Band 
Erster Band. A - G.
Seite
593
JPEG-Download
 

Colonien

393

Colonien

versteht man im französischen Handel unter venreos colo-niaies überhaupt alle Waaren, die durch den überseeischen! Handel nach Europa gebracht werden: Cacao, Kaffe, Caut-chouc, Cochenille, Baumwolle, Arröwroot, Sagu, Lapioka,Indigo, Zucker, Gewürze, Farbe- und Ebenistenholz,Droguen rc.

Colonien sind auswärtige Niederlassungen oder Be-sitzungen. Die Gründung derselben geschah schon im Alter-thum von verschiedenen Staaten, sobald sie ihre Macht oderihren Handel über die Grenzen des Mutterstaates ausdehn-^ ten. Wir kennen die Niederlassungen des uralten sehr thä-tigen Handelsvolkes der Phönizier auf den Küsten des mit-telländischen Meeres, wenigstens zum Theil; dann derKarthager, die wahrscheinlich schon die britischen Inselnwegen des Handels besuchten; der Griechen, die zahlreicheColonien aus politischen und kommerziellen Rücksichtengründeten; der Römer, die jedoch dabei nicht den Handel,sondern politische Zwecke, Eroberung und Sicherung des. Eroberten, im Auge hatten. Die Niederlassungen der Ge-^ nuesen und Venezianer waren nicht eigentliche Colonien,

! sondern mehr oder minder befestigte Handelscomtore. Einegroßartige Ausdehnung gewann das Coloniewesen erst seitder Entdeckung des ostindischen Seeweges und Amerika's.Mannigfach haben diese Entdeckungen, so wie der neueBesitz auf die Verhältnisse der Civilisation eingewirkt. DasSeewesen wurde vervollkommnet durch die vervielfältigtenErfahrungen im Meer und am Sterncnhimmel, man lernteneue Schätze der Erde kennen und die Erde selbst ward einGegenstand emsiger Forschung unter den verschiedenen Zo-nen. Das Streben nach Vortheil und Gewinn lehrte diekostbaren Pflanzen, Bäume !c. aus Ostindien nach West-indien oder umgekehrt verpflanzen. Das Gelingen reiztezur gewinnreichen Benutzung des Mittels. Abenteurer. begannen die Auswanderung in die fremden Welttheile, die^ sich später immer mehr entwickelte, und heute mannigfach^ verkannt und gemißbraucht wird durch Betrug oder als Ra-

^ dicalmittel zur Abhülfe der Roth im Volk. Alle Gründe

der Erfahrung sprechen dafür, daß dies Mittel unter den^ heutigen Verhältnissen den gewünschten Erfolg nicht habenkann und wird.

Die meisten Colonien besitzt jetzt England. Diesesind: in Europa Gibraltar (1704), 1834: 13,008 Einw.;Malta und Gozo (1800), 98 engl. QM., 1839: 121,928Einw.; Ionische Inseln (1814), 1097 engl. QM., 1840:223,349 Einw.; Helgoland (1814), 3'/. QM-, 1842:2000 Einw. — In Nord-Am er i ka: Ost- oder Ober-Canada (1842), 132,000,000 Acres, 700,000 Einw.;West- oder Unter-Canada (1842), 64,000,000 Acres,600,000 Einw.; Neu-Braunschwcig (1840), 16,800,000Acres, 136,200 Einw.; Princc-Edward's Island (1842),1,360,000 Acres, 47,000 Einw.; Reu-Foundland (1836),23,000,000 Acres, 73,091 Einw.; Neu-Scotland (1836),8,000,000 Acres, 142,813 Einw. — In West-Indien:

! die Inseln Antigua, Barbadoes, Dominica, Grenada, Ja-maica, Montserrat, Nevis, St.-Kitt'S, St.-bucic, St.-Vin-cent, Tabago, Tortola, Trinidad, Bahamas, Bermudas,Anguillaund in Süd-Amerika: Honduras,Demerara undBerbice.— In Afrika: dieNicderlassungen auf derWest-küste (1631, 1661, 1787, 1827), 1839: 43,628 Einw.;

1 .

Copland (1810), 21,489 Acres, 1842: 171,319 Einw.;Mauritius (1806), 781 Acres, 1839: 133,197 Einw.;St.-Helena, 47 Acres, 1841: 8090 Einw. — In Asien:die Besitzungen der ostindischen Compagnie, und außerdemCeylon (1796), 24,300 Acres, 1842: 1,337,032 Einw.;Hong-Kong (in China, 1842). — In Australien: Neu-Süd-Wales (1787), 1842: 133,222 Einw.; Van-Die-mensland (1803), 1842: 48,963 Einw.; West-Australien(1829), 1842: 3274 Einw.; Süd-Australien (1836);Reu-Zeland (1839), 86,000 Acres, 1842: 13,000 Einw.

Frankreich' s Colonien sind in Rord - Amerika:Saint-Pierre und Miguelon, 1837: 1400 Einw., von denAntillen Martinique, 1837: 117,302 Einw., und Gua-daloupe 1837: 127,668 Einw. — Süd-Amerika:Cayenne (Guyana), 1837: 21,648 Einw. — Afrika:an der Westküste am Senegal, 1837: 18,040 Einw.; dieInsel Bourbon, 1837: 106,099 Einw. — Asien: dieFaktoreien, Pondichery, 1836: 167,736 Einw. Die Pro-dukte dieser Colonien sind besonders Zucker, Kaffe, Cacao,Gewürze, Baumwolle, Gummi, Häute.

Die überseeischen Besitzungen des Königreichs der Nie-derlande in Asien (die ostindischen Inseln von den Mo-lukken, Benkuelcn auf Sumatra, Makaffar, Celebes,Banda,Borneo, Ceylon rc.), Afrika (Forts auf der Goldküste),Amerika (Surinam oder Guyana, die westind. Inseln Cu-racao, St.-Eustatius, Saba, ein Theil von St.-Martin)umfassen 26,309 geogr. QM. mit 13,003,100 Einw. Da-von habe» die ostindischen Besitzungen 25,872 QM. mit13,007,000 Einw., wobei der darin nicht mitgerechneteTheil der Küste von Neu-Guinea 200,000 Einw. hat.

Spaniens Colonien sind, trotz der sehr großen Ver-ringerung, noch immer ein sehr bedeutender Besitz wegenihrer Ergiebigkeit an Produkten und im Handel. In West-Indien hat Spanien nur noch die Inseln Cuba (mit demwichtigen Handelsplatz Havanna), Portorico, die virgini-schen Inseln, die Passage-und Schlangen - oder Culebra-Eilande. — In Ostindien die Philippinen-Inseln (Ma-nilla oder Luzon mit mehr als 1'/, Will. Einw. — InAfrika: Ceuta, Melitta, die kanarischen Inseln, die An-nobon- und Prinzen-Jnscl im Meerbusen von Guinea. Diespanischen Colonien gehören beinahe zu den ergiebigstenaller Colonien.

Die Colonien der Portugiesen sind in Afrika (imatlant. Ozean) die Inseln Madeira, Porto-Santo, dieAzoren-Juseln, die capverdischen Inseln oder Inseln des grünenVorgebirges, Cachaou und Bissao, die größte Guinea-InselSt.-Thomas, auf der afrikan. Westküste in Congo, An-gola, Benguela, auf der Ostküste in Sofala, Mozambikund die Amiranten-Jnseln. — InAsie n oder Ostindien:die Inseln Goa und Diu, die Hafenstadt Damaun (zwi-schen Bombai und Surate, an der Cambai-Bai); in Chinadie vorzüglich zum Handel liegende Insel und Stadt Macaobei Hong-Kong); außerdem Küstenstriche auf den niederlän-dischen Sunda-Inseln Timor und Flores.

Die Colonien der Dänen sind: im Norden Grön-land, wo auf der wirthlicheren Südwestküste Niederlassun-gen gegründet wurden (Frederiks-, Christians-, Good-,und Julianen-Haab); die Insel Island im Nordmeer,

73