Münzen, Münzfuß. Münzen sind diejenigen grö-ßeren oder kleineren Stücke von edelm oder unedelm Metall,denen man gewisse Zeichen aufprägt, um ihren Gebrauchals gesetzliches Tauschmittel, Geld genannt, durch leichterkennbare Bestimmungen zu erleichtern, Sie bilden denMaßstab des Werthes, vermöge ihrer angenommenen in-neren Würdigkeit, und sind deshalb als Geld das allgemeingebräuchliche Werth Mittel. Insofern die Wcrthstückegrößer oder geringer sind, bedurfte man auch im Verkehrdem entsprechend größere und kleinere Stücke des Werth-metalls; deshalb wurden dieselben schon in der frühestenZeit entweder geschnitten und gestempelt oder gegossen, jenach dem Gewicht. Die Zeit der ersten Einführung derMünzen an die Stelle der früher gebräuchlichen Metallstan-gen oder Klumpen ist nicht mit Gewißheit bekannt: Herodotnennt die Lydier als die ersten Münzpräger, andere Autorendes Alterthums dagegen setzen die Erfindung der Kunst,Münzen zu prägen, in die Regierungszeit des Saturn unddes Janus über Italien, also in eine fabelhafte Zeit; so vielaber ist gewiß, daß die späteren Völker von den Phönizierndie Anleitung zur Münzkunst erhalten haben, und dem grie-chischen Schriftsteller Alcidamas zufolge sind diese die Erfin-der derselben. Erst manche andere Erfindungen mußtenvorhergegangen sein, ehe man nach und nach eine so künst-liche Sache, wie die Münze es ist, herzustellen im Standewar, was nur stufenweise geschehen konnte. Die ersten ein-zelnen Münzstücke wurden gestempelt, um durch das aufge-drückte Zeichen ihren Werth zu erkennen zu geben. DieMünzen der Spartaner und Byzantiner waren von Eisen,die der Syracusaner von Zinn; bei den Römern finden wirzuerst Kupfermünzen. Die letzteren erhielten die erstenMünzen entweder während der Regierung des Numa Pom-pilius oder des Servius Tullius, und es wurden dieselbenkecunia genannt, weil sie an die Stelle des früheren Tausch-mittels, des Viehes (pecus), traten und Figuren von Thie-ren darauf gestempelt waren. Je mehr die Kunst der Me-tallbearbeitung (Metallurgie) ausgebildet und vervollkomm-net wurde, desto mehr entfernte man die wegen ihrer Schweresehr unbequemen Münzen aus geringem Metall, und wiesihnen eine untergeordnete Stelle als bloßes Ausgleichungs-mittel (Scheidemünze) bei größeren Zahlungen an, zu deneigentlichen Handelsmünzen aber wählte man das Gold undSilber. Das erst in neuerer Zeit gefundene Metall Pla-tina, woraus Rußland längere Zeit Münzen prägen ließ,wird jetzt dazu hier nicht mehr benutzt, und die schon gepräg-ten Platina-Münzen werden wieder eingewechselt.
Die Bestimmung der verschiedenen Werthgrößen istohne eine allgemein anerkannte Wecthgröße, sei dieselbewelche sie wolle, nicht möglich. Eine solche Größe nenntman Werth-Einheit. In der frühesten und früherenZeit war dieselbe allein ein gewisses Gewicht, das man inkleinere Theile theilte. So lange der Verkehr sich mehr mitTausch begnügte, befriedigte diese Art Wcrthmittel das Be-dürfniß, je mehr sich jedoch der eigentliche Handel mit densich mehrenden verschiedenartigsten Bedürfnissen entwickelte,ward die Rechnung nach dem Gewicht zu lästig und auch zuunsicher, so daß neben jener Gewicht-Einheit noch anderekleinere Werth-Einheiten nothwendig wurden zum schnelle-ren Ausgleich in Werthbestimmungen, Deshalb machte
man eine bestimmte Zahl kleiner Stücke aus einem gewissenGewichtsstück des reinen Werthmetalls. Wäre dies Werth-metall stets rein zu diesem Zweck als Werthmittel gebrauchtworden, so würde jenes einfache Verfahren genügt haben,indessen die Kunst der Legirung, welche die Natur selbstdurch die Mischung zweier oder mehrerer Metalle, Silbermit Zinn oder Blei, oder Kupfer, oder Gold, Gold mit Ku-pfer rc. lehrte, nachdem man die Kunst der Scheidung er-funden hatte, leitete darauf, das edlere Metall mit geringe-rem zu mischen, um verhältnißmäßig mehr Werthstücke ausderselben Gewicht-Einheit des reinen Metalls zu gewinnen.Da nun die Bestimmung des Werthes einer solchen Gewicht-Einheit auf dessen Gehalt an reinem Metall gegründet ist,insofern man nämlich danach die Theilung derselben in klei-nere Gewichtstheile bestimmt, so ist keineswegs gleichgültig,wie viel des geringeren Metalls mit der Gewicht-Einheitdes edlen reinen Metalls verschmolzen wird, weil natürlichaus der dadurch überhaupt vergrößerten Metallmasse mehrkleinere Stücke gemacht werden können. Jene Gewicht-Einheit war ehedem das Pfund, wurde aber später d:eMark, und zwar die inKöln gebräuchliche. Dieses Ver-hältniß der Gewicht-Einheit theils des reinen Metalls theilsdessen Legirung zu den kleineren aus der Gewicht-Einheitgemachten Theilen nennt man die Valuta oder Wäh-rung oder auch den Münzfuß, insofern jene kleineresTheile, die aus der Gewicht-Einheit gemacht werden, gk-wisse Münzstücke in einer bestimmten Zahl sind. Aus die-sem Verhältniß sind die sogenannten Rechnungmünzen,auch fingirte oder Jdealmünzen genannt, so wie dienach verschiedenen Münzfüßen geprägten Münze»hervorgegangen. Die Rechnungmünzen sind entwedereine zu einem bestimmten Zweck angenommene unveränder-liche Werth-Einheit, z. B. die Mark-Banko der HamburgerBank, im Verhältniß zu kleineren Gewichtstheilen oder i"einer bestimmten größeren Münzsorte nach deren Gehalt a"reinem Metall; vcrgl. im Artikel Banken den Abschnitt'Hamburger Bank. So lange man die Münzen gt-wöhnlich nach Pfunden wog, war an ein gleichmäßiges Aus-münzen der einzelnen Stücke nicht zu denken, daher wardieser Zeit das Gewicht und die größere oder gering^Reinheit des Metalls das einzige Mittel zur Bestimmungdes Werthes. Aus jener Zeit der Unbeholfenheit in solch/"Dingen stammen die alten Benennungen der Groschr"'Gulden, Floren, die zu verschiedenen Zeiten Münzstü^von sehr verschiedenem Metallwerth bezeichneten. Auch d^sogenannten Brakteaten, nur von einer Seite gesteh'pelte sehr dünne blechartige Silbermünzstücke des Mi.tt^'alters, die deshalb auf der einen Seite hohl und auf der a"'deren Seite erhaben sind, waren solche GewichtsmünzegLange prägte man nur eine Art Münzen, und erst der grgßere und allgemeiner sich verbreitende Verkehr machte css"'ßere und kleinere Münzstücke zur Ausgleichung nothwendigZunächst berechnete man die Valuta nach der größten Mü»^sortc, die geprägt wurde. Diese Berechnung erhielt stlange, durch die Gewohnheit und durch viele Verhältnißim bürgerlichen Leben, die sich nicht so leicht wieder änderließen, weil sie durch sehr verzweigte Bestimmungen für» ^Zeiten gegründet waren, nachdem jene Münzsorten längst^"schwunden und durch andere von anderem Werth ersetzt w