Band 
Zweiter Band. H - Z.
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734
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Wallrath

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Wasserglas

Münzen und Nechnunz.

Man rechnet nach schweizer Francs oder Illrros zu 10Batzen ä 10 Rappen, oder zu 100 Rappen, wie im KantonWaadt.

Die frühern Rechnungmünzen hatten folgendesVerhältniß: 1 Gulden — l'/s Pfund (blos bei Strafengebräuchlich), — 2>/. lürros äo rranco (französ. I-ivrostournois) — 18 Batzen — 60 Kreuzer.

Von den ehemaligen wirklichen Münzen desKantons, welche die schlechtesten in der ganzen Schweizwaren und daher größtentheils längst verboten und aus demVerkehr verschwunden sind, kommen nur noch Batzen von1777, so wie 6- und 12-Kreuzerstückc vor.

Maaße und Kewichle.

Der Kanton hat sich dem waadtländischcn neuenMaaß - und Gewichtssystem angeschlossen, und zuerst dessenLängen-, Flächen- und rein kubischen Maaße, später auch dieHohlmaaße und das Gewicht eingeführt.

Wollrnth, lat. Sperma ceti; franz. IHanc so Iialeine;engl. lleaä maller (das rohe), Spermacel! (das rafsinirte);ital. Spermaceti, IHanco ck dalena, ist das in einer Höhlungin dem Schädel des Pottsischcs (Ldzsolcr macruceplialus) undeinigen andern zu derselben Gattung gehörigen Arten be-findliche wachsartige Fett. In dem lebenden Thier ist esim flüssigen Zustand, erstarrt aber sogleich nach dem Toddesselben. Das Wallrath stellt eine weiße, blättrige, weichanzufühlende Masse von mildem Geschmack, schwachemGeruch und einem spezif. Gewicht —0,08 dar; löst sich in28 Theilen kochendem Weingeist von 0,82, sehr leicht inAether und in ätherische» und fetten Oelen auf. Seine Be-standtheile sind ein eigenthümliches (Wallrath-) Fett undetwas (Wallrath-) Oel. Seine hauptsächlichste Anwendungist die zu Lichtern, welche ein schönes Ansetzn haben, sehr hellund sparsam brennen, und von Nordamerika und Englandaus in Menge in den Handel kommen; man gebraucht dasWallrath auch in der Medizin, zu Seife und zu Pomaden.—Aus einem großen Pottsisch erhält man 16 bis 20 TonnenWallrath; durch Pressen, Durchseihen und Kochen mitLauge und Salz befreit man denselben von den häutigen,öligen und übelriechende» Theilen, und bringt ihn hernachin Scheiben oder Stücken von unregelmäßiger Form in denHandel. Das gelbe, ölige und ranzig gewordene Wallrathist von geringem Werth, kann aber durch Auswaschen mitLauge verbessert werden. Um das Ranzigwerden des Wall-raths zu verhindern, muß man es vor dem Zutritt der Luftmöglichst schützen. Künstlichen Wallrath soll man ausThran und gefaulten thierischen Körpern darstellen können.Der Gebrauch und die Einfuhr des Wallraths in Europahat erst in der neuesten Zeit stark zugenommen. Frankreicherhielt 1820 etwa 20,000, im Jahr 1823 aber schon 1.86,000Kilogr. Wallrath. Die Verein.-Staaten von Nordamerikasollen im Jahr 1820 gegen 280,000 Pfd. Wallrathlichterausgeführt haben. Der Preis war 1886 in Hamburg 23Sch. per Pfd.

Wandelpön, heißt die im Eontrakt festgesetzte Strafe,welche der eine oder andere contrahircnde Theil zu zahlenhat, wenn er einen oder den andern Punkt des Vertrags nichterfüllt; s. den Art. Vertrag.

Warschau, polnisch Warszawa, Hauptstadt desKönigreichs Polen, am linken Ufer der Weichsel, unter 82"4' n. Br. 21" 2^ ö. L., mit 130,000 Einw., welche bedeuten-den Handel und Industrie besitzen, jedoch vorzugsweise fürden innern Verkehr; Tabak, Hüte, Seife, Strumpfwaaren,Tuch, Teppiche, Baumwollenzeuge, Leinwand, Leder,Metallwaaren, besonders Eisenguß, Wagen, musikalischeInstrumente rc. sind Hauptgegenstände der Fabrik-Industrie.Die Produkte des Landes werden alljährlich auf ohngefähr2000 Weichselkähnen nach Thorn und Danzig verschifft.

In Warschau werden jährlich zwei Messen gehal-ten ; die erste dauert vom 13. Juni bis 13. Juli, die zweitefindet im November statt, beginnt am Montag nach Aller-heiligen und währt drei Wochen. Der Verkehr auf dersel-ben ist für das Ausland von geringer Wichtigkeit. MitteJuni findet hier auch ein bedeutender Wollmarkt statt,welcher vier Tage dauert.

Waschblau, s. Neu blau.

Wasscrblei, s. Graphit.

Wasserglas, ist eine eigenthümliche, auflöslichcMasse, die aus Verbindungen der Kieselerde entsteht, inderen Zusammensetzung lediglich die Alkalien, nicht aber dieErden, Theil nehmen. Diese Masse besteht aus 3 Aeg.Kali mit 2 Aeq. Kieselsäure, die aufgelöst die sogenannteKieselfcuchtigkeit (ügnorsillcum) ist. Eine andere Verbindungist die von 8 Aeq. Kali und 8 Aeq. Kieselsäure, die für dieGewerbe um so wichtiger geworden, als sie nur im heißenWasser, dagegen im kalten sehr wenig lösbar, folglich auchnicht zerslicßlich ist. Das Wasserglas kann indessen imreinen Zustande durch vollständige Sättigung von Aetzkali-lauge mit frisch gefällter Kieselerde und Abdampfen, oderviel wohlfeiler und zu gewerblichen Zwecken hinreichend rein,dadurch bereitet werden: Man schmilzt 13 Theile gepul-verten Quarz oder reinen Sand, 10 Theile Potasche und 1Theil Kohle in einem Tiegel bis zur vollständigen Vergla-sung. Von der Unrcinigkcit durch fremde Salze, nämlichChlorkalium, kohlensaures, schwefelsaures Kali und vorzüg-lich Schwefclkalium, wird die Masse dadurch befreit, daßman sie gepulvert der freien Lust aussetzt und öfter umrührt;darauf gießt man kaltes Wasser darüber, und entfernt durchwiederholtes Auswaschen deren Salze. Die gereinigteMasse wird nun in 3 Theilen Wasser gekocht, wodurch siesich langsam aber vollständig auflöst. Für den technischenGebrauch ist es wesentlich, die Auflösung bis zu einem speci-fischen Gewicht von 1,23 abzudampfen. In diesem Zustandekommt sie in den Handel, und ist eine klebrige, syrupdickc,etwas trübe Flüssigkeit, und läßt sich in jedem Verhältnißmit Wasser mischen, bleibt aber in Weingeist ungelöst. —Ein reineres Wasserglas erhält man durch Zusammenschmel-zen von 1 Theil Quarz mit 2 Theilen krystallisirter Soda.Eine leichter schmelzbare Masse erhält man aus 18 TheilenQuarz, 3 Theilen Potasche, 4 Theilen trockner Soda. —Man braucht das Wasserglas zum Anstreichen von Holz,Zeug, Papier, theils allein, theils mit Farben versetzt.Zeuge können damit nur zwischen Walzen in eine festereVerbindung gebracht werden, und lassen sich nach demTrockne» zwar rollen, aber nicht in Falten legen. ZuFarbcn-Anstrichen in Zimmern muß der Vorputz aus Sand,