Tabak
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Tabak
den Tabak zu predigen, und auch diePäpste thaten ihr Mög-lichstes, dar böse Kraut zu verbannen. Papst Urban be-legte 1624 jeden Schnupfer mit dem Ban» und Jnnocenz XII.verbot wenigstens das Schnupfen in der Peterskirche. Auchin der Türkei wurde gegen den Tabak gekämpft. SultanAmurath IV. machte das Rauchen auf alle mögliche Weiselächerlich, und ließ sogar die Pfeife einem Menschen durchdie Nase stechen, der zufälligerweise mit derselben auf derStraße getroffen worden war, um ihn dadurch öffentlich zuverspotten. Durch strenge Strafen suchte man in Rußland,wo selbst eine cbambre ou tLkac eingerichtet wurde, den Ta-baksgebrauch zu unterdrücken und in der Schweiz wurdederselbe unter die Laster gerechnet. In Deutschland sprachder Verfasser des Seelenschatzes, Scriver, bei Gelegen-heit einer Strafpredigt folgende Worte: „damit manimmer mehr saufen kann, macht man denHalszur Feuermauer und zündet dem Teufel einRauchwerk von Tabak an". Aber auch an Lobred-nern und Vertheidigern des Tabaks fehlte es nicht. Eingewisser Charius dichtete 1628 einen Lobgesang auf den Ta-back (Hymnus tabaci) u. a. — In Norwegen scheint zuerstim Jahr 1616 der Tabak eingeführt worden zu sein undzwar in Kanasterform, indem die Elle 3 dänische Markkostete. Der Schriftsteller D alin giebt an, daß in Schwe-den der Tabak kaum vor der Thronbesteigung der KöniginChristine unter gemeinen Leuten verbreitet gewesen sei, ja,als in jener Zeit ein mit Tabak beladenes Schiff an derschwedischen Küste gestrandet sei, hätten die Bauern dieTabaksrollen für Stricke zum Anbinden des Viehes tauglichgehalten.
Man kennt bis jetzt schon gegen 30 verschiedene Artender Gattung IVicotiana, von denen die meisten in Amerika,einige aber in Asien und Afrika einheimisch sind. Nicht allediese Arten werden für den Handel zubereitet; die wichtig-sten sind folgende: 1) Der virginische oder gemeineTabak, IVicotiana labacum Inn., mehr dem südlichen Ame-rika angehörig; in Nordamerika wird er vorzüglich in derUmgegend des New-York-Stromes und Pamesriver gebaut,doch ist er jetzt fast in allen Welttheilen verbreitet. Für dasursprüngliche Vaterland desselben halten einige Südamerika,namentlich Lumana im heutigen Staat Vencrnela; andere diewestindische Insel labaxo; noch andere Virginien in Nordame-rika. Seine einjährige Wurzel treibt einen 2 bis 8 Fuß hohen,walzcnrunden, geradestehenden, sehr verästelten, behaarte»und mit klebrigen Drüsen versehenen Stengel, woran sichin abwechselnder Reihenfolge die eirunden, spitzigen, oftfußlangen und mehrere Zoll breiten, großen Blätterbefinden; die trichterförmige Blumenkrone hat eine blaß-rothe Farbe. Durch die Kultur sind Aus dieser Art eineMenge Abarten entstanden; in Deutschland baut man siesehr häufig. — 2) Der Bauern- oder Landtabak,kl.rustica l.in., ebenfalls in Amerika einheimisch, seltenerin Deutschland angebaut, als der virginische Tabak. Erhat gestielte, eiförmige, ganz eingetheilte, klebrige Blätterund gelblichgrüne Blüthen. — 3) Der klebrige oderSoldatentabak, IV. xlutinosa, in Peru einheimisch, mitgestielten, herzförmigen, ungetheilten klebrigen Blätternund dunkelpurpurrothen Blüthen. Er ist kräftiger als die-ndern Arten. — 4) Der Jungserutabak, IV. panicu-
lata, ebenfalls aus Peru stammend, mit gestielten, herzför-migen Blättern, grünlichgelben und in Rispen stehendenBlüthen. Er ist sehr milde. — 8) Der strauchartigeTabak, auch Baumkanaster oder chinesischer Tabak genannt, ^II. krmicosa, soll ursprünglich aus China und vom Kap derguten Hoffnung stammen. Er hat etwas gestielte, lanzett-und wellenförmige, runzelige Blätter und glänzend pur-purrothe Blüthen. — 6) Der kurzblättrige Tabak,
IV. brcvilvrmis, in Amerika einheimisch, wird nur 1>/2 Fußhoch. Seine Blätter geben sehr feine Cigarren. — 7) Dergroßblättrige Tabak, IV. macropKM, hat dünne, blaß- >grüne, 2 bis 3 Fuß lange und über 1 Fuß breite Blätterund blaßrothe Blüthen. Die beiden zuletzt genannten Artenwerden in Althaldensleben bei Magdeburg angebaut. —
8) Der asiatische Tabak, IV. asiatica, mit sehr fetten IBlättern. — Die Kultur der Tabakspflanzen verlangt vieleSorgfalt und sowohl von dieser als auch von der richtigenAuswahl der Blätter hängen die Vorzüge der verschiedenenTabakssorten ab. In Columbien läßt man die Pflanzennicht leicht an der Stelle, wo sie aus dem Samen aufgegan-gen sind, sondern verpflanzt sie fast immer in ein feuchtes,fettes und tiefes Erdreich. Gleich nach der Aussaat suchtman die Erde, wofern dies nicht durch Regen unnöthig ge- 'macht wurde, so viel als möglich naß zu erhalten und be-deckt die nach Verlauf einer Woche hervorsprießenden Ta-bakskeime mit andern großen Pflanzenblättern, um sie gegendie zu starke Einwirkung des Sonnenlichts zu schützen, wo-bei man alles Unkraut entfernt. Sind danach 80 bis 60Tage verflossen, so gräbt man zum Versetzen Löcher, die jeinige Fuß von einander entfernt sind; man läßt dieselbeneinige Tage lang offen und bewässert sie den Abend vor demVersetzen. Alsdann hebt man die tiefwurzelnden jungenTabakspflaffzen aus und verpflanzt sie am besten des Mor-gens und Abends, wobei man sie durch hinlängliche Be-deckung sowohl gegen Sonnenstich, als zu heftige Regen-güsse zu schützen sucht. Indeß läßt man die Blätter nur 4Tage lang darüber und bemüht sich, die Stellen der gänz-lich verwelkten Tabakspflanzen durch andere zu ersetzen-Eine Reihe oder Zaun von Stechdorn wird um die Tabaks-pflanzen gesetzt und sowohl Unkräuter, als schädliche In-sekten und andere Thiere sorgfältig entfernt. Sollten aberdennoch letztere die Pflanze beschädigt haben, so schneidet manalsbald die angefressenen Stücke ab; auch pflegt man jedenersten Schoß der einen halben Fuß hohen Pflanze durchsMesser hinweg zu nehmen, was man in Deutschland Kö-pfen nennt. Dies wird an jeder Pflanze wiederholt, so-bald sie über 3 Fuß Höhe erreicht. Ferner beseitigt man ^alle Rebenschößlinge, in Tabaksländern Geitz genannt, .weil man bemerkt hat, daß sie die Blattreife hemmen unddem Tabak eine unangenehme Bitterkeit mittheilen. Durchdieses Verfahren erhält man wahre Labaksbüsche, welche ^erst unter dieser Gestalt recht fähig sind, reiche und guteAusbeute zu gewähren. Daß die Witterungskonstitutioneines Jahres bedeutenden Einfluß auf das Gedeihen derTabakspflanzen übt, braucht wohl kaum erwähnt zu wer-den. In trocknen Jahren wird der Tabak aromatischer,wogegen ihm nasse Witterung sein Aroma benimmt. Schonhieraus ersieht man, daß dieselbe Abart, in verschiedeneLänder verpflanzt, auch verschiedene Sorten von Blättern