Staatsschulden
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Staatsschulden
Vortheile für das, eine Anleihe negozirende Bankierhauckbestehen noch darin, daß dasselbe bei den Verkäufen der Pa-piere einen höhcrn Curs als den ihm von: Staat angerech-neten sich zahlen läßt, und daß endlich bei Terminzahlungendie Zinsen für die ganze Summe der Anleihe schon vomTermin der ersten Einzahlung an vergütet werden. Eineandere Art der Aufnahme besteht darin, daß der Staat festeBedingungen stellt und veröffentlicht und von den einzelnenBankieren und Kapitalisten so lange beliebige Einzeichnun-ßen oder Subscriptionen annimmt, bis die verlangteSumme gedeckt ist, worauf die Subscription geschlossenbürd. In Frankreich und England vergiebt man jetzt dieStaatsanleihen durch Ausgebet derselben zu bestimmtenProcenten.
Die Form der Staatspapicre und die dadurch beding-en Arten im Verkehr sind verschiede» und zwar bestehenerstere in einer der folgenden Arten: 1) In eigentlichenSchuldverschreibungen, die ganz wie die Schuld-briefe von Privatleuten behandelt werden und deren Ueber-tragung (Verkauf) nur durch eine förmliche Cessio» gesche-hen kann, welche den Besitztitel des Eigenthümers ausmacht»nd in der Regel auf das Schulddokument selbst bemerktwird. 2) In Jnscriptionen oder Einschreibun-gen, i„ welchem Fall für die Staatsschulden ein sogenann-tes großes Buch, franz. granä llvre <Io la äetto publiquo, ein-gerichtet ist, in welches die Namen der Gläubiger und diedrösle ihrer Forderungen eingetragen und worin alle, mitbeiden vorgehenden, Veränderungen bemerkt werden, wo-gegen der Gläubiger keine eigentliche Schuldurkunde, son-dern auf sein Verlangen, nur einen Auszug aus dem großenVuch, bin Ccrtificat, franz. oNiait il'mscriptlon, erhält.Dieses System des Staatspapierwescns besteht besonders inFrankreich und England; in Deutschland ist dasselbe nichtgebräuchlich. 3) In Papiere» au pnriour oder sol-chen, die a n d e n I n h a b e r za h lb a r lauten, welche also^ keinen bestimmten Namen ausgestellt sind, sondern wobeillder Besitzer Gläubiger des Staates ist. Man sieht leichtt'n, daß durch diesen Umstand die Cirkulation dieser PapiereAußerordentlich erleichtert wird und dieselben, dem Papier-g^de ähnlich, einen von allen Förmlichkeiten freien Umlaufhaben. Auch die Zinszahlung geschieht, obgleich der Staat^>nen Kreditor gar nicht kennt, auf eine sehr einfache Weise,Wdem der Obligation für eine gewisse Reihe von Jahrenfür die fällig gewordenen Zinsen besondere Anweisungen, so-genannte Zins-Coupons, beigefügt werden, von denen^an zur Verfallzcit der Interessen die betreffende bei einerDeutlichen Kasse einreicht und dagegen den Zinsbelauf aus-mahlt empfängt. Um die Besitzer solcher Obligationen aulwi'wu,' der Unbequemlichkeit zu überheben, nach Verfallaller beigegebenen Coupons zur Erhebung neuer Zinsscheineag Original-Papier einzusenden, giebt man in der Regelei der Ertheilung der Coupons, welche immer auf Einen"^agen gedruckt sind, Zinsbogen, Anweisungen mit, ge-gen deren Einrcichung man späterhin die neuen CouponsMalt und welche Zinsen-Talons genannt werden, weilw dem Zinsbogcn am obern oder untern Ende beigedruckt
sind.
und nach der allmäligcn Abschneidung der Coupons
^'ietzt allein übrig bleiben. Die Coupons werden bei°'^zu ihrer Zahlung bestimmten Kassen noch eine Zeit lang
nach ihrem Verfall angenommen und laufe» bis zu diesemTermin wie Papiergeld um.
Eine besondere Gattung von Papieren der letzter»und dritten Art sind die der Lotterie-Anleihen, beidenen der Staat sich verpflichtet, die erhobene Summe inbestimmten Terminen bis zu einer festgesetzten Zeit zurück-zuzahlen. Der in jedem dieser Termine (jedes Jahr rc.)zur Tilgung kommende Theil der Schuld wird nicht gleich-mäßig auf alle Obligationen vertheilt, sondern es wird durchdas Loos entschieden, welche Obligation jedesmal eingelöstwerden sollen. Deshalb wird das ganze Anleihe-Kapital ingleiche Theile getheilt und für jeden derselben ein Schuld-brief ausgestellt, welcher Partial-Obligation, Par-tial-Loos oder Partiale heißt. Die Regierunggiebt über das ganze Geschäft einen eigenen Verloosungs-plan aus, in dem auch die Anzahl der jährlich zur Ziehungkommenden Loose festgesetzt ist. Der größere Theil derselbenkommt mit dem Kapital und einem niedrigern als dem lan-desüblichen Zinsenbetrage heraus, wobei — da der Staatdie ganze Summe zum gebräuchlichen Zinsfuß verinteresstrt— ein namhafter Betrag an Interesse» erübrigt wird, wor-aus auf einzelne glückliche Loose verschiedene höhere und ge-ringere Gewinnste, sogenannte Prämien, vertheiltwerden, weshalb man die Partial-Loose auch wohl Prä-mien scheine nennt. Diese letzter» tragen zwei verschie-dene Nummern, indem man die ganze Anleihe zuerst inSerien, welche man durch Zahlen oder auch durch Buch-staben bezeichnet, und diese dann in einzelne Nummerneintheilt. Wenn man z. B. eine Anleihe von 6 MillionenThaler macht, so kann man diese in 1000 Serie», jedeSerie in 1VV Nummern theilen, so daß die Anleihe aus100,000 Nummern oder einzelnen Loosen zu 80 Thalern be-steht. Durch diese zweifache Rumeration kann man sehrleicht die herauskommende» Nummern im voraus bestim-men, indem man zuvörderst dieSerien - Nu m m e r » zieht,wobei man von der ganze» Anzahl so viele nimmt, als demPlan gemäß herauskommen sollen. Die Nummern der ge-zogenen Serien werden hierauf bekannt gemacht und diedarin enthaltenen Loose heißen nun Sericn - Loose. Zudiesen Sericn-Nummern werden später die einzelnen Loos-Nummcrn und dazu die bestimmte Anzahl Gewinnste gezo-gen. Auf diese Weise fährt man bis zur Heimzahlung derAnleihe fort.
Die Mehrzahl der Gläubiger des Staates kauft dessenPapiere nicht, um damit zu spekuliern, sondern um ihrVermögen sicher darin anzulegen, weshalb denn auch dergrößere Theil seine Schuldscheine im allgemeinen nur seltenveräußert und sich eben deswegen um die Veränderungendes Curses nicht sehr kümmert. Ein nicht unbedeutenderanderer Theil derselben aber hat bei dem Kauf von Staats-papieren lediglich den Zweck vor Augen, aus den vorüber-gehenden Schwankungen des Curses dieser Papiere den mög-lichsten Vortheil zu ziehen, und begiebt sich daher ihresBesitzes sehr häufig, je nachdem ihm der Moment einen an-nehmbaren Gewinn zeigt. Diese Art der Käufe bildet deneigentlichen heutigen Staatspapier-H andel, dessen Fluktua-tionen in allen öffentlichen Blättern fast täglich zur Kennt-niß der Betheiligten gelangen, dessen Interesse aber auch
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