Band 
Erster Band. A - G.
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Korrespondenz — 624 — Korrespondenz

nachdrücklich empfohlen werden. Man bediene sich im Briefekeiner Abbreviaturen; vorzüglich erlaube man sie sich nie beiHauptwörtern; eben so wenig drücke man Zahlen, woraufes hauptsächlich ankommt, durch Ziffern aus, sondern schreibedieselben in Worten aus. Verstöße hiergegen werden oftmit schwerem Schaden bezahlt. — Man mache es sich fernerzur Regel, jeden Brief, nach Vollendung desselben, aufmerk-sam zu durchlesen, um etwaige Irrthümer zu verbessern undVergessenes nachzuholen.

„Ein Redner und Poet zu werden," sagt Geliert,„das steht nicht in unserer Gewalt; aber seine Gedankenvon Dingen, die entweder keine Gelehrsamkeit erfordern,oder die uns bekannt sind, in einer anständigen und ver-nünftigen Schreibart vorzutragen, diese Geschicklichkeitkönnen sich alle jungen Leute durch eine gewisse Uebungerwerben."

Die drei Hauptstücke des kaufmännischen Briefes sind:der Eingang, der Inhalt und der Schluß. ImEingang des Briefes, welchem die Adresse des Empfän-gers, Ort und Lag der Abfassung vorangeht, erwähnt mandas Datum des letzten Briefes (oder aller der letzteren, welchenoch unbeantwortet sind) seines Geschäftsfreundes, oderbezieht sich, wenn auf den letzten an ihn geschriebenen Briefnoch keine Antwort eingegangen ist, auf dieses letzte Schrei-ben. Wird aber der Briefwechsel mit einem Handelshauseerst angeknüpft, oder ist er lange unterbrochen worden, somachen diese Umstände einen andern Anfang nöthig, worinder Verfasser des Briefes den Empfänger mit seiner Lageoder den Umständen und der Gelegenheit bekannt macht,welche ihn (den Verfasser) veranlassen, ihm (dem Empfän-ger) zu schreiben, oder von der Ursache der Unterbrechungder Geschäftsverbindung unterrichtet; überhaupt muß derEingang eines Briefes stets dem Hauptinhalt angemessensein. Man sei im Eingänge eines Briefes stets kurz; oftkann man mit einem bloßen Compliment ihn bilden. Die-ser Eingang führt nun unmittelbar zum eigentlichen Inhaltdes Briefes, wobei man vorzüglich darauf zu sehen hat,daß die Verbindung zwischen Beiden natürlich, leicht undungezwungen sei. Beim Inhalt des Briefes verfahreman so, daß, wenn man Briefe seines auswärtigen Ge-schäftsfreundes zu beantworten hat, man die einzelnen An-gelegenheiten darin in derselben Ordnung behandelt, wie siein diesen Briefen auf einander folgten. Nachdem man ge-sagt hat, wie man seine Aufträge ausgeführt, bespricht manseine eigenen Aufträge, Bestellungen, Bitten rc. Zuletzt fügtman noch allgemeine Handelsberichte und solche Neuigkeitenhinzu, die den fremden Correspondenten als Kaufmann inter-essiren. Der Schluß des Briefes muß, wie der Eingang,kurz, ungezwungen und höflich gehalten werden. Manersucht darin den Empfänger um die Gewährung oder Er-haltung seines Wohlwollens und empfiehlt sich ihm, was ambesten auf die einfachste Weise geschieht. Hier sind die fol-genden Ausdrücke die anwendbarsten: Ich empfehlemich Ihnen mitHochachtung und Ergebenheit;ichhabe dieEhre, michJhnen ergebenst zu em-pfehlen; in Erwartung Ihrer ferneren güti-gen Befehle habe ich die Ehre, mich Ihnen be-stens zu empfehlen; ich empfehle mich Ihnenergebenst; mit Hochachtung zeichnet (ergeben st);

mit achtungsvoller Ergebenheit, oder auch blos;mit Achtung zeichnet rc.

Die verschiedenen Arten der kaufmännischenBriefe werden durch die Verschiedenartigkeit der Geschäfts-vorsälle und Verhältnisse bedingt. Briefe, deren Inhalteine Vorstellung, ein Gesuch, eine Erzählung, eine Zusage,eine Mißbilligung, eine Weigerung rc. ist, werden nach denfür Aufsätze dieser Art geltenden allgemeinen Regeln behan-delt, doch mit Berücksichtigung der Eigenthümlichkeit deskaufmännischen Stils. Indessen giebt es auch Briefe, diesich in jene allgemeinen Formen nicht fügen wollen, und zuderen Abfassung man sich nach den besten vorhandenen Mu-stern dieser Art bilden muß. — Die eigenthümlichen Artender kaufmännischen Briefe sind folgende:

Circulare oder Rundschreiben (Umlaufschrei-ben), welche den Zweck haben, die Gründung, das Auf-hören, die Abtretung, oder die Fortsetzung eines Geschäftes,so wie die Veränderungen, die dasselbe in seiner Direktiondurch die Annahme oder den Austritt oder den Lod einesHandelsgesellschafters erleidet, anzuzeigen. Circulare läßtman, da man sie in gleicher Form an sehr viele Handels-häuser richtet, in der Regel drucken, und füllt blos dieAdresse des Empfängers bei Absendung des Briefes aus.Besondere Bemerkungen, die man dem einen oder ander»Geschäftsfreunde (je nach der Stellung und Bekanntschaftdes Schreibers mit ihm) noch zu machen hat, fügt man demRundschreiben als Nachschrift bei. — Bei Errichtungeiner Handlung sagt man: daß man an seinem Platz ei»Geschäft gegründet habe, nennt die Firma desselben und dieGattung der Geschäfte, welche man betreiben will, giebtdie Versicherung, daß man die zur Führung dieses Geschäftserforderlichen Eigenschaften und Mittel besitze, fügt dieBitte um Zutrauen des Briefempfängers und um Aufträge,die in sein (des Absenders) Fach einschlagen, bei, verspricht,sich des Ersteren stets würdig zeigen und die Letzteren stetspünktlich und aufs Beste ausführen zu wollen, versichertseinen Diensteifer und macht den Empfänger am Schluß aufseine Unterschrift aufmerksam. Die einfache, ernste undwürdige Haltung der Sprache im Briefe wird dem beabsich-tigen Zweck immer nützen.

Die Briefe, deren Zweck die Einladung zu gegen-seitiger Geschäftsverbindung ist, enthalten einfach den An-trag dazu, mit Hinzufügung. der Gründe, setzen die daraus«sprießenden Vortheile auseinander, versichern dem Em-pfänger, ihm bei Geschäften an dessen Wohnorte ebenfallsvorzugsweise Aufträge zufließen zu lassen, versprechen ihmdie billigste und sorgfältigste Bedienung, fügen die einzelnenBedingungen bei, machen den Adressaten auf einzelne Ge-schäftsartikel besonders aufmerksam rc. Hierher gehörenauch die Briefe, wodurch man einen Handelsfreund zurTheilnahme an einer größeren Geschäftsunternehmung(Spekulation) auffordert.

Die im Waarenhandel vorzüglich vorkommendenBriefgattungcn sind: Waarenberichte oder Markt-berichte, Bestellungsbriefe, Briefe über die Aus-führung erhaltener Bestellungen, über Commissions-Einkäufe und Verkäufe >c. — Die Marktberichtewerden in Handelsstädten von Zeit zu Zeit gegeben, unter-richten den Briefempfänger von dem gegenwärtigen Stande,