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Zweiter Band. H - Z.
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Tabak

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Tabak

liefern muß. Aus diesem Grunde und abgesehen davon,daß man in Europa gewöhnlich nicht solche Sorgfalt aufseine Kultur verwendet, als in seinem Mutterlande, wirder auch wohl nie eine solche Qualität erreichen, wie man siean manchen amerikanischen Sorten zu schätzen pflegt. —In Betreff derErnte beobachtet man in Amerika und na-mentlich in Columbien folgendes Verfahren. Färben sichdie Blätter und deren Basis blaugrün, so ist das ein Zei-chen der Reife und man beeilt sich, dieselben abzunehmen,jedoch werden andere, an denen dieses Zeichen nicht wahr-genommen wird, noch geschont. Dagegen darf man auchdie Blätter nicht überreif werden lassen. Ja in den nörd-lichen Provinzen der Vereinigten-Staaten will man gefun-den haben, daß die jüngsten Blätter, zumal wenn sie vonhalb ausgewachsenen Pflanzen herrühren, einen weit vor-züglichern Tabak liefern, als die auf gewöhnliche Weiseerhaltenen. Da der Thau und überhaupt Feuchtigkeit dengesammelten Blättern sehr schädlich sind, insofern sie dienachfolgende Gährung zu sehr begünstigen und die bestenStoffe herausziehen würden, so pflegt man das Einsam-meln in der heißesten Jahreszeit zu verrichten. Die Creo-len wenden in Columbien eine zweifache Bereitungsart desTabaks an, von denen die eine die schwarze, cura noxra,die andere die trockene Bereitungsart, cura seca,genannt wird. Der erstere Name bezieht sich auf die da-durch entstandene dunklere Blattfarbe, indem man die Blät-ter dabei einem Hähern Gährungsgrad unterwirft. Bei dertrocknen Bereitungsart theilt man die Labaksblättcr zugleichen, aus 3 oder vier Blättern bestehenden Haufen ab;nach 2 Tagen, oder in etwas längerer Zeit, verbleicht dieFarbe derselben und die Blätter werden welk. Soll nundie Gährung vor sich gehen, so stapelt man die Blätter auf,sortirt alsdann die einzelnen, indem man diejenigen für sichlegt, deren Blattfläche beschädigt war, läßt sie jedoch nichtin größer» Haufen liegen, damit keine Gährung vor derZeit eintrete. Dann bringt man so schnell als möglich, umallzu schnelles Trocknen zu vermeiden, die Blätter in Ge-binde von 78 Pfund, deren Gewicht sich jedoch später bisauf 28 Pfund vermindert. Gewöhnlich werden die beschä-digten Blätter, wie bei den Cigarren, in die Mitte solcherBündel gebracht und die besten Blätter darum gewickelt.Eine größere Anzahl solcher Bündel oder Ballen legt mannun auf eine dicke Unterlage von Stengeln unh dergleichenund bedeckt sie mit schadhaftem Tabak und zuletzt mit Häu-ten oder auch mit Gewichten, um sie der Gährung zu über-lassen. Bei dieser ganzen Verrichtung muß Regen undSonnenschein abgehalten werden, daher man das Geschäftgewöhnlich unter einem Schoppen vornimmt. Gewöhnlichreichen 24 Stunden zu solchem Gährungsprocesse hin undnur, wenn die Blätter schon am Stengel mehr als gewöhn-lich trocken waren, braucht man das Doppelte an Zeit,während der man die Bündel umlegt, die äußersten in dieMitte bringt und sie stark befeuchtet. Nach vollendeterGährung bringt man den Tabak zum Abkühlen mehrere Tagelang an die freie Luft. Er hat seine Vollkommenheit erreicht,wenn die Farbe schwärzlich, der Saft klebrig und der Ge-ruch angenehm ist. Man packt nun die Ballen um undvertheilt den Tabak zur völligen Trocknung in, an schatti-Len Orten aufgehängte Körbe. Wenn kein Saft mehr aus

den Stielen fließt und der Tabak hinlänglich trocken scheint,so wird er endlich in die Magazine gebracht. — Dieschwarze Bereitungsart bewerkstelligt man dadurch, daßman die Ballen Tabaksblätter mit Gewichten und Häutenbeschwert, auf einer Streu grüner Gewächse im Sonnen-schein ohngefähr 3 Tage lang gähren läßt, sie dann umlegtund dies so lange wiederholt, bis die Farbe zeigt, daß mansie in den Schatten schaffen könne. Hierauf werden dieBallen von neuem umgepackt und mit Gewichten beschwert,welche den Saft auspressen, den man auffängt und imLande unter den Namen Moo und Chimoo als eine ArtLeckerbissen verbraucht. Natürlich muß durch ein solchesAuspressen der Tabak weniger narkotisch und schlechter wer-den.— In Deutschland pflegt man die Tabaksblätter, nach-dem sie nach der Ernte einige Tage lang übereinander gele-gen haben, an Bindfäden zu reihen und ohne große Sorg-falt an der Luft trocknen zu lassen. Die wichtigern, imHandel vorkommenden Tabaks-Sorten sind, den Erzeu-gungs-Ländern nach geordnet, folgende:

I. Südamerikanischer Tabak.

1) Varinas, bekannter unter dem Namen Kann-st er. Dieser ist in seiner möglichsten Reinheit unstreitigals die edelste Sorte zu betrachten. Er wächst in den Pro-vinzen Barinas, Merida, Venezuela und Margaretha!c.,und wird in den Hauptpflanzörtern in 18 bis löpfündigeRollen gesponnen, deren einzelne Stränge l'/s bis 2 Zoll dicksind; je 6 dieser Rollen werden mit breiten Blättern um-wickelt, in einen aus gespaltenem Rohr geflochtenen Korbgepackt, mit Riemen umschnürt und so zu Markte gebracht.Der Name Kanaster stammt von dem spanischen Wortllaimo, Korb, und wird Lanastra geschrieben. Die vorzüg-lichste Sorte des Barinas hat ein feines, weiches Blatt vonschön kastanienbrauner Farbe, und giebt, wenn man dieStränge mit der Hand reibt, einen honigkuchenartigen Ge-ruch von sich. In der Pfeife riecht er lieblich gewürzhaft,ist äußerst mild auf der Junge und entbehrt jenes Beißende,wovon selbst der feinste Havanatabak nicht frei ist. — Diegeringen Sorten fallen ins schmutzig Braune und Grünliche,sind härter von Blatt und daher nicht so milde. Man findetmitunter Rollen, welche von einer Art weißer Würmerdurchfreffcn sind, deren Entstehung vielleicht von einer ausMelasse und Wasser bereiteten Sauce herzuleiten ist, womitman diesen T. vor dem Spinnen gewöhnlich anfeuchtet.Dieser Umstand verdient deshalb angeführt zu werden, weiler bei keiner andern Tabakssorte vorkommt, da bekanntlichalle Thiere gegen den Tabak, seiner narkotischen Eigenschaf-ten wegen, einen natürlichen Widerwillen haben. Viel-leicht hat der Varinas am wenigsten von jenem Gift ansich. — Zur Zeit der spanischen Herrschaft sortirte man inden königlichen Fabriken die Blätter sehr sorgfältig; nur diebesten Rollen wurden mit einfachen oder doppelten Buchsta-ben A und v auf einem kleinen Stück Leder oder Leinen inden Körben bezeichnet und diese dann größtentheils überMaracaibo oder La-Guayra ausgeführt. Deshalb werdennoch häufig im Handel die Sorten nach diesen beiden Plätzenbenannt. Seit etwa 18 Jahren betreibt man auch in Guay-ana den Anbau dieser Pflanze mehr als sonst, in der Gütesteht aber der dort erzeugte Tabak, dessen Haupt-Niederlage