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Zweiter Band. H - Z.
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Uhren

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Uhren

durch eine Triebfeder u. Kette, oder durch den besonderen Bauin den sogenannten Cylinderuhren hergestellt. Indessen sindalle diese Uhren im allgemeinen Räderuhren, im Gegen-satz zu den Sand- und Wasseruhren, deren Erfindungund Gebrauch in undenklich frühe Zeit fällt. Jedoch gab esvom 6. bis 10. Jahrhundert auch schon Räderuhren, diesel-ben wurden aber meist durch Wasserkraft in Bewegung ge-setzt. Schon um 760 schickte der Papst Paul I. dem KönigPipin ein Räderuhrwerk. Um das Jahr 807 schenkte derKalif Haroun-el-Raschid dem Kaiser Karl dem Großen einUhrwerk mit beweglichen Figuren, das auch die Stundenzahldurch Herabfallen ehernerKügelchen anzeigte. Die Erfindungder Uhr mit Rädern und Gewichten wird einem Archidia-conus Pacificus in Verona, der 846 starb, zugeschrieben,oder auch dem Franzosen Cherbert, der als Papst Sylve-ster II. im Jahr 1003 starb. Trotzdem ist die Erfindung derRäder- und Gewichtuhr ungewiß. Im 11. Jahrhundert istder Abt Wilhelm zu Hirschau wegen eines Uhrwerks be-rühmt, das den Lauf der Gestirne anzeigte. Im Jahr 1232erhielt der Kaiser Friedrich ll. von dem ägyptischen Sultaneine künstliche Uhr mit Räderwerk und einer Vorstellung desLaufes der Gestirne. Solche Räderuhren gab es in Italienschon im 13. Jahrhundert, und namentlich auf Kirchthür-men, welche Stunden schlugen. Im Jahr 1344 wurde eineUhr am Thurm des Pallastes zu Padua angebracht, die derArzt Giovanni Dondi gemacht hatte. Dieselbe zeigte dieStunden, den jährlichen Lauf der Sonne, der zwölf Him-melszeichen und den Lauf der Planeten. In Englandwurde schon im 13. Jahrhundert das Glockenhaus bei West-minsterhall in London mit einer Schlaguhr versehen. Dieerste Räderuhr verfertigte in England im Jahr 1326 derAbt Richard Walingfort zu St.-Alban. In Courtray inFrankreich gab es schon um das Jahr 1332 eine Gewicht-und Schlaguhr. Bologna bekam seine erste Uhr im Jahr1336, Breslau 1368 durch Meister Schwclbelin, Straßburg1370, Augsburg 1398. In Paris baute 1370 auf demThurm des Palais der deutsche Künstler Heinrich von Wick,den Karl V. auf seine Kosten dorthin kommen ließ, eine vor-zügliche Räderuhr. Die erste Uhr in Spanien war die aufder Kathedrale zu Sevilla im Jahr 1400, die erste in Pavia1402, in Nürnberg 1462, in Venedig 1493. Im I. 1484brauchte Walther eine gut regulirte Uhr zu astronomischenBeobachtungen am Merkur. Tycho hatte 3 solcher Uhren,die Minuten und Secunden zeigten. Purbach brauchte1300 in Wien Räderuhren mit Minuten und Secunden zuastronomischen Beobachtungen. Die Erfindung der Ta-schen- oder Sack uhren, die man ihrer Form wegennürnberger Eier nannte, welche in Nürnberg vonPeter Hele (starb 1340) erfunden sind, geschah bald nach1300; nicht erst hundert Jahre später durch den straßburgerMathematiker Jsaak Habrecht. Seitdem wurden in Nürn-berg Uhren verfertigt, und namentlich waren hier die beidenKunstschlosser Andreas Heinlein und Caspar Werner zugleicher Zeit (die beide um 1348 starben) wegen ihrer kleinenUhrwerke berühmt. Um diese Zeit schenkte der nürnbergerAbt Friedrich Pistorius Luthern eine nürnberger Sackuhr,worauf Luther in seinem Dankschreibcn sagt, daß er bis da-hin so etwas weder gesehen noch auch beobachtet habe.Gallilei benutzte 1649 das Pendel zuerst zur Regulirung des

Ganges einer Uhr; Huygens scheint 1676 die Unruhe in denTaschenuhren angegeben zu haben, und in demselben Jalsswurde von Barlow die erste Repetir-Uhr gebaut. Grahc»nbeseirigte 1713 durch den Compensationspendel, welchedurch den Einfluß der Wärme nicht ausgedehnt wird,Hauptursache des unregelmäßigen Ganges der Pendel-Uhre»-In der neueren Zeit sind mannigfache Verbesserungen >"den verschiedene» Uhrwerken angebracht worden, um die-selben gegen den wechselnden Einfluß der Wärme und Kalktunempfindlicher zu machen, weil dadurch der genaue Gangleidet. Facio ließ zuerst die Aren der Räder in Steine»laufen. Die erster» flachen Taschenuhren baute derUhrmacher Lspine in Frankreich, indem er in dem Räder-werk bedeutende Veränderungen vornahm. Seitdem nenntman in Frankreich ic. die flachen Uhren montros s In lwpine.Das sogenannte Lcbnppcmont äuplex baute zuerst LierrsUerox. Der Erfinder des Lclioppomont libro ä äetente ist-lullen l.cro)-; die Ehre der Erfindung macht ihm zwarbonlinaml üorliwuü streitig, jedoch hat dieser diesen Me-chanismus nur vervollkommnet und verbreitet. Im Handelbezeichnet man diesen Mechanismus häufig mit dem Name»des berühmten englischen Uhrmachers Arnold, der indessendenselben nur in Seeuhren mit Erfolg gebraucht hat.

Die Uhrmachcrkunst hat sowohl für die Industrie, alsauch für den Handel eine sehr große Bedeutung, und ist derWissenschaft in verschiedenen Beziehungen eben so wie dcwgewöhnlichen bürgerlichen Leben unentbehrlich geworden.Sie wird jetzt meist im Großen fabrikmäßig betrieben. I"der Form so wie auch im inneren Bau unterscheidet ma»Taschenuhren, Chronometer, Wanduhren, Stutzuhren, n»'kRebenarten, als Repetiruhren, mitSekundenweiser, und auchrücksichtlich der Länge der Zeit, während der eine Uhr niclstaufgezogen zu werden braucht, Uhren mit Spielwerken w.In früherer Zeit war der Betrieb der Uhrmacherei in Frank-reich beträchtlich, aber durch die Aufhebung des Edicts vonNantes wurden die thätigsten Bewohner aus Frankreichvertrieben. Sie ließen sich in der Schweiz nieder, wo jetzkdie Uhrmacherkunst in ihrem ganzen Umfang nebst der Fa-brikation der Uhrmacherwerkzeuge in dem Kanton Neuen-burg fNeuchatel) zu Locle, Chaur-des-Fonds rc., und inGenf blüht. Die Fabriken liefern außer vollständigen Ta-schenuhren in Gold- oder Silbergehäusen die einzelnen Stückedes sogenannten Gehwerkes, Dosen, Ringe, Uhrschlüssel,Petschafte rc. mit Spielwerken und Uhrmacherwerkzeuge»-Stutzuhren werden seit Jahren nicht mehr in der Schweifgemacht. — In Frankreich wird in Paris nicht sowohl dieUhrmacherei, als vielmehr nur Uhrcnhandel mit adjustirtt»schweizer Taschen- und Pendeluhren betrieben. Dagegenliefern Besancon, Versailles, Beaucourt (Uhren und Geh-werke in Lampen), Mclun rc. gute Werke. Den Vorzug,vorzügliche Chronometer zu liefern, dcn Frankreich behaupttete, bestreitcn mit Erfolg Englands Künstler. Die schwebzcr Uhrmacherei liefert sowohl sehr feine, als gewöhnlichUhrwerke, die durch die ganze Welt verbreitet werden.Die in England gearbeiteten Uhrwerke zeichnen sich durchsehr genaue und solide Arbeit aus, haben aber auch einenverhältnißmäßig viel höheren Preis. Sie werden nackiAmerika und dem Orient ausgeführt. — In Oesterreichwird in Wien die Fabrikation der Stutzuhren betrieben. ^

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