Seide
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Seide
Gehäuse, Cocon genannt, bildet, worin es sich zur Puppeverwandelt und woraus es sich als Schmetterling durchbohrt.Das Vaterland der Seidenraupe ist wahrscheinlich China,wo schon zu Anfang unserer Zeitrechnung Pflanzungen vonMaulbeerbäumen bestanden haben, auf denen die Seiden-raupe lebt. Nach einer chinesischen Sage erfand die Kai-serin Silingchi, 700 Jahre vor Abraham, die Kunst, dieSeide von den Cocons abzuwinden und zu verarbeiten. Dieaus der Seide gewebten Zeuge gehören in China, bei allenvur einigermaßen wohlhabenden Ständen, zur Kleidung.Auch i„ Persien hat man schon in sehr früher Zeit die Sei-^nraupenzucht betrieben. Nach Europa kamen erst im3ahr 882 n. Chr. unter Justinians Regierung die erstenSeidenraupeneier durch zwei Mönche, die dieselben ausbersten in ihren ausgehöhlten Wanderstäben nach Konstan-tinopel brachten, wo man von der Zeit an zwar Seidenrau-pen zog, aber das Abwickeln der Cocons noch nicht verstandund diese an armenische Kaufleute verkaufte. Später wür-ben in Konstantinopel, Theben und Kvrinth die ersten Sei-benntanufakturen gegründet, von wo sie sich bald über ganzGriechenland verbreiteten. In Portugal und Spanienwurde sowohl die Seidenraupenzucht, als auch die Seiden-weberei schon sehr früh von den gewerbsamen Mauren be-trieben. Im Jahr 1146 verpflanzte Roger, der normän-Uische König von Neapel und Sicilien, nach einem siegrei-chen Einfall in Griechenland, dies Gewerbe nach Italien.Als Papst Clemens V. im Jahr 1808 seinen Sitz nachAviguon verlegte, legte er hier Maulbeerbaumpflanzungenuu und ließ Seidenarbeiter aus Calabrieu und Toscanakommen, doch blieb der neue Industriezweig lauge nur aufAviguon beschränkt und verbreitete sich erst gegen das Endedes ig Jahrh, in andere Gegenden Frankreichs. Seiden-wanufakturen bestanden in Deutschland zu Nürnberg schonUn 14 . Jahrh.; sie verschwanden aber wieder und blühten^st durch die Einwanderung der durch den Widerruf desEdikts von Nantes aus Frankreich vertriebenen Protestan-
von neuem auf, besonders in Sachsen, Preußen undWürtemberg. Die Zucht der Seidenraupen ist in Deutsch-^vnd zwar schon häufig in vielen Gegenden mit Erfolg ver-acht worden, und sing unter der Regierung Friedrichs desGroßen an in Preußen schon Wurzel zu fassen, doch bliebbw Sache bald wieder liegen und ist erst in der neuesten ZeitMit Energie, namentlich in Preußen, Baiern und SachsenNochmals begonnen worden, und mehrere Regierungen ha-^n manches zur Aufmunterung für den Seidenbau ge-than.
Bei der Seidenraupenzucht kommt sehr viel auf dieGüte und Aechtheit der Eier an, die man entweder kauft,vber wenn man schon die Seidenkultur betreibt, selbst vonben Schmetterlingen gewinnt. Man läßt dieselben von denvus den Cocons auskriechendcn Schmetterlingen auf ausge-weitete Leinwand legen. Anfangs haben sie eine weiße8arbe, werden aber allmälig gelb, dann röthlich, bräunlichvdd endlich bläulich grau. Um 1 Loth Samen zu erhalten,woraus 20 bis 24,000 Würmer entstehen, sind 100 bis 120Schmetterlinge, und zwar 60 bis 70 weibliche und 40 .bis0 männliche erforderlich, welche man durch die Cocons sichdurchbohren läßt-, jedes Weibchen legt 300 bis 380 Eier.'tKr beste Same hat eine bläulich-graue oder aschgraue Farbe
und enthält einen klaren und klebrigen Saft. — Bei einerWärme von 18» It. kriecht die Seidenraupe binnen 6 bis 8Lagen aus; sie hat 16 Füße, ist nackt, erst braun mitschwarzem Kopf, später weißgelb, hinten hat sie ein kleinesHorn. Sie häutet sich viermal (alle vier bis sechs Tage)und spinnt sich dann ein, indem sie zuerst ein ungeordnetesGewirre von Fäden bildet, das als Floretseide benutzt wird;dann fertigt sie das feine Gespinnst, das aus einem zusam-menhängenden 700 bis 800 Fuß langen Faden besteht, undendlich eine Dattel (Cocon), eine länglich-runde, häutigeHülle, in welcher die Puppe 18 bis 20 Tage verborgen undgeschützt ruht. Die schönsten Cocons wählt man zur Fort-zucht aus. Die von den Schmetterlingen erhaltenen Eierbewahrt man an einem kühlen Ort auf, weil man sie nichteher auskriechen lassen darf, als bis die zur Fütterung derRaupen nöthigen Maulbeerblätter vorhanden sind. Aus24 Loth Eiern erhält man im Durchschnitt 1000 Pfd. Co-cons, die 100 Pfd. rohe Seide liefern, deren Werth etwa 10Lhlr. pro Pfd. ist. — Die Cocons haben meist eine weißeoder schwefelgelbe, dottergelbe, auch wohl röthliche Farbe,und sind bald größer, bald kleiner. Vor allem müssen die-selben von dem Gespinnst, worin jeder Cocon hängt (die äu-ßere Flockseide), gereinigt werden, die man besonders sam-melt; man sortirt sie in mehrere Sorten, welche theils undvorzüglich durch die Farbe, theils durch die Festigkeit, theilsdurch die größere oder geringere Vollkommenheit des Ge-spinnstes, durch das Gefühl, das äußere Ansetzn rc. bestimmtwerden. Gewöhnlich sondert man zuerst die gelben von denweißen, und von beiden wieder die festen und lockern, diedoppelten, die atlasartige», die fleckigen und löcherigen ab.Die löcherigen dienen nach der Tödtung der Puppen bloszur Floretseide, die fleckigen brauchen keine Tödtung mehrund lasse» sich, wohl getrocknet, noch Haspeln; die doppeltendienen am besten zur Fortpflanzung, können aber auch nachdem Tödten der Puppen zum Abwinden verwendet werden.Die zur Gewinnung der Seide bestimmten Cocons müssengegen das Durchbeißen der Puppen dadurch verwahrt wer-den, daß man diese entweder mittelst der Ofenwärme, oderdurch heiße Wasserdämpfe tödtet.
Die natürliche Seide ist stets mit einer firniß- odergummiartigen Substanz durchdrungen, die sie hart und rauhmacht und, so wie die Farbe, zu den meisten Zwecken wegge-schafft werden muß. Der Gummistoff, der im Wasser auf-löslich ist, soll 23 bis 24 Proc. vom Gewicht der Seide be-tragen, der Farbstoff nur etwa oder >/b„, auch ist >/io ei-ner wachsartigen Substanz darin enthalten. Ein Gemischvon Alkohol und etwas Salzsäure löst den Farbstoff derSeide auf, ohne ihr aber die Härte zu nehmen; der die Härtebedingende Stoff wird durch Seife aufgelöst. Sehr wichtigist das Abwinden oder Abhaspeln der rohen Seide vonden Cocons, nachdem von diesen die äußere Flockseide abge-löst worden; es kann durch ein zweckmäßiges Verfahren da-bei der Werth der Seide ungemein erhöht werde», währenddie Fehler, die bei dieser Operation in mehreren Gegendenbegangen werden, ein geringes Produkt zur Folge haben.Es kommt dabei auf viele Umstände und auf die Befolgungmehrerer, von der Erfahrung gegebener Grundsätze an,wenn die Seide diejenige Güte und Vollkommenheit erreichensoll, deren sie fähig ist. Gewöhnlich bedient man sich zum