Band 
Erster Band. A - G.
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Cblvr — 880 — Chocolade

Schwefelsäure salzsaures Gas entbindet und dieses durchBraunstein hindurchstreichen läßt.

Die drei ersten Methoden sind diejenigen, welche amhäufigsten angewandt werden. Im Allgemeinen verfährtman dabei so, daß man den Braunstein oder das Kochsalzund den Braunstein in ein Gefäß (Retorte) von Glas-«Steingut oder von Blei bringt, welches mit einer gläsernenRöhre versehen ist, um das Gas dahin zu leiten, wohin esgeführt werden soll, die Säure darauf schüttet, einen paffen-den Deckel auflegt und nun das in einem Ofen eingesetzteGefäß von außen mäßig erwärmt. Diese äußere Erwär-mung braucht die Temperatur des siedenden Wassers nichtzu übersteigen. Im Kleinen bedient man sich der tubulirtenGlasretorten, in welche man die Mischung einfüllt und siein einem Sandbade erwärmt. Die Entbindungsgefäße ausSteingut, wie sie im Großen in französischen Fabriken ver-wendet werden, haben eine eiförmige Gestalt, einen Inhaltvon etwa 40 Maaß und eine Oeffnung von etwa 6 ZollWeite; an der Seite befindet sich ein engerer Hals, in wel-chen die Röhre, welche das Gas zu leiten hat, eingesetzt undverkittet wird.

Der Krug wird in einen Ofen so eingesetzt, daß derRauch des entfernten Feuers nur die Seitenwände desselbenbestreicht, damit der Boden, auf welchem der Braunstein sichdicht anlegt, nicht zu sehr erhitzt und dem Springen aus-gesetzt werde. Der innere Raum der Gefäße muß jedenfallsso groß sein, daß nach Einfüllung der Materialien noch dieHälfte leer bleibt. Geschieht dies nicht, so kann leicht dasdurch die Gasentwicklung sich stark aufblähende Gemengebis in die Leitungsröhren dringen und diese verstopfen. Letz-tere sind, bei Operationen im Kleinen, aus Glas, im Großenaus Blei.

Die Hauptanwendung des Chlorgases ist die zumBleichen von Leinwand, Baumwollenzeugen, der Lumpenbei der Papiersabrikation, des Talgs zu Lichten, des Wach-ses rc. Bei Wolle, Seide und Strohgeflechten darf Chlornicht angewendet werden, da es auf diese Substanzen zer-störend wirkt. Außerdem wird das Chlor zur Zerstörungschädlicher Dünste bei bösartigen Krankheiten in Hospitä-lern, Krankenzimmern rc. gebraucht; jedoch muß es mitVorsicht gebraucht werden, indem es sehr heftig auf dieAthmenwerkzeuge wirkt, und Husten, Beklemmung, Blut-speien und selbst Schwindsucht verursacht.

Das Chlorgas ist nicht brennbar, aber zündend,denn es verbindet sich mit vielen brennbaren Stoffen schonbei gewöhnlicher Wärme unter Feuerversicherungen. DieLöslichkeit des Chlorgases in Wasser ist bei 9 bis 40 Gradam größten. Man braucht-zur Bereitung des Chlorgases4 Theil Braunstein mit 4 Theilen käuflicher Salzsäure.

Der französische Chemiker Guyton Morveau wendetedies Mittel zuerst an. Da nun das Chlorgas seine Ei-genschaften sowohl dem Wasser als auch einigen andernSubstanzen (besonders dem Kalk) mittheilt, und diese sichalsdann leicht aufbewahren und auch bequem transportiernlassen, so wendet man meist diese anstatt des Gases an. Sodient z. B. die Chlorkalk - oder besser noch die Chlornatron-auflösung am sichersten zur Reinigung der Leibwäsche unddes Bettzeuges der Kranken in Lazarethen rc. Die Berei-

tung des Chlorwassers oder wässerigen Chlors,so wie des Chlorkalkes geschieht, indem man das Chlorgas >in Wasser oder Kalk leitet, welche Substanzen dabei fort- !während umgerührt werden. Das Chlorwasser ist, jenachdem es mehr oder weniger von dem Gase aufgenommenhat, Heller oder dunkler gelb gefärbt, und hat ganz den Ge-ruch und Geschmack des Gases angenommen. Es wird be-sonders zum Bleichen gebraucht und deshalb auch Bleich-wasser genannt.

Der Chlorkalk (oxydirt salzsaurer Kalk, Bleichpul-ver) wurde zuerst 4798 von Tennant bei Glasgow verfer-tigt und beim Bleichen der Baumwolleuzeuge angewendet.

Er ist ein weißes Pulver von einem eigenen schwachen Chlor-geruch und einem salzigen, herben Geschmack; löst sich größ-tenteils in Wasser auf und hinterläßt blos Kalk unauf-gelöst, dessen Menge aber um so geringer ist, je besser derChlorkalk bereitet war. Zur Auflösung des besten Chlor-kalks sind 40 Theile Wasser hinreichend, und diese Auflösunghat ebenfalls ganz die Eigenschaft angenommen zu bleichenund üble Gerüche zu zerstören. In verschlossenen Gefäßenkann man den Chlorkalk längere Zeit aufbewahren, dochmuß man ihn vor dem Zutritt der Luft und des Lichtssichern, weil er leicht feucht wird und eine Zersetzung erlei-det. Auch dem Lichte ausgesetzt verdirbt er. Die Güte desChlorkalks läßt sich nach seinem Aeußern beurtheilen, aberGay Luffac hat ein Verfahren bekannt gemacht, das jetzt 'zur Prüfung des Chlorkalks auf seinen Chlorgehalt häufigangewandt wird. Es gründet sich auf die entfärbende Ei-genschaft des Chlors, von dessen Quantität die Güte des .Chlorkalks abhängt. Man bestimmt nämlich die QuantitätIndigo, die durch 4 Maaß Chlorkalkauflösung entfärbtwird. Man hat hierzu eigene graduirte Glasröhren (Llüo-romowr), mit deren Hülfe die Untersuchung sehr rasch geht.

Ein neueres Verfahren zur Prüfung des Chlorgehalts vonGay-Lussac ist statt derJndigo-Auslösung eine Auflösung vonweißem Arsenik zu gebrauchen. — Das Ch lorka li, chlorig-saure Kali, oxydirtsalzsaure Kali, javellische Lauge, Lau <Io.luvollo, wurde zuerst 4792 zu Javelle bei Paris dargestellt. !Um es zu bereiten, leitet man in eine Potascheauflösung so !

lange Chlorgas, bis sie nur noch wenig alkalisch reagirt, °

also bis sie geröthetes Lackmuspapier nur noch schwach blaufärbt, und schon bleichend auf das angewandte Papier !wirkt, ohne die blaue Farbe vorher zu vermehren. DasChlorkali stellt alsdann eine blaßgelbliche, manchmal etwasrosenrothe Flüssigkeit vor, die schwach, und nicht unange-nehm nach chloriger Säure riecht, einen eigenthümlichenSalzgeschmack hat und Pflanzenfarben bleicht. Früher,vor der Anwendung des Chlorkalks, bediente man sich desChlorkalis im Großen zum Bleichen der Leinwand und Kat-tune, jetzt aber braucht man es nur noch im Kleinen zur !Entfernung von Obst- oder Rostflecken aus Leinwandzeug.

— Durch die Verbindung der Chlorsäure mit Kali entstehtdas chlorsaure Kali. Dasselbe ist der Hauptbestand-theil der chemischen Feuerzeuge, Zündpulver für die Per-cussionsgewehrschlösser rc., und in neuerer Zeit sehr allge-mein geworden, s. Kali (chlorsaures).

Ehocolade, (Schokolade), ein in Tafeln, aus Cacaound Zucker, mit oder ohne Beimischung von Gewürzen, be-sonders Vanille, geformtes Nahrungsmittel. Man unter-