Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
166
JPEG-Download
 

Leipzig

166

Leipzig

Silesias, ist der spanische Name mehrerer Sortenschlesischer Leinwand.

S te i fl e i n w a n d, S t c if sch e t t e r, eine mit Gummioder Leim gesteifte Futtcrleinwand.

Lschcschuika oder Deburet, ein russisches Leinen-zeug, im Seück 64 Arschin lang, 1 Arschin breit und 34Pfund schwer; geht nach Kjachta zum Tauschhandel mit denChinesen.

Die Leinwandfabrikation ist hauptsächlich über einengroßen Theil des mittleren Europa ausgedehnt. Sehr wich-tig war in dieser Beziehung schon seit sehr langer ZeitDeutscdland, indem es eine bedeutende AuSfuhr, beson-ders nach den wärmeren Gegenden. Süd-Europa und Ame-rika, hatte. Ueber Hamburg soll früher allein für lö Mill.,über Bremen für 3 Mill. Thlr. Leinwand ausgeführt wor-den sein. Diese Ausfuhr nimmt fortwährend beträchtlichbei sinkenden Preisen ab, wodurch natürlich nickt allein derErwerb, sondern auch der Betrieb dieses Industriezweigesleidet; denn indem derselbe wenig oder nichts gewährt,kann auch nichts darauf verwendet werden, und in der säch-sischen Oberlausitz haben 1847 die Landstände die Absichtausgesprochen, einen Uebergang von der Leinewcbcrci zu derOrleanweberei zu ermitteln und haben deshalb 3000 Thlr.dazu ausgesetzt. Nicht minder groß als in der Oberlausitzist die Noth in den schlesischen Weberorten. DiejenigenGegenden, in welchen die meiste Leinwand verfertigt wird,sind Böhmen, Mähren, Schlesien, Wcstphalcn (Wahrcn-dorf, Bielefeld), die Oberlausitz, Hannover, Osnabrück,das Fulda'sche, Schwaben, Baden -c. Die verschiedenenHauptfabrikationsorte sind bei den einzelnen Lcinwandsor-ten, die theils hier, theils in besonderen Artikeln diesesWerkes abgehandelt sind, angegeben. In der Schweizwird zu St.-Gallen, im Kanton Bern, Aargau -c., inHollandzu Gent, Brügge, Cortryk -c., inFrankreichvorzüglich in den nördlich gelegenen Departemcnten vielLeinwand gemacht. In England war die Lcinwandfabri-kation nicht so bedeutend; als jetzt; wichtiger in Schott-land und Irland, wo die Weberei einer der Hauptnah-rungszweige des Volkes ist. Spanien bezieht den beiweitem größten Theil seines Leincnbedarfs aus dem Aus-lande, besonders aus Irland und Deutschland. Rußlandführt viel von geringeren Leincnsorten (Raventuch, Flämisch-leinen , Segeltuch) aus. Amerika bezieht sehr bedeutendeQuantitäten Leinwand aus Europa und gehört zu den wich-tigsten Absatzkanälen für den Leinwandhandel.

iteipzig, die zweite Stadt in Sachsen, unter 10» 1'32" ö. L. öl» 20' 20" n. Br. an der Elster, Plciße undParthe gelegen, mit 00,200 Einw., gehört besonders durchseinen Handel zu den wichtigsten Städten Europa's und hatweltgeschichtliche Bedeutung. Die Messen, über deren groß-artigen Umfang weiter unten Näheres folgt, sind es nichtallein, welche Leipzig im Handel die unbestrittene Auszeich-nung geben; auch außer den Messen werden hier große Ge-schäfte gemacht und das lebendige Handels - und Gewerbs-treiben dauert ununterbrochen fort, wenn auch natürlichnicht in der Ausdehnung, wie in den Messen.

Obgleich Leipzig kein eigentlicher Fabrikort ist, so giebtes doch daselbst Wachstuch-, Wachslicht-, Strumpf-,Blumen-,

Pergament-, Farben-, Posamcntirwaarcn-, Putz-, Gold-und Silberdraht-, Hut-, Spielkarten-, aether. Oel-, Scife-und Parsümerie-, Pianoforte-, Parquctfußböden-, Gypswaa-ren-, Metall- u. Knopfpreß-, Leder-, Siegellack- u. Tabak-fabrikation. Es liefert ferner physikalische, chirurgische undmusikalische Instrumente, Gewehre, Kupferwaaren, Lam-pen, Blechwaaren, feine Korbwaaren, Töpferwaaren undOfen, Oblaten; es hat Scidcnfärbereien, zwei Dampf-walzmahlmühlen, Dampfsägcmühle, Furniermaschinensäge,zwei Dampfwollgarnspinnereien (Pfaffendorf, Eutritzsch),Oelrassinerien, stehende Lager von Manufaktur- und Sei-denwaaren, Baumwollgarn, roher Seide, Uhren, Glas,Holz-, Kurz- und Galantericwaarcn, Gewehren, Eisenund Eisrnwaarcn, Leinen, Tuch, Gewürzen, Droguerie-und Kolonialwaaren, Oel.

Zu den öffentlichen Anstalten für Handel und Gewerbegehören die Fcuerversicherungsanstalt, die Hagelschäden-und Viehversickerungsanstalt, die (auf Gegenseitigkeit ge-gründete) Lebensversicherungsgesellschaft, das Pfand- undLeihhaus mit Sparkasse, die polytechnische Gesellschaft,Kunst- und Gewerbcvcrein, die Handclslehranstalt, dasHandelsgericht, die Börse und die Buchhändlcrbörse, dieBank und außerdem Bankiergcschäste, mehrere Agenturenauswärtiger Versicherungs - und Dampfschifffahrts-Actien-gescllschaftcn rc., mehrere große Commissions - und Spedi-tionsgeschäfte.

Eine Auszeichnung, die Leipzig vor allen andern Städ-ten voraus hat, sind die Buchhändlermessen, in denensich der ganze deutsche Buchhandel concentrirt. Es findensich dazu viele fremde Buchhändler ein, und die Geschäftemögen über 0 Mill. Thaler betragen. Leipzig selbst halviele Buchhandlungen, Buchdruckcrcicn, mit gewöhnlichen,Dampf- und anderen Schnellpressen, Schrift - und Stcrco-typengießereicn, Kupfer- und Steindruckcreien, Kunst-und Musikalienhandlungen. Indessen besitzt Leipzig den beiweitem wichtigsten Handel durch die drei Messen, welche zuNeujahr, Jubilate und Michael abgehalten werden. Offen-bar haben diese Messen nach und nach Leipzigs Bevölkerunggehoben, den allgemeinen Verkehr herbeigeführt, einer MengeGewerbe den Ursprung gegeben und den hier bestehendenHandel begründet. Dieser Mcßverkehr aber ist so bedeu-tend, daß keiner, selbst der gepriesensten Mcßplätze in undaußer Europa, dagegen in Vergleich kommen kann. Sokamen auf die leipziger Messen im Jahr 1837 von fremdenversteuerten Waaren 12,012 Etr., und aus dem Zollverein107,360 Ctr., 1830 fremde Waaren 16,300 Etr., aus demZollverein 224,281 Ctr.; 1842 fremde Waaren 18,077 Ctr.,aus dem Zollverein 270,043 Ctr., während in Frank-furt«. M. zur Messe nur eingingen 1837: 0,013; 1830:0347 ; 1842: 8688 Ctr. In Frankfurt a. M. z. B. fehltmancher wichtige Meßartikel für den eigenthümlichen Groß-handel gänzlich; Frankfurt a. d. O. bietet hierin zwar mehrVollständigkeit dar, steht dagegen aber in der Masse derWaaren, die an den Platz kommen, sehr zurück; die Messenendlich in Rischnei-Nowgorod, Beaucaire, Sinigaglia undAcapulco sind Messen mehr im primitiven als im modernenSinn des Worts, und der Verkehr auf denselben ist immernur auf eine geringe Zahl von Artikeln beschränkt. Auch