Strang — 644 — Strohwaaren
Stück Kork oder einer Boje bezeichnet hat. Seetrifftheißen diejenigen Güter, welche aus einem Schiffbruch kom-men, und überhaupt alle Trümmer, welche herrenlos auf demMeer herumschwimmen (treiben).
Strang, Strähn, Strehn, ein Garninaaß; sieheLeinengarn.
Strasburg, alte, große, reiche und stark befestigteHauptstadt des Depart. Bas-Rhin (Nieder-Rhein) und desgleichnam. Arrond. in Frankreich, an der Jll und Bruche(Breusch), 4 Kilom. vom Rhein, mit 73,000 Einw., derPräfektuc, Zollamt, fremden Consulaten (Baiern, Baden,Niederlanden), Civil-Tribunal, Handelskammer, General-handelsrath, Lvnsoil üe prucl'üvmmos, Lusinu clu cummrrco(gebildet durch eine Gesellschaft von 423 Mitgliedern, miteiner Bibliothek, Unterhaltung-, Lese-, Billard- und 2Schreibcsälen), Assekuranzen, Fabriken für Stärke, Mützen,Spielkarten, Messer, chirurgische Instrumente, Lampe»,Feilen, Maroquin, Senf (Moutarde), Maroquin- undBuntpapier, Spritzen, Seife, Band, Leder, Wachstuch,Firniß, chemische Produkte rc., Assekuranzen, Baumwoll-spinnereien, Leinwandbleichen !c. Strasburg ist ein wich-tiges Entrepot für den Handel zwischen Frankreich, Deutsch-land, der Schweiz und Italien. Wichtig ist der vierzehn-tägige Markt, der St.-Johannismarkt und der vierzehntä-gige Pferde- und Viehmarkt, der am 4. Mai beginnt.Uebrigens steht die Stadt durch eine Eisenbahn mit Schlet-stadt, Colmar, Mühlhausen (Thann) und Basel, so wiedurch eine Zweigbahn mit der badische» Staatsbahn, unddurch Dampfschifffahrt auf dem Rhein mit Mannheim,Mainz, Koblenz, Köln und Düsseldorf in Verbindung.
Münzen, Rechnung, Maaße und Gewichte wie in ganzFrankreich; das Wechselwesen wie in Paris, obschon andereEurse notirt werden.
Strazza, ist eine der vielen Benennungen für dasMemorial, s. Buchhalten; häufig wird auch dasSchmier buch für die kleinen ausstehenden Forderungender Detailhandlungen so genannt.
Streep (Linie), niederländ. Längenmaaß.
Strich. 1) Längenmaaß. In einigen Gegendentheilt man bisweilen die Duodezimal-Linie noch in 12(Duodezimal-), die Dezimal-Linie in 10 (Dezimal-) Stricheoder Punkte; in andern Gegenden wird die Dezimal-Linie selbst Strich genannt. — 2) Getreidemaaß inBöhmen.
Strohwaaren, sind solche, die theils nur aus Strohvon verschiedenen Gras - (Stroh--) Arten geflochten, theilsin Verbindung mit Seide gewebt werden. Es werden aufdiese Weise sowohl Hüte für Männer und Frauen, die ihrerLeichtigkeit wegen zur Sommertracht bestimmt sind, gear-beitet; vgl. den Art. Hut. Hauptsitz der feinen Strohflech-terei ist Toscana. Das Geflecht besteht in bandartigenStreifen, wozu das Stroh vorher, je nach der Feinheit desherzustellenden Geflechts, nach verschiedenen Nummern sor-tirt wird. Die Halme werden deshalb nach ihrer abneh-menden Stärke in kurze Stücke zerschnitten, diese aber theilsganz, theils gespalten verarbeitet. Je nach der Art des ver-arbeiteten Strohes unterscheidet man das Geflecht in italie-nisches, als das vorzüglichste und theuerste, französisches,
schweizer und deutsches, verschieden durch die Farbe und na-türliche Beschaffenheit der verwendeten Strohart. Im ge-wöhnlichen Handelsverkehr sucht man Unkundige durch falscheAngaben über den Ursprung des Fabrikats den Käufer zutäuschen. Das italienische Geflecht besteht aus ganzemStroh und zeichnet sich namentlich durch eine schöne gelbeFarbe in den feineren Sorten aus, die jedoch in den ordinä-ren, d. h. stärkeren Sorten, und besonders bei längermLiegen der Waare einen bräunlichen Schein erhält. Bei derSortirung ist daher neben der Schönheit eines gleichen Ge-flechtes die Reinheit in der Farbe eine Hauptrücksicht. Diefeinsten italienischen Geflechte kommen von Brozzi; darauffolgt das Signageflecht. Die Hauptbezugsortc der italieni-schen Strohwaaren sind Florenz und Livorno. Uebrigensliefert Italien meist glatte Geflechte, wenig oder gar nichtBordüren, die hauptsächlich schweizer oder deutsches Fabri-kat sind. Zu der sogenannten Zurichtung der Strohwaarengehört das Schwefeln, um die Reinheit der Farbe zu erhö-he», und das darauffolgende Pressen, um der Waare mitder Glätte eine gewisse Steife zu geben, die für den Gebraucheine Hauptsache ist. In den Handel kommt ebensowohl dieschon fertige Waare, als auch nur das Geflecht in Stückenvon einer gewissen Länge. In der Schweiz liefert Freiburgdie feinsten Bänder, außerdem kommen auch Strohwaarenaus Genf, Aarau und Glarus. In Frankreich liefernStrohwaarcn Paris, Lyon, Alencon !c. In England wer-den aus eingeführtem italienischen rohen Stroh, aber auchaus inländischem gespaltenem Stroh Waaren, besonders ^Hüte, gemacht. In Oesterreich liefern die Lombardei (denitalienischen ähnliche Hüte), Böhmen, Tyrol und Wien >Strohwaare» und Bordüren. In Sachsen ist das Stroh- ^flechten ein sehr alter und bedeutender Erwerbszweig, der !gegen 10,000 Menschen beschäftigt. Der Hauptsitz istKrcischa. Es wird vorzugsweise in den Städten und Dör-fern auf dem linken Elbufer, im dresdener, pirnaer, dippol-diswalder und altenbergcr Amtsbezirk, seit einigen Jahrenaber auch bei Marienberg, in Wünschendorf bei Zschopau,und im Voigtlande um Mylau und Elsterberg betrieben.
In den beiden letzteren Orten bestehen seit 1829 Strohflccht-schulen auf Staatskosten. Das sächsische Geflecht bestehtaus gespaltenem Weizen- oder Roggenstroh, und wird biszur möglichsten Feinheit geliefert. Hauptsitz der Strohhut-näherei ist Dresden, wo das sächsische Geflecht neben den'italienischen Geflecht verarbeitet wird. — Das schönste Ge-flecht im gespaltenen Stroh liefert Belgien. — Die Stroh-flechterci wird auch in Schlesien, Baiern, Baden, Nassau rc-betrieben. Das grobe deutsche Geflecht besteht aus unge-spaltcnen Halmen, und wird zu Hüten für Landlcute,Winzer rc., so wie zu groben Taschen, Kästen als Spiel-zeug rc. verarbeitet.
Eine besondere, aber geringere Waare, sind die in Ita-lien, z. B. um Mantua, Lodi rc. gefertigten Basthüte, baus Platten mit Hülfe von Streifen dargestellt werden-Sie stehen in Schönheit und Dauerhaftigkeit den Stroh-hüten, die man im Gegensatz zu jenen genähtenennt, weit nach. Diese Art Zeug kann nur zu Frauen-hütcn gebraucht werden, während das eigentliche Stroh-geflecht zu Taschen, Körbchen, Decken rc., in der Naturfarbeoder gefärbt, verarbeitet werden kann und wird.