Correspondcnz
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möglichst vollständig wieder zu geben, und zwar bis zumkleinsten Theil herab, so daß der Leser über keinen Punkt desBriefes in Ungewißheit bleibt. Doch kann die Bestimmt-heit auch zu weit getrieben werden, indem sich der Schreiberauf Kleinlichkeiten einläßt, die mit dem in Rede stehendenGegenstand nicht in unmittelbarer Beziehung stehen und denEmpfänger des Briefs nicht interessiren können. DieseEigenschaft heißt Weitläufigkeit, Umständlichkeit, Schwer-fälligkeit.
Die Deutlichkeit des Stils besteht darin, daß derLeser möglichst schnell, leicht und vollständig einen richtigenBegriff von dem Gegenstände empfängt, dessen Darstellungdie Absicht des Schreibers war. Um sich die gewünschteDeutlichkeit im schriftlichen Vortrage anzueignen, muß1) der Schreiber selbst eine deutliche Vorstellung von demGegenstände haben, den er besprechen will, und 2) die Lageund Persönlichkeit dessen berücksichtigen, an den er schreibt,da nicht Einer in gleichem Maaße wie der Andere einen vor-getragenen Gegenstand leicht auffaßt und versteht.
Unter der Ueblich keit versteht man diejenige Eigen-schaft der Schreibart, welche in der Wahl des Ausdruckes(der Wörter, Redensarten) das, was üblich, nämlich her-kömmlich, gebräuchlich ist, zum Maßstabe nimmt. Obgleichmancher Ausdruck an und für sich nicht fehlerhaft ist, sopflegt man ihn doch in Sprache und Schrift nicht zu brau-chen; daher muß man einen solchen Ausdruck vermeiden undeinen üblichern an seiner Statt wählen. So sagt man z. B.nicht: sein Vermögen war (oder lag) dabei auf dem Spiel,sondern: sein Vermögen stand dabei auf dem Spiel; nicht:er nimmt sich viele Mühe, sondern: er giebt sich viele Mühe.Durch solche Abweichungen von der Ueblichkeit wird dieSchreibart unbequem, sonderbar; absichtliche Nachlässigkeitmachen den Stil gezwungen, gesucht oder affcktirt. BeideKlippen, besonders aber die letztere, müssen streng vermiedenwerden. — Die Ueblichkeit hat besonders im kauf-männischen Stil einer Menge Wörtern und Ausdrückeneine Nebenbedeutung gegeben, worin sie im gemeinen Lebengar nicht oder nur sehr selten gebraucht werden; doch mußman keineswegs glauben, daß eine unbeschränkte Willkürhierbei herrsche, vielmehr darf man bei Anwendung solcherPhrasen nie zu weit gehen, besonders dabei nie die Regelnder Sprachlehre vergessen, wie es leider von so manchenKaufleuten geschieht, in deren Briefen man nicht selten ganzsinnwidrige Ausdrücke liest, welche ein Uneingeweihternicht zu enträthseln im Stande ist, wie die Ausdrücke:diese Flocke (bei Baumwolle), diese Süßigkeit (oderSüße, für Zucker), flauen (von den Waarenpreisen), träge(beim Absatz von Waaren) rc. — Ausdrücke, welche der Ge-brauch festgestellt hat, sind: entnehmen, ziehen (trassi-ren), Ziehung, Abgabe, begeben (verkaufen), Bege-bung — im Wechselhandel — erkennen, gutschrei-ben, gutbringen, Gutschrift, vormerken, zumeinen (unsern, Ihren) Lasten, zumeinen (un-sern, Ihren) Gunsten, überreichen (für: übersen-den), entfalten (dem Briefe entfalten, mit dem Briefeempfangen) ic.
Kürze ist diejenige Eigenschaft der Schreibart, wennman in einem Briefe nicht mehr Worte und Gedankenbraucht, als man zur klaren Darstellung seiner Absicht nöthig
hat. Richt darin besteht die Kürze, daß man Briefe vongeringem Umfange abfaßt; man kann einen sehr langenBries schreiben und doch dabei kurz sein. Pleonasmus(Ueberfüllung) und Tautologie (Doppelausdrücke) sinddie gewöhnlichsten Fehler gegen diese Regel. Das Gegen-theil der Kürze ist Weitläufigkeit, Umständlichkeit, Breite.Doch darf die Kürze nicht so weit getrieben werden, daß derBrief dadurch unverständlich wird.
Die Höflichkeit ist ebenfalls eine der empfehlens-werthesten Eigenschaften im kaufmännischen Briefstil. Manbeachte stets die Stellung derjenigen Person, an welche manschreibt. So wie jeder gebildete Mann bei der Besorgungseiner Geschäfte überhaupt Anstand und Höflichkeit beobach-tet, so wird er es auch im brieflichen Verkehr thun. Diewahre Höflichkeit ist aber weit entfernt von Schmeicheleiund niedriger Kriecherei, von den albernen Förmlichkeitenseichter Köpfe, welche eben so, wie sie im feineren geselligenUmgang verachtet werden, ganz unpassend für das vielbe-schäftigte Leben des Kaufmanns sind. Was der Geschäfts-mann zu berichten, zu bitten, zu bestellen hat, das sagt erkurz, aber mit gefälligen, höflichen Worten; eine Unzufrie-denheit, einen Tadel sucht er durch milde Ausdrücke zu lin-dern; durch Darlegung seines Diensteifers sucht er sich dieGunst und Zuneigung seiner Geschäftsfreunde zu sichern.Früher gebrauchte man zu diesem Zwecke bei der Anrede imBriefe, bei der Unterschrift und bei der Aufschrift desselbeneine Menge gesuchte Wendungen, Titulaturen und andereFörmlichkeiten, die man jetzt, nach den, Beispiel der Fran-zosen und Engländer, als eines freien Mannes unwürdig,wegläßt.
So wie innereOrdnung und Zusammenhangeinem Briefe nicht fehlen dürfen, der Anspruch aufDeut -lichkeit machen soll, so darf man auch in der äußerenAusstattung der Briefe nichts versäumen, damit man nichtgegen die Wohlanständigkeit verstoße. Ein Brief muß l e -serlich geschrieben sein; obschon man dies von allen Brie-sen fordert, so ist es doch vorzüglich eine nothwendige Eigen-schaft der kaufmännischen. Nichts ist unangenehmer, alsden Sinn eines Briefes errathen zu müssen. Wenn mandaher auch nicht verlangen darf, daß eine Handschrift wie inKupfer gestochen aussehe, so soll sie doch gleichmäßig undvollkommen leserlich sein. Eine gleichförmige Handschriftvon eben nicht sehr großer Schönheit nimmt sich im Ganzenmeist sehr schön aus, so daß man sie häufig einer in ihreneinzelnen Theilen regelrechteren aber ungleichmäßigen weitvorziehen muß. Einem vollkommenen Correspondentendarf aber bei einer gefälligen Handschrift auch die gehörigeGeschwindigkeit beim Schreiben nicht fehlen, welcheeine seiner Haupteigenschaften sein muß. Auf Einen Posttagkommt oft sehr viel an, die Posten aber warten nicht aufden Briefschrciber. Gute Briefe geschwind abzu-fassen, erfordert aber eine natürliche Anlage und vieleUebung von Seiten des Schreibers.
Daß ein Korrespondent der Orthographie der Sprache,in welcher er schreibt, vollkommen mächtig sein müsse, daßer ferner die Regeln der Jnterpunktionslehre und der Sil-benabtheilung stets in Anwendung bringe, daß er die Wör-ter und Zeilen nicht in einander schreibe, sondern gehörigenRaum zwischen ihnen lasse, versteht sich von selbst, muß aber