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Zweiter Band. H - Z.
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Schroffage — 576 — Schroot

Kiele auf folgende Art ganz vorzüglich ausfallen. Manhängt in einem Kessel mit enger Mündung, der nur zumTheil mit Wasser gefüllt ist, die Federn so auf, daß die Spi-tzen der Kiele das Wasser beinahe berühren, bedeckt den Kes-sel oder verstopft seine Mündung (jedoch nicht so fest, daß erdurch den Dampf springen könnte), läßt das Wasser 4 Stun-den lang ununterbrochen sieden, nimmt die nun ganz er-weichten Federn heraus, öffnet sie den nächsten Lag unten,zieht das Mark heraus, reibt sie von außen mit einem wol-lenen Lappen gut ab und legt sie in mäßige Wärme. Amfolgenden Tage sind sie beinhart, aber nicht spröde, unddurchsichtig wie Glas. — Wenn die Federn gezogen sind, sobindet man 23 Stück in ein Bund zusammen. Die Farbedes Bindfadens bezeichnet gewöhnlich die Sorte. Nach ih-rem äußern Ansetzn (welches durch die Zubereitungsarl be-dingt wird) unterscheidet man die Federn in helle, durch-sichtige, glasartige, auch holländische genannt,und in trübe, undurchsichtige oder Hamburger.Die glasartigen erhält man dadurch, daß man sie vor demZiehen in beinahe siedend heißes, mit Kali, Alaun oder Koch-salz versetztes Wasser taucht. Das Sortiren der Schreib-federn geschieht nach ihrer Größe, Dicke und Schwere, welcheman meist mit dem Augenmaaß beurtheilt, was allerdingsein sehr trügliches Derfahren ist. Man legt je 8 und 8Bunde (oder je 200 Stück) zusammen in Papier und be-zeichnet die Qualität durch Nummern. Der Preis wirdfür 1000 Stück notirt. Zuweilen färbt man auch die Fe-dern, am angenehmsten und beliebtesten ist die gelbe Farbe,welche man dadurch hervorbringt, daß man die Spuhlcneinige Minuten lang in Schcidewaffer steckt und dann wie-der im Wasser abspühlt. Bedeutende Schreibfcderfabrikenbestehen in Hamburg, Alton«, Königsberg, Danzig, Nürn-berg, Hannover, Lübeck, Berlin, Breslau, Dresden, Düs-seldorf rc. Die rohen Posen bezicht man größtcntheils ausRußland, Polen, Galizien, Ungarn, Böhmen, Pommern,Mecklenburg, Westphalen, Lüneburg und Westpreußen. —Schon im vorigen Jahrhundert machte man metalleneSchreibfedern, namentlich aus Gold und Silber; späterverfertigte man in Nürnberg Federn aus Elfenbein, Hornund Messingblech. Erst neuerlich versuchte man es, Schreib-federn aus Stahl herzustellen. Ihre Fabrikation ging vor-züglich von England und von Wien aus, aber sie fandenwegen ihrer Härte und Unbrauchbarkeit keinen allgemeinenEingang, bis es endlich, etwa gegen das Jahr 1829, in Eng-land gelang, dieselben in größerer Vollkommenheit und zuziemlich billigen Preisen zu machen. Namentlich haben dieStahlfedern des Engländers Pcrry, welche sich durch ihreFestigkeit und Biegsamkeit auszeichnen, viel dazu beigetra-gen, daß ihre Anwendung allgemeiner wurde. Mit jedemJahr hat sowohl die Produktion, als der Verbrauch und dieGüte der Stahlfedern zugenommen. Es giebt jetzt sehr ver-schiedene Sorten nach der Art der Arbeit, ihrer Ausstattung,wonach auch der Preis bestimmt wird. Der Verbrauch istjetzt sehr bedeutend.

Schroffage, heißt die Provision, welche in einigenTheilen des englischen Ostindiens (Calcutta, Singapore w.)für das Sortiren der beschnittenen und zu leichten Silber-münzen einer damit eigens beschäftigten Gattung von Geld-

wechslern oder Mäklern, den sogenannten Schroffs, ver-gütet wird.

Schroot, Bleischroot, Hagel, französ. vrogse,plomb üo cliasso, Oröno'üles üe plomk, llloinb cn xrenuilles;engl. 8l>ut oder 8msl! slwr; ital. llollini, nennt man die be-kannten kleinen, beider kleinen Jagd gebräuchlichen Blei-kügelchen, die auf folgende Weise fabrizirt werden. Manschmilzt eine bedeutende Menge Blei >'n einem eisernen oderkupfernen Kessel und erhält es fortwährend im Fluß, umvon Zeit zu Zcil das Nöthige mit einem Gießlöffel heraus-holen und in Körner verwandeln zu können. Au diesemZweck befindet sich in der Nähe ein Waffergefäß, über demein mit durchlöchertem Boden versehenes Gefäß, die Schroot-form, steht. Die Größe der Löcher hängt natürlich von derzu erzielenden Schrootnummcr ab. Wollte man das flüssigeBlei unmittelbar in die Form gießen, so würde es in einzel-nen Strömen durch die Löcher fließen und nicht einzelneTropfen bilden, wie es doch sein soll, denn die Schrootkör-ner sind nichts anderes als erstarrte Bleitropfcn. Man be-deckt daher die Schrootform am Roden mit einer Lage Blei-asche, durch welche sich das flüssige Blei erst einen Weg bah-nen muß, in einzelnen Tropfen durch die Formlöcher sintertund während des freien Falles, so wie die Tropfen jeder an-dern Flüssigkeit, Kugeln bildet, die im Waffergefäß erkaltenund im allgemeinen ihre Kugelgestalt behalten. Um letzterenoch sicherer hervorzubringen, versetzt man das Blei mit Ar-senik, gewöhnlich rothem Schwefelarsenik, etwa 1 Pfund aus1000 Pfd. Blei. Hierdurch wird das Blei dünnflüssiger undvor dem zu schnellen Erkalten gesichert. Uebrigens sind dieauf die eben beschriebene Art erhaltenen Schrootkörncr häufignicht ordentlich rund, haben Einsenkungcn und kleine Höh-lungen, wodurch die Schußgenauigkeit benachtheiligt wird,weil der Schwerpunkt nicht mehr in der Mitte liegt. I"neuerer Zeit hat man diese Folgen schneller Abkühlung durcheinen stärker» Arsenikzusatz, so wie dadurch zu vermeidengesucht, daß man die Bleitropfen langsamer durch freien Fallvon bedeutender Höhe in der Luft erstarren läßt, ehe sie.indas Wasser gelangen. Man errichtet zu diesem Zweck eigcnkSchrootthürme, auf deren Höhe sich die gewöhnliche Schroot-pfanne befindet, aus welcher die Tropfen erst nach einemlangen Weg durch die Luft, folglich schon ganz erstarrt undin der ursprünglichen Kugelgestalt in das Wasser gelangen-Statt eines Thurmes kann man sich auch eines tiefen Brun-nens oder Schachtes bedienen. Das auf diese Art erhalteneSchroothcißtPatentschroot, da WattinBristol, wel-cher diese Methode zuerst in's Leben rief, sich 1782 ein Pa*tent darauf geben ließ. Bci'm feinsten Schroot braucht dieEntfernung des Siebes vom Wasser nur 10 Fuß zu betra-gen, je größer aber die Körner werden sollen, desto tiefte >muß das Wasser liegen. Der Schrootthurm bei Villach h^eine Höhe von 240 Fuß. Um das erhaltene Schroot nochvon den beigemengten unrunden oder schadhaften Körner"zu befreien, verfährt man folgendermaßen: man legt da^ausgetrocknete Schroot auf eine etwas geneigte Ebene, dc"eine leise Bewegung nnd nach und nach eine etwas größe^Neigung gegeben wird, wobei die runden Körner über d>^Fläche hinabrollcn, während die unrunden auf derselben z""rückbleiben. Die Größe der Löcher in der Schrootform l>^stimmt die Größe der Schrootkörncr durchaus nicht gena^