hat jener aus-wärtige Buchhändler eigenen Verlag, so legt er davon einLager bei seinem Beauftragten zur Auslieferung nieder.Hierdurch bildet sich die den literarischen Verkehr ungemeinbegünstigende und erleichternde Einrichtung, daß, wennz. B. 4 in Hamburg Bücher von 6 in Wien, 6 in Zürich,oder ll in Königsberg braucht, er dieselben nicht erst vonjenen Orten kommen lassen darf, sondern auf kleine Bestell-zettel von den Eommissionären des 4, 6, 0 in Leipzig aus-geliefert erhält. Der eigene Commissionär des .4 sendet nunalle bestellte» Bücher in einen Ballen gepackt an feinen Auf-tragsgeber oder Committenten, und setzt ihn dadurch in denStand, seine Freunde binnen wenig Tagen zu befriedigen,während dies auf andere Art nur nach längerer Zeit und un-ter größcrm Kostenaufwand geschehen könnte.
Das Geschäft des deutschen Buchhandels stellt sich vor-züglich bemerkenswerth in der Osterm esse jeden Jahresdar, wo gegen 300 fremde Buchhändler nach Leipzig kom-men, um die Geschäfte des verflossenen Jahres zu ordnen,ihre Zahlungen abzumachen oder sich über neue Geschäfte zubesprachen. Diese Verhältnisse haben sich durch die Zusam-menkünfte der Buchhändler während der Messen in Leipzigausgebildet. Der Buchhandel blieb lange ein unbeschränktesHandelsgeschäft. Indessen bildeten sich allmälig Mißver-hältnisse darin aus, besonders der sogenannte Nachdruck,wodurch die ursprünglichen Verleger der nachgedrucktenWerke großen Schaden erlitten. An diesem Krebsschadenlitt der Buchhandel schon sehr früh, weil das Nachdruckenweitverbreiteter Bücher mit wenigen Kosten großen Gewinnbrachte. Dieses Uebel zu unterdrücken, waren einige Buch-händler schon früh bedacht. Der Verfasser der „UnpartheiischenGedanken" rieth im Jahr 1733, deshalb unter den Buch-händlern eine geschlossene Gesellschaft oder Innung zu er-richten. Der Vorschlag drang jedoch damals nicht durch.Erst im Jahr 1763 gelang dem Buchhändler Phil. ErasmusReich (st. 1787, 3. Decbr.), Mitbesitzer der WeidmännischenBuchhandlung in Leipzig, während der Ostcrmesse, einendeutschen Buchhändler-Verein zu begründen, umdem Nachdruck entgegenzuwirken.
Wie überhaupt, so insbesondere auch auf den Buchhan-del wirkte das im deutschen Volk erwachte Streben für diedeutsche Sprache. Leibnitz, Thomasius, Gcsner, Gottsched,Büsching, Lcssing, Gellert, Rammler, Weise u. a. begannendie neue Zeit, die sich seitdem unaufhaltsam entwickelt hak.Die Sprache erhielt in Poesie und Prosa i» allen Beziehun-gen Reichthum und Reinheit; das fremde Lateinische und