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Zweiter Band. H - Z.
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Thee

Thee

auf einen einzigen Weinberg beschränkt sind und eben sowenig in den Handel kommen. Meyen erzählt (in seinerReise um die Erde), daß er durch die Bekanntschaft mit denBeamten der englischen Faktorei zu Eanton in Besitz derfeinsten Theesorten kam, welche vielleicht jemals nach Europagebracht worden sind. Sie waren in kleine zinnerne Dosengepackt und führten den Namen der Güter, wo sie gebautwaren. Bei'm Aufguß hatten diese Theesorten einen Dust,der dem der wohlriechendsten Blumen gleich kam, ohne daßirgend etwas Fremdartiges darin befindlich war, welchesihnen diesen Geruch hätte mittheilen können. Die vorneh-men Chinesen, die diesen Thee trinken, haben hierzu ganzeigene kleine Tassen, welche höchstens 2 Loth Wasser fassen.Nach dem Aufweichen dieser Theearten, welche meistensschwarz sind, ergab sich, daß sie meistens aus großen, aus-gebildeten Blättchen bestanden, die ganz ebenso gekreiseltwaren, wie der schöne Soe-on-olionx-Lhee (heißt so viel alskleines Gut von Blättern dreijähriger Stauden, auf sehrvortrefflichem Boden), unter welchem Namen einige Thee-sorten in den Handel kommen, welche wohl die schönsten sind,die nach Europa geführt werden, und allen Karavanen-Theeweit übertreffen.

Aller Thee wirb durch Röstung auf großen eisernenPlatten getrocknet. Der schwarze Thee erhält aber dadurchseine Farbe, daß die frischen grünen Blätter zuerst auf eiserneSiebe gelegt werden, aufweichen man sie mit heißen Wasser-dämpfen durchziehen läßt, wodurch sie sehr viel an Schärfeund Adstringircndem verlieren, was dem grünen Thee oft inso hohem Grade eigen ist. Erst nach dieser Infusion mitheißen Wafferdämpfen und nachdem man die Blätter einigeZeit aufgehäuft liegen läßt, werden sie geröstet und erhaltendann die schwarze Farbe und den angenehmen Geruch, wel-chen die schwarzen Theesorten besitzen. Der schwarze Theeenthält stets weniger Gallussäure und Gerbstoff, als dergrüne; seine flüchtigen Bestandtheile sind aber erst Produktder Röstung und werden demnach durch die Zurichtung mitWasserdämpfen, welche der Röstung vorangeht, nicht ge-schwächt. Aus diesem Grunde soll auch der Genuß desschwarzen Thees dem des grünen vorzuziehen sein.

Es ist eine sehr gewöhnliche Meinung, daß der Kara-vanenthee (d. h. derjenige Thee, welcher auf dem Land-wege, von China aus, nach Europa gebracht wird) der beste,und daß er allen zu Wasser zu uns kommenden Theesortenvorzuziehen sei. Doch ist dies durchaus nicht der Fall.Zuvörderst hört man sagen, daß der Thee auf dem Wasser-transport verderbe und sich besser auf dem Landtransporthalte, eine Behauptung, welche gar nichts für sich hat, alsdaß dies vielleicht vor Jahrhunderten der Fall gewesen ist,öu einer Zeit, in der die Schiffe noch so unvollkommen ge-baut waren, daß sie auf einer Fahrt nach China fast ganzleck wurden und mehr als 8 bis 9 Monate zu der Rückfahrtvon Canton gebrauchten. Gegenwärtig haben sich dieseVerhältnisse umgestaltet; der Thee, auf das vortrefflichstegepackt, meistens in großen Massen in Metall luftdicht ver-schlossen, also noch besser verwahrt als der Karavanenthee,wacht seine Reise von Canton nach Europa in 120 Tagen,also in einer viel kürzeren Zeit, als der Karavanenthee zuseinem Landtransport nach Rußland braucht. Da aber die

Fracht für den Landtransport dieses Thees außerordentlichhoch ist, so ist es natürlich vortheilhafter, nur die feinerenSorten auf diese Art auszuführen, weil diese die Transport-kosten besser decken können. Somit ist der Karavanenthee,im allgemeinen genommen, allerdings besser als die Thee-sorten, welche bisher gewöhnlich auf dem Continent in Ge-brauch waren. Der schwarze Karavanen-Thee istnichts als eine gute Sorte Pekoe und meistens diejenige,welche im Publikum den falschen Namen Pekoe-Blü-then-Thee von den weißen Spitzen erhalten hat, welchedie meisten dieser Blätter zeigen, die aber nicht die Blüthender Pflanze, sondern nur junge, mit feinen weißen Haarenbesetzte Blätter sind. Allerdings ist es sehr auffallend, daßdieser behaarte Thee auch in grüner Farbe zu uns kommt,und daß nicht in allen Gegenden die jungen Knospen derTheestaude diese Behaarung zeigen, ein Fall, der jedoch auchbei uns an verschiedenen Kulturpflanzen, je nach ihren ver-schiedenartigen Standorten, wahrzunehmen ist.

In Canton wird der Theehandel auf folgende Art ge-führt: sobald die Theeladungen, welche in außerordentlichgroßen Junken aus den Thee bauenden Gegenden nach Can-ton kommen, angelangt sind, werden die stets in Mattenemballirten Kisten nach den großen am Wasser liegendenMagazin-Gebäuden der Hong-Kaufleute gebracht. Diessind außerordentlich große, sehr luftig gebaute und mit vie-len Hallen versehene Gebäude, in denen man manchmal eineganze Schiffsladung unterbringen könnte. Wenn ein Kauf-mann Thee kaufen will, so geht er in die Magazine und läßtsich 20 bis 30 Kisten unter einigen Tausenden öffnen. DieKisten müssen ausgeschüttet werden, damit man ihren ganzenInhalt durchsuchen kann. Nun riecht der Käufer an demThee und nimmt eine Hand voll davon, welche er auf einenTeller legt; nachdem er von allen geöffneten Kisten Probengenommen hat, mischt er diese sämmtlich untereinander undnimmt dann von diesem Gemenge eine Probe mit nach Hause,wo er sie genauer untersucht. Beiden großen Massen, welchebisher die englisch-ostindische Compagnie von diesem Artikelkaufte, hatte sie auch stets die Priorität und sie kaufte auchimmer die besten Theesorten, während die Nord-Amerikanergerade die schlechtesten nahmen, denen sie aber durch neueSignaturen oft einen bessern Namen gaben und ihn auf dieseWeise wohlfeiler als die Engländer verkaufen können.

Vorzugsweise wird in China der Thee in den Provin-zen Fo-Kicn, Keang-Nan, Sche-Keang, Keang-Si undKeang-So am häufigsten gebaut, und unbestritten ist Chinadas Vaterland des Theestrauches, obfchon derselbe auch seitsehr früher Zeit in Japan mit der größten Sorgfalt undweit verbreitet gebaut wird.

Anbau undBereitung desThees inJapan.Es läßt sich wohl behaupten, daß der Thee ein in Japaneingeführtes Gewächs ist, da er wild nur in der Nähevon Wohnungen, auf bebautem Grunde gefunden wird, je-doch weiter nach den Gebirgen hin ganz verschwindet. DerGebrauch des Thees soll in Japan schon im Jahr 810 unse-rer Zeitrechnung bekannt gewesen sein. Allgemein, wie derThcetrank durch ganz Japan beliebt wurde, hat sich nunauch der Anbau der Theestaude durch's ganze Reich verbrei-tet, und mehrere Landschaften sind reich an mehr oder minder