Band 
Erster Band. A - G.
Seite
566
JPEG-Download
 

866

Chalon

Chagrin

eine in Wasser aufgeweichte Schweinsblase aussteht. Manschnürt die Häute in Rahmen ein, netzt sie dabei mit Wasser,damit alle Stellen gleichmäßig ausgespannt werden, legt dieRahmen platt auf den Boden und bestreut sie mit dem har-ten Samen einer Art Melde (kbenopockum slbum), Alabutagenannt, breitet einen Filz darüber und tritt die Samen indie weichen Häute mit den Füßen ein. Darauf läßt mandieselben trocknen, spannt sie aus und schüttelt die Samenab; die Häute erscheinen nun voller Grübchen und Uneben-heiten, in Folge der Eindrücke, welche die Samen verursachthaben. Hierauf folgt das Glätten; man nimmt mit eiser-nen Instrumenten die Erhabenheiten zum Theil weg, schabtdie Oberfläche glatt, legt die Häute in Wasser, worauf die-selben quellen, besonders die eingedrückten, vertieften Stel-len, die nie abgeschabt wurden, über die geschabten hervor-dringen und das eigentliche Korn des Chagrins bilden;nach zweitägigem Einweichen bringt man sie in eine heißeconcentrirte Lauge von Soda, packt sie dann auf Haufen,legt sie zuletzt in Salzsoole und schreitet zum Färben. Diebeliebteste Farbe ist meergrün, auch färbt man blau, rothoder schwarz. Ganz weißen Chagrin erhält man, wennman die Haut-mit Alaunauflösung gut anfeuchtet, sie miteinem Teig aus Mehl von türkischem Weizen bedeckt unddiesen wieder mit Alaunauflösung ganz wegwischt. Manreibt die Haut ferner, um ihr die Steifigkeit zu nehmen, mitFett ein, schafft dieses wieder durch fleißiges Waschen mitheißem Wasser und Beschaben mit einem stumpfen Messerweg und trocknet sie nach dieser Reinigung. Roth färbtman die Häute mit Kermes oder Cochenille; grün mit feingefeiltem Kupfer und Salmiak, wobei man die Auflösungdes Letztem aufstreicht, die Häute mit dem Kupfer bestreut,einzeln zusammenrollt, an einander legt und in diesem Zu-stande mit Steinen beschwert eine Zeit sich selbst überläßt.Das Blaufärben geschieht mit einer Bereitung aus Indigo,gebranntem Kalk, Soda und Honig. Zum Schwarzfärbenwerden die Häute, wenn sie aus der Kochsalzlauge kommen,mit feingepulverten Galläpfeln bestreut und zusammenge-rollt liegen gelassen, dann in eine heiße Auflösung von Sodagetaucht und abermals mit Galläpfelpulver behandelt. Dieschwarze Farbe aber wird zuletzt mit Eisenvitriolauflösunghervorgebracht. — Die Verfertigung des Chagrins istdurchaus nicht mit solchen Schwierigkeiten verknüpft, daßsie nicht überall vorgenommen werden könnte, allein derGebrauch desselben ist fast nur auf den Orient beschränkt,wo er zum Ueberziehen von Messer- und Säbelscheiden häufigbenutzt wird und wozu er auch, nicht nur seines äußern An-sehens wegen, sondern auch durch die aus seiner hornartigenNatur entstehende Festigkeit und Dauerhaftigkeit sehr geeig-net ist. Gute Chagrinhäute müssen groß, schön, überallgleich sein, nicht hie und da glänzende, ungranulirte Stellen,ein kleines, rundes, gutgeformtes, überall gleiches Korn ha-ben, welches so fest und scharf ist, daß man ohne Nachtheilderselben mit dem Nagel darauf kratzen oder eine Muskatnußreiben kann. Fehlerhafte, d. i. glatte Stellen, die nicht ge-körnt sind, nennt man Spiegel. Der carminrothe ist amtheuersten; der graue kommt aus Konstantinopel undist der beste und brauchbarste; den weißen oder schäckigtenhält man für den schlechtesten. Ueberhaupt bezieht man denbesten aus der Türkei, Persien und Astrachan.

Geringere Sorten liefern Tunis, Tripolis und Al-gier. Der polnische Chagrin ist zu trocken und nie gutgefärbt. Unächten Chagrin nennt man den in Deutsch-land und Frankreich aus Ziegenfcllen oder Corduan verfer-tigten; Letzterer ist daran zu erkennen, daß sich die Ober-fläche schält. Der Verkauf des Chagrins geschieht stückweiseoder nach Dutzenden. — Man verfertigt auch eine ArtChagrin aus Fischhaut (s. d. Art.), besonders aus derHaut des Haifisches.

Chain, Kette, heißt ein englisches und schottischesFeldmaaß.

Chalzedon, ein quarzartiges Mineral, das seinenNamen von dem am frühesten bekannten Fundort Chalze-donien hat. Schon die Alten kannten den Ehalzedon undbezogen ihn aus Egypten und andern Theilen Lfrika's.Selten kommt der Chalzedon in Krystallen vor, meist derboder traubig, tropfsteinartig, kugelig, nierensörmig u/s. w.Bruch: eben, zuweilen ins Muschlige und Splittrige sichverlaufend. Halbdurchsichtig bis durchscheinend; wenigglänzend bis matt. Weiß, grau, blau, gelb, braun undgrünlich, die Farben meist etwas licht; verschiedenartig ge-zeichnet, gebändert, gefleckt, wolkig. Er ritzt weißes Glasstark. Specif. Gewicht 2,88 bis 2,66. Man unterscheidetmehrere Arten auf eben die Weise wie beim Achat, z. B.Wolken-, Regenbogen-Chalzedon rc. Chalzedonyr heißtder, bei welchem graue und weiße Streifen mit einanderabwechseln. Mokka- oder Baumsteine nenntman die-jenigen Chalzedone, welche mit schwarzen, braunen oderrothen baumförmigen Zeichnungen versehen sind. —Plasma ist eine dunkelgrasgrüne Art Chalzedon, die be-sonders von den Alten zu Steinschmuckarbeiten verwandtwurde. Der gelbe Chalzedon heißt Halbkarneol oderCeragat. Den blauen, ins Azurblaue sich ziehenden, des-sen Farbe sich der des Saphirs nähert, nennt man Sa-phir in, und Stephan s-Stein den weißen mit blut-rothen Flecken.

Man findet den Chalzedon auf Gängen und als Aus-füllendes der Blasenräumc verschiedener Felsarten bei Ober-stein, in Siebenbürgen, Ungarn, Island, den Faröec-Jnseln». s. w. Ferner auch als Geschiebe auf Ceylon, an denUfern des Nils, in Nubien u. s. w. Die feineren Sortendes Chalzedons verarbeitet man zu Ring- und Radelsteinen,Arm-und Halsschmuck, Uhrschlüffeln, Petschaften rc.; an-dere Arten zu Dosen, Knöpfen, Basen rc. In der Regelgiebt ihm der Steinschleifer halbkugel-, ei- oder linsenför-mige Fobmen und versteht ihn nur selten mit Facetten oderfacettirt ihn ganz. Orientalischen Chalzedon nenntman zuweilen die besseren Arten. Der Werth des Ehal-zedons hängt hauptsächlich von der Reinheit, von der Schön-heit und Gleichheit der Farben und Farbenzeichnungen, sowie von dem Freisein von Sprüngen und andern fehlerhaf-ten Stellen ab; im Ganzen hat er jedoch sehr abgenommen.

Chalder, ein schwedisches Steinkohlenmaaß von 20Tonnen.

Chaldro», engl. Hohlmaaß für Steinkohlen, Kar-toffeln, Kalk rc.

Chalon, Chalong oder Soy, ein geköpertes Wol-lenzeug, wie der Rasch gewebt, aber auf der rechten Seite