Buchhandel
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Buchhandel
Französische, was ihr frühere Rohheit aufgedrängt hatte,wurde wieder besritigt. In dieser Zeit erhielten die deutschenSchriften einen Platz im Buchhandel, den sie seitdem nichtnur behauptet, sondern so sehr erweitert haben, daß sie, wierecht und billig, die Hauptsache, und die lateinisch geschrie-benen Bücher nur Beiläufer geworden sind. So wie mitder Poesie Wärme ins deutsche Volk strömte, schwand all-mälig das veraltete Hergebrachte. Diese Verhältnisse wirk-ten auch günstig auf den Buchhandel ein, indem die Theil-nahme für die Litteratur auch unter den Nichtgelchrtenerwachte, die seitdem fortwährend im Steigen geblie-ben ist.
Bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts besuchten dieBuchhändler alle drei Messen in Leipzig, und das Geschäftdes Buchhandels war theils Tausch, theils Kauf. DerTausch ist v^pschwunden, und auch der Kauf in Paktiernnach muthmaßlichem Bedarf hat aufgehört. Beides ist durchdas eigenthümliche Versenden der neuen wie der längst er-schienenen Bücher aufJahrrechnung hinreichend ersetzt. Dieseneue Einrichtung, welche nur dem deutschen Buchhandeleigen ist, ward allein durch die Vereinigung der Buchhändlerfür das ganze Geschäft möglich. Während jener ersteBuchhändler-Verein allein gegen den Nachdruck gerichtetwar, bildete der leipziger Buchhändler Paul Gotth. Kummer(st. 1833, 23. Febr.) 1792 zur Ostermesse einen geselligenVerein, um mittelst desselben den fremden Buchhändlern diegegenseitige Abrechnung zu erleichtern. Derselbe dauertejedoch nur zweiJahre; aber 1797 gründete der BuchhändlerK. Chr. Horvath aus Potsdam in der Ostermesse einenVerein der fremden Buchhändler, den er auch gegen 26 Jahreleitete. Neu organisirt trat dieser Verein 1823 als Bör-seii.verein wieder auf durch die Bemühungen des nürn-berger Buchhändlers F. Campe. Er erweiterte ihn zu ei-nem öffentlichen Verein der sämmtlichen deutschen Buch-händler, auf eine Börsen-Ordnung gegründet. Der Zweckdes Vereins ist „die Förderung des deutschen Buchhandelsnach allen Richtungen." In Leipzig bilden die Buchhändlerein sogenanntes Gremium. Im Jahr 1836 wurde das aufActien und mit einer Unterstützung der königl. sächsischenRegierung gebaute Börsenhaus „die deutsche Buchhändler-börse" in Leipzig den Börsenmitgliedern feierlich zur Benu-tzung eröffnet. Mit der Litteratur und ihrer Verbreitungim Volk wächst auch die Zahl der deutschen Buchhandlungen,deren Verkehr durch Gegenseitigkeit jetzt leicht und durch be-sondere Bestimmungen geregelt ist.
Buchhändler, die Schriften für den öffentlichen Ge-brauch drucken, senden dieselben als Neuigkeit, Novaoder Novität an alle deutsche Buchhandlungen, denen sieein Conto oder Rechnung eröffnet haben. Diese Zusendun-gen geschehen auf ein Jahr, nach dessen Verlauf die nichtverkauften Bücher bis zur Ostermesse wieder nach Leipzigzurückgesendet werden müssen. Diese Rücksendungen heißenRemittenden oder auch Krebse. Unter besonderenUmständen gestatten die Verleger den Sortimentshändlerndie unverkauften Neuigkeiten länger als bis zum Jahrab-schluß zur Disposition zurückzubehalten. Die Versendungder neuen Bücher geschieht nach einer besonderen Liste derBuchhändler, die entweder gedruckt ist oder zu diesem Zweck
besonders geschrieben wird. Ehe die Versendung gemachtwird, zeichnet man darin nach dem Absatz,den die Buchhänd-ler muthmaßlich von einem neuen Werk smachen können, dieZahl der jedem einzelnen zu sendenden Exemplare der Schriftkurz ein. Dieselbe Zahl wird dann auf die Faktur, welcheder Sendung beigegeben werden muß, mit der Preisangabe,eingeschrieben. Die Schema dieser Fakturen sind gedruckt,
ohngefähr so: „Herr.empfangen als Neuigkeit ä
6onäilion, fest, zur Post, Fuhre von.Leipzig ....
1846." Alle Zusendungen sowohl neuer als verlangter äl-terer Bücher an einen Buchhändler werden bei dessen Löw-in issionär in Leipzig abgegeben, und durch denselben ge-schehen auch die Bestellungen. Die Absendung dieser Büchergeschieht gewöhnlich regelmäßig jede Woche, theils mit derPost, theils mit Fuhre, d. h. durch Frachtfuhrleute, derenFahrzeit nach Tagen bestimmt nebst dem Frachtlohn pr.Ctr. in den Frachtbriefen angegeben wird. Die zum Ab-senden bei dem Commissionär eingegangenen neuen oder be-stellten Bücher werden vor der Verpackung in Ballen ineinem besondern Buch kurz mit dem Namen der Verleger oderAbsender und dem Preise eingetragen, und daraus wieder inden Avis-Brief an den Auftraggeber oder Committent über-getragen, und darin auch die etwaigen Baarauslagen odereingegangenen Zahlungen bemerkt. Dasselbe wird zuletzt inein Hauptbuch eingetragen. Besorgt ein Commissionärmehrere Committenten, so hat jeder derselben sein besonderesConto in diesen Büchern, worin alle Sendungen nach denlaufenden Monaten und Tagen eingetragen werden. DieBestellungen geschehen auf kleine Bestellzettel, die der Aus-liefcrer als Beleg wie der Empfänger die Faktur zurückbc-hält und aufbewahrt. Der Verleger zeichnet die ausgelie-ferten Bücher kurz nach deren Titel und den Empfänger indas sogenannte Auslieferungsbuch, sobald die Auslieferungderselben geschehen ist. Zur Buchhaltung im Geschäft deseigentlichen Buchhandels ist ein Hauptbuch nothwendig,nach der einfachen Buchhaltung, wie das Hauptbuch mitSoll und Haben eingerichtet. Die laufende Rechnunggeht von Januar zu Januar. Dann wird der Abschluß ge-macht, aber die Rechnung erst in der folgenden Ostermessebezahlt. Für die Abschlüsse nach den verschiedenen Buch-handlungen giebt es ein besonderes Abschluß- oder Meß-buch, das jedoch nicht durchaus nothwendig ist. Wegender Zahlungen ist die Ostermesse für den Buchhandel wichtig.Der baare Umsatz beträgt hier jährlich mehr als 3 Millionen.— Das Bestehen so vieler Buchhandlungen in Leipzig selbstläßt sich theilweise nur durch das erwähnte Commissionsge-schäft erklären. Doch finden sich unter ihnen auch Viele,die als bedeutende Verleger überall bekannt sind, und derUrsprung mancher leipziger Buchhandlung gehört sogar infrühere Jahrhunderte. Die Anzahl der in Leipzig gedruck-ten Werke mag noch immer beinahe den 3. Theil sämmtlicherin Deutschland erscheinenden Schriften betragen. Besondersgediehen daselbst größere wissenschaftliche Unternehmungen,wozu die durch den Buchhandel selbst leichter zu erhaltendenHilfsmittel, so wie das Dasein einer Universität rc. nichtwenig beitragen. Wir bemerken hier noch, daß für Frank-reich Paris, und für England London und Edinburg dieCcntralpunkte des Buchhandels sind, während Amsterdam,Utrecht, Lcyden bedeutende niederländische Buchhandlungen