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Lci'pzi'g
Lcipzig
i)at auf allen den letztgenannten Messen der Handel eineziemlich einseitige und nahe liegende Richtung. In Leipzigdagegen begegnen sich die Handels-Jnteressen aller LänderEuropa'S, eines bedeutenden Theils von Amerika (so trafen?ur Ostermcsse 1847 viele Kaufleute aus den Vercinigten-Staaten, Peru:c. ein) und des vorder» Asiens (Armenien,Persien rc.).
Ohne auf eine Geschichte der leipziger Messen eingehenzu wollen, die hier am unrechten Orte sein würde, glaubenwir doch anführen zu müssen, daß der Verkehr in der neuer»Zeit, namentlich seit 18l!>, in welchem Jahr die gegenwär-tige Zoll-Verwaltung in Preußen organisirt wurde, in Ab-Uahine gerieth. In Folge der Ausführung dieses, Sachsenund besonders Leipzig mit seinen Zolllinicn eng umgrenzen-den Systems, mußten preußische Einkäufer Leipzig für eineMenge Artikel, den Bedarf von beiläufig 13 Will. Menschen,weiden und zur Deckung desselben preußische Fabriken auf-suchen. Hatten solche Fabriken auch früher schon den Be-darf zum großen Theil gedeckt, so geschah dies doch gewöhn-lich mittelst der leipziger Messen; so wie aber dieser Handels-weg allmählig ganz in Wegfall kam, so war auch die aufeinzelne Artikel, besonders baumwollene Waaren gelegtehohe Eingangs-Abgabe Veranlassung genug, die Industriein dem Maaß anzuregen, daß nach und nach Fabrikate ge-liefert wurden, die man sonst nur aus dem Auslande zu be-ziehen gewohnt war. Seit dem Jahr 1834 jedoch, wo derspäter noch erweiterte Zoll- und Handelsverein zuerst in'sLeben trat, hat nicht nur der Verkehr innerhalb dieser Ver-kinsstaaten überhaupt einen großen Aufschwung gewonnen,sondern es ist dies auch unverkennbar von dem wichtigstenund ersprießlichsten Einfluß auf die Messen und den gesamm-ten Verkehr Leipzigs gewesen. Durch das von Seiten derBereinsstaaten zu Gunsten Leipzigs gemachte Zugcständnißder fortlaufenden Contirung ausländischer Waaren (s. deniilrt. Meßcontirung) ist ein permanenter Meßverkehr her-beigeführt worden, dessen Vortheile diejenigen Handelshäu-ser, welche die, diesem Zugcständniß zum Grunde liegendenBedingungen zu erfüllen im Stande sind, je länger je mehrwahrnehmen müssen. Die Meßwaaren sind seidene und halb-seidene, baumwollene und wollene Waaren (zu einer Messedurchschnittlich 60,00» bis 70,000 Ctr.), Leder aller Art,wofür Leipzig ein Hauptmarkt ist, Leinwand, leinene undhalbleinene Waaren, Eisen - und Stahl-Waaren, Kurz-Maaren aller Art, Glas-Waaren, besonders viel böhmische(wit ein paar Jahren, ohngeachtet des hohen Eingangs-zollesj, Instrumente (musikalische, mechanische rc.), Leder-haaren, Steingut und Porzellan, Rauch-Waaren undPelzwerk, wofür Leipzig ein Hauptmarkt, wenn nicht über-haupt der bedeutendste ist, Seide (gefärbte), wollene undbaumwollene Garne, Twist, rohe Häute und Felle, Hasen-selle, Schweinsborsten, Roßhaare, Bettfedcrn und Wachs,Wovon allmesscntlich eine sehr bedeutende Menge auf denPlatz gebracht wird und Absatz findet. Waren LeipzigsPässen sc>„st xjn Markt, auf dem namentlich Asien eincp gu-ik» Theil seines Bedarfs an Waaren befriedigte, und hatauch dieser Absatz durch die russische Grenzsperre beinahehanz aufgehört, ohngeachtet des neuen Weges über Trcbi-sandc nach Tabris in Persicn, und ist auch Krakau durch^sscn Einverleibung in das österreichische Kaiserthum 1846
verloren gegangen, ist auch der Handel nach Brody undGriechenland nicht mehr so bedeutend wie früher, so gewinntder Handel dagegen wieder nach der Schweiz, Italien,Amerika, so wie durch den Abschluß des deutschen Zollver-eins und durch die drei (bald vier) von Leipzig ausgehendenEisenbahnen nach Dresden, die sächsisch-baierische, die nachMagdeburg, Braunschweig, Hannover, Berlin, und balddurch den unmittelbaren Anschluß einer Zweigbahn an diethüringische Bahn.
Wenn sich auch der Werth des umfangreichen und ver-zweigten Verkehrs Leipzigs nicht ganz genau schätzen läßt,so ist doch offiziell bekannt, daß die Post allein in einemJahr gegen 20 Mill. Geld und Werthpapiere auf den Platzbringt, und es läßt sich der jährliche Umsatz in Leipzig imWerth gegen 70 Mill. Thlr. anschlagen.
Stächst dem Waarenhandel ist der Wollhandel wichtig.Zur Beförderung desselben besteht seit 1826 im Juni (13.bis !6.) ein drei Tage dauernder Wollmarkt. Auf dieseZeit ist jedoch der Umsatz nicht beschränkt, sondern durch ei-nige große Wollhandlungen ist er ei» stetiger HandelszweigLeipzigs. An inländischen Wollen kommen hier jährlichohngefähr 21,000 Ctr. zum Verkauf, die etwa zur Hälftefür die inländische Fabrikation abgehen, und zur andernHälfte meist nach England ausgeführt werden.
Der Colonial-Waarenhandcl ist durch die ConkurrenzMagdeburgs im Vergleich gegen seine frühere Bedeutungnach und nach sehr geschmälert worden, und obwohl derselbesich seit einigen Jahren wieder gehoben hat, so hat er dochseinen früheren Umfang noch nicht wieder erlangt. Indessenist derselbe noch immer sehr beträchtlich, was die Eisenbah-nen Leipzigs namentlich bewirken.
So zweckmäßig die leipziger Wechselzahlungursprünglich sein mochte, wo der Handel Leipzigs einen an-deren Charakter hatte, als später, wo er sich durch die ver-änderten politischen und socialen Verhältnisse anders gestal-tete, so hinderte und erschwerte jene singirte Rechnungsweiseden Verkehr mehr, als sie nützte. Ursprünglich verstand manunter Wechselzahlung allein die convcntionsmä-ß i g geprägten Silbersorten, später die den letzten königl.Valvations-Tabellen gemäß gesetzlich zulässigen Con-ventions-'/o-, >/,2- und '/s.-Thalcrstücke, so daß bei einer inWechselzahlung zu entrichtenden Summe nur inCo»ventions-'/2,-Stücken gezahlt werden durfte. Aus die-sen Verhältnissen geht hervor, daß die jetzige sogenannteleipziger Wechselzahlung keineswegs mehr ein 20-Gul-dcnfuß, sondern ein 2I-Guldensuß (14-Thalcrfuß), undselbst dieser nicht einmal rein (denn 14'/, bis li'/^ Thlr.— 1 köln. Mark fein Silber) war. — Gold oder andereals die oben angeführten Münzsorten war niemand verbun-den , als Wechselzahlung anzunehmen. Diese Verhältnisseänderten sich seit der Jubilatemessc 1836 und seit der Abse-tzung dcrhannövcrscken und braunschwcigischen Conventions-münzc als Wechselzahlung auf hiesigem Platz, weil wenigköniglich sächsische >,/, und >/,2 geschlagen wurden. Dadurchwurde der wirkliche Mangel an reiner Wechselzahlung im-mer fühlbarer, und bewog den hiesigen gesammten HandclS-stand, Wechsel oder Anweisungen auf hier nicht anders zuacceptiren, als in Wechselzahlung oder Sorten