Band 
Erster Band. A - G.
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6IiLIon8-8ur-Mrn6 — 667 — Chamillen

durch warme Presse glänzender gemacht. Meist aus fei-ner Wolle gearbeitet, ächt (einfarbig) gefärbt wird es zuUnterfutter und Vorhängen gebraucht. Die englischenShaloons aus Halifax, Bristol, Norwich gelten für diebesten. Sie kommen in Stücken von 30 Parks Länge und«/, Yards Breite. Die Lurkish Shaloons gehen meistnach der Türkei, wo sie zu Turbanen gebraucht werden.Rosettas und A n t i l o o n s heißen die breiteren Gattun-gen. Die niederländischen Chalons, aus den Fabrikenvon Ppern, Hondscotten und Touroving, sind fein und kom-men in Stücken von 40 brabanter Ellen Länge und «/, bisEllen Breite. In Deutschland werden sehr guteChalons in Sachsen, Thüringen, Hannover, Berlin, Oester-reich (zu Linz) ic. gemacht. Sie sind »/, und V- Ellen breit,30 und 60 Ellen lang und von verschiedener Qualität. Inder neueren Zeit hat der Verbrauch der Chalons sehr abge-nommen, da man statt derselben sehr häufig baumwolleneSarsinets zum Futter verwendet.

Hauptstadt des Dep.Marne in Frankreich, von zwei Armen der Marne durch-stossen, über die eine schöne Steinbrücke führt; 14,683 Ew.,Präfectur, Bischof, ein Civil- und ein Handels-Tribunal,Berathungskammer für Manufakturen, Lonseil äs pruä'-kommes, königl. Schule für Künste und Gewerbe, Primär-Schule, Assekuranzen, Bankiersgeschäfte, Gerberei, Handelmit mussirendem Champagner-Wein, Getreide, Wein, Hanf,Wolle ic.

Hauptstadt des gleich-namigen Arrond. in Frankreich, Depart. Saüne-Loire, Vor-theilhaft rechts an der Saüne an der Mündung des Lanolsu Lenmo, wodurch die Loire und Saüne verbunden werden.Durch den Canal wird Chalons der Stapelplatz für dieWaaren, welche aus den Häfen des mittelländ. Meeres unddes atlantischen Ozeans für das Innere Frankreichs bestimmtsind. Eben so befinden sich hier große Weinlager. Unter-Präfectur, Civil-Tribunal, Handels-Tribunal, Handels-kammer, Ieichnenschulc, Wcinessigfabriken, Buntpapier,Steinkohlengruben, Senffabrik, Zuckerfabrik, ansehnlicherSpeditions- und Commissionshandel; 18,342 Einw.

Stadt in Frankreich, Dep. Haute-Vienne,Arrond. St.-Prieux; 2032 Ew., berühmte Pferdcmärkte am2. März, 23. April, 30. Septbr.

Chalys, Chalynettes, Chalinets, ein in derneuesten Zeit zuerst durch französische Manufakturen in denHandel gebrachtes geköpertes Zeug, aus der feinsten Wolleund Seide gewebt, und mit lebhaften Farbenmustern be-druckt. Er wird zu Frauenkleidern ic. benutzt. Zu Meranein Sachsen und in Berlin hat man diesen Artikel schon nach-gemacht, aber theils in Wolle, theils in Wolle und Baum-wolle.

Vhambery, Hauptstadt des Herzogthums Savoienim Königreich Sardinien am Einflüsse der Laisse in die Al-bane, in einer fruchtbaren Ebene; 20,000 Einw., die Fa-briken in Gaze, Seide, gewöhnlichen Spitzen, Seiden - undWollenstrümpfcn, Crep, Tuch, Baumwollzeug, Likör,Leder, Seife, Alaun ic. unterhalten und Handel mit diesenErzeugnissen treiben; Handels-Tribunal.

1 ) Stadt in Frankreich, Departement

Creuse, Arrond. Boussac; 2128 Einw., Civil-Tribunal,Gerberei, Wollspinnerei. — 2)>ocbsmbon, Flecken,Lbend., Depart. Loire, Arrond. St.-Etienne, am kleinenFluß Ondaine-Vachery, dessen Wasser vorzüglich zumStahlhärten gut ist; 4028 Einw., Seidenfärberei, Nägel-,Messer-, Gußstahlfabriken, Eisengießerei.!

Chamillen, Kamillen. Unter diesem Namenkommen die Blüthen von zwei verschiedenen Pflanzen inden Drogueriehandel. Dieselben sind: 1) die römischeChamille, klares Ldomomillao komanae s. nobilis, vonder Pflanze Anlliemis nobilis I.., die auf Triften, sonnigenHügeln, Grasplätzen und in Wäldern des südlichen Europa(Spanien, Frankreich und Italien) wild wächst und beiuns in Gärten angebaut wird. Die einfachen oder gefüll-ten Blumenköpfchen haben einen durchdringenden, ange-nehmen, gewürzhaften Geruch und sehr bittern, gewürz-haften Geschmack. Im frischen Zustande sind sie gelblich-weiß, werden aber durch das Alter bräunlich-gelb. 100 Pfd.frische Blumen geben getrocknet nur 34 Pfd. Nach Ha-gen's Angabe liefern 10 Pfund gerade 1 Loth äther. Oel.Hayne erhielt durch Omalige aufeinander folgende Destilla-tion aus 108 Pfd. Blumen 10 Unzen 3 Drachm. 83 Gr.eines blaß bräunlich-gelben, etwas ins Grüne spielendenätherischen Oeles.— Verwechselungen sollen vorkom-men mit den Blüthen der äcdiüea kmrinica, deren Geruchaber sehr verschieden von dem der römischen Chamillen ist.—Gebrauch: i» der Arzneikunde. — 2) Die gemeine oderFeld-Chamille, auch ächte Chamille genannt, kla-res Lkamomillas vulgaris, die zusammengesetzten strahligcnBlumen einer jährigen, auf Aeckern und unbebautem sandi-gem Boden in ganz Europa häufig wild wachsenden Pflanze,dlalricaria Lbamomilla k. Der Blumenknopf oder die soge-nannte Blumenscheibe hat eine hochgelbe Farbe, die Blu-menblätter sind weiß. Der Geruch ist eigenthümlich aro-matisch , der Geschmack nicht angenehm, gewürzhaft bitter.Bei der großen Aehnlichkeit anderer gewöhnlicher Blumenmit der Chamille entscheidet über die Aechtheit das sichersteKennzeichen, außer dem eigenthümlichen Geruch der Cha-mille, der kegelförmige, innen bis zur Spitze hohle Frucht-boden des Köpfchens, welches ohne Spreublättchen ist.Leicht zu verwechseln sind dem äußern Ansehen nach: lllir;'-sanlbemum inoilorun,, welches geruchlos ist und innen einenmarkigen Fruchtboden hat; Antliemis arvonsis, mit eineminnen markigen, mit Spreublättchen besetzten Fruchtboden;Anlbomis Lolula, mit eben diesen Kennzeichen und eigenemwidrigen Geruch. 1 Pfd. Chamillen giebt >/z bis 1 Quent.ätherisches Oel. Gebrauch: Die gemeine Chamille istschon seit den ältesten Zeiten als'eine der nützlichsten Pflan-zen bekannt. Die Blüthen gehören zu den kräftigsten Haus-mitteln als Thee oder zu Umschlägen und werden sehrhäufig in der Arzneikunde angewendet. Als Farbematerialhat man sie hin und wieder zwar empfohlen, besonders zumGelbfärbcn, so lange es aber nicht an andern vorzüglichernFärbesubstanzen fehlt, möchte wohl schwerlich eine Anwen-dung davon zu erwarten sein. Untauglich sind die Blumendann, wenn bei der gemeinen Chamille der Blumenknopf zugroß ist, und sich darin, namentlich in nassen Sommern, kleineJnsectenlarven oder geflügelte Jnsecten befinden. Sie wer-den im Juni und Juli gesammelt.