Granatapfel
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Graubünden
verarbeitet. Sie gehen von da nach Prag, von wo aus sieweiter verhandelt werden. Auch zu Gablons und WulferS-dorf sind Granathandlungen. Sehr viele von den böhmi-schen Granaten gehen roh nach Freiburg (im Breisgau),Rheinfelden und Waldkirch, wo sie geschliffen werden. InFreiburg sollen sich früher 1000 Menschen mit dem Granat-schleifen abgegeben und dieser Erwerbszweig der Stadtjährlich einen reinen Gewinn von 80 bis 100,000 Guldenabgeworfen haben. Gebraucht wird er zu den verschieden-artigsten Schmuckgcgenständen; die unbrauchbaren Stückewerden geglüht, abgelöscht, zu Pulver gestoßen und dannals Granatboord (rother Schmirgel) zum Schleifen weiche-rer Steinarten verwendet. Wie bei allen Edelsteinen richtetsich der Werth nach der Größe, Reinheit und Schönheitder Farbe. Am werthvollsten sind diejenigen dicken Gra-naten, welche ungeachtet ihrer Dicke dennoch ihre helle undfeurige Farbe zeigen. Diese stehen im Werthe oft demblauen Saphir gleich. Die böhmischen Granaten, welcheauf Schnüre gezogen sind, werden, in den Nummern 60bis 400, pfundweise verkauft. Bon den wohlfeilsten kostetdas Pfund 12 bis 16 Gulden. Eine Garnitur von 1000Stücken der besten Sorte, sehr gut geschliffen, wird mit120 bis 140 Gulden bezahlt. Für die rohen Granaten wer-den in den böhmischen Schleifereien folgende Preise bezahlt:1 Loth 40r 3 Fl. 30 Kr.; 1 Loth 60r 3'/, Fl.; 73r 2 Fl.;1 Pfd. 110r 34 Fl.; 163r 12'/- Fl.; 263r 3 Fl.; 400r24 Fl. Verwechseln kann man den Granat mit dem Jdo-kras und den sogenannten Zinngraupen; ersterer ist aberhärter und letztere sind schwerer als Granat. Die ausGlasflüssen sehr täuschend nachgeahmten Granaten lassensich an ihrer Weichheit und geringen Schwere erkennen.Der größte Granat soll der im grünen Gewölbe zu Dres-
> den sein. Er wurde in Böhmen gefunden und hat die Größel eines Hühnereies.
Granatapfel, Granatblüthen und Granat-schalen, kommen von dem aus Afrika stammenden undjetzt auch im südlichen Europa einheimisch gewordenen, auchbei uns sehr bekannten Granatbaum, llunico Lranalmn I..,
; in den Handel. Die bekannten schönrothen Blüthen (Lio-
i reg I!olau5triorum der Droguisten) gebraucht man zum Fär-ben und unter Zahnpulver; von den apfel- oder pomeran-
zenförmigen Früchten, wovon in Südeuropa das Fleisch ge-
i »offen wird, kommt die äußere röthlich-gelbe Schale, Lor-lex lsranalorum oder ölalicorii, getrocknet in den Handel;der Geschmack der Schale ist zusammenziehend; ihre Abko-! chung braucht man zum Gerben des Leders, und mit Eisen-
. salzen dient sie zum Schwarzfärben, so wie zur Bereitung
! von Dinte. Man bezieht sowohl Blüthen als Schalen ausItalien und dem südlichen Frankreich. Auch die Granat-
> Wurzelrinde, Lorlcx llranaium, kommt getrocknet als Dro-! guerieartikel vor. Sie wird in der Arzneikunde besonders
gegen den Bandwurm angewandt.
^ Granatill, s. Purgierkörner.
Grano, Gran, Grain, Münze in Malta, Rea-! pel und Sicilien; Gewicht in Brasilien, Portugal, Spanienund Italien.
! Gräpel oder Spanne heißt der achte Theil des beimBergbau gebräuchlichen Lachtsrs.
Graphit, Wasserblei, Reißblei, Pottloh,stanz, kraplüt, lllombazine, Polelot; cngl. l-rapbit, lNacie-leaä, I'Iumbaxo; ital. piomboxxine, ist ein Mineral voneiftnschwarzer oder stahlgrauer Farbe mit Metallglanz,schwarzem, glänzendem Strich, undurchsichtig, mild, indünnen Blättchen biegsam, von so geringer Härte, daß ersich leicht mit einem Messer schneiden läßt. Es kommt ent-weder dicht oder schuppig vor; spezif. Gewicht 2,08 bis2,48. Der Graphit verbrennt nur in sehr hohen Hitzegra-den und schmilzt nicht im Feuer, sondern nur vor demKnallgasgebläse oder durch Bolta'sche Batterien. Man be-trachtet ihn als ein Gemenge von Kohlenstoff (Kohle) miteisenoxydhaltigen Gebirgsarten, welche ersteren zufällig ver-unreinigen, denn Salzsäure entzieht dem Graphit bei ge-lindem Erwärmen das Eisenoxyd ohne Gasentwickelung.Man findet ihn gewöhnlich nesterweise im Gneis, Glimmer-schiefer, Thonflöhen in der Nähe von Steinkohlen; auchkann man ihn künstlich darstellen durch Zusammenschmelzenvon Eisen mit sehr viel Kohle. Der in den Handel kom-mende Graphit ist noch mit Sand, Thon lc. verunreinigt,und kann hiervon durch Schlemmen befreit werden. Nachseiner Beschaffenheit zerfällt der Graphit in blättrigen,schuppigen und dichten: der erdige kommt alsPottloh oder Ofen färbe in den Handel; der dichteheißt Reißblei. — Gebrauch: Zur Verfertigung vonBleistiften, Schmelztiegeln, zum Anstreichen der Oefcn,zum Einschmieren von Maschinen, um die Reibung zu ver-mindern, zum Schmieren der Radkämme bei Mühlwerken rc.Auch benutzt man ihn zum Belegen der Streichriemen. —Graphitgruben sind in Baicrn zu Pfaffenrcuth, Leizcs-berg und Haar bei Hasnerszell und Passau, Arzberg beiWunsiedel. Bei Passau werden jährlich etwa 4000 Etr.Graphit gegraben. Im Oesterreichischen sind Gruben beiKloster Schlegel in Oberösterreich, bei Rane in Unteröstcr-reich und Schönbühel unter Melk, zu Stuben in der böhmi-schen Herrschaft Krummau, von wo aus jährlich 600 Etr.nach Frankfurt a. M. gehen sollen. In Rcgensburg ist dieHaupknicderlage für den baierischen und böhmischen Gra-phit. Frankreich hat etwas Graphit im Departement desArriege und der hohen Alpen. Spanien hat Graphitgrubcnzu Ronda in Granada, in der Nähe des Meeres. Derspanische Graphit geht meist als Ofenfarbe nach den Hanse-städten und Holland. England liefert den besten Graphit,aus einem Berge bei Borrowdale in Cumbcrland, wo nurwährend sechs Wochen unter der strengsten Aufsicht gear-beitet wird in der durch ein Gebäude verwahrten Grube.Die Ausfuhr des englischen Graphits im rohen Zustande istverboten; erwirb im Lande selbst zu den feinen englische»Bleistiften verarbeitet, die ihren großen Ruf nur der vor-züglichen Güte und Reinheit des Materials zu danken ha-ben. In der neuesten Zeit ist auch aus Ceylon Graphitnach England gekommen.
Graubünden, Bünden, stanz. 6rison, ital. 6,'i-xoni, ist der größte Schweizer-Kanton, grenzt N. an Gla-rus, St.-Gallcn, Lichtcnstein und Tyrol, O. an Tyrol, S.an die Lombardei und Tcssin, W. an Uri; 134 O.M. großmit 84,806 Einw. Der ganze Kanton ist von Alpen bedeckt,deren hohe Ketten ihn in verschiedenen Richtungen durch-ziehen, und theilen das Land in zwei Haupttyäler und viele