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Zweiter Band. H - Z.
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Wau

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Wechsel

Thon und Lehm bestehen; aber Berlinerblau, Pflanzen«farbenlacke rc. werden völlig vernichtet oder verändert,wenn sie mit dem Wasserglas unmittelbar in Berührungkommen. — Als Kitt von Glas, Porzellan rc. übertrifft esdie meisten Mittel. — Bemerkenswcrth ist KuhlmannsMittheilung, daß Gegenstände aus Kreide oder Gyps inWasserglas getränkt unter Mitwirkung der Kohlensäure inder freien Luft, sich leicht verkieseln, härter als Marmorwerden und eine hohe Politurfähigkeit erhalten; s. Krapp'sLehrbuch der chemischen Technologie S. 463 ff.

Wau, Gelb- oder Streichkraut, französischllouilo, Herbe a jaunir; engl. IVolü, vxers vveeü oder Veümvrveecl; ital. Ouaäarolla, t-uoäo ininoro, Lrka xuoda, ist einedurch ganz Europa wild wachsende, in mehreren GegendenFrankreichs, Deutschlands, Hollands und Englands ange-baute krautartige Pflanze, Uesocla Inwola, welche in derBlüthcnzeit geschnitten oder ausgerauft, getrocknet und inBündel von verschiedener Dicke gebunden, in den Handelgebracht wird. Der Wau hat einen 2 bis 3 Fuß langenStengel, der sich in einer langen, mit geruchlosen, der ge-wöhnlichen Reseda ähnlichen Blüthen besetzten Aehre endigt.Die Blätter sind länglich lanzettförmig und von gelblich-grüner Farbe. Die ganze Pflanze enthält ein gelbes Pig-ment und wird in der Seidenfärberei gebraucht, um Gelb,Grün und Schwarz zu färben. Auch in der Leinen- undBaumwollsärberci verwendet man den Wau, mit Zusatz vonGrünspan und Pottasche, seltner aber in der Wollenfärberei.Das mit Wau hergestellte Gelb wird nicht so schnell schmu-Higgelbbraun, als das von andern Vegetabilien. Man ge-braucht auch den Wau zur Verfertigung von Schittgelb.Guter Wau muß eine gelbe oder gclbgrünliche Farbe haben,und sehr blätter« und blüthenreich sein. Je kleiner dieStengel sind, desto besser ist der Wau; dünnstieliger ist bes-ser als dickstieliger, am meisten wird der süd französischegeschätzt. In Deutschland gewinnt man viel Wau in Thü-ringen (bei Erfurt und Halle), Sachsen, Baicrn und Wür-temberg. In Frankreich wird der meiste Wau über Neuen,Cettc, Straßburg und Havre ausgeführt.

Webe. Eine Webe Leinen enthält in Hamburg72 kurze oder Hainb. Ellen.

Wcberkardcn, Tuchkarden, Karden, Weber-disteln, franz. llliaräons d corckor; engl. looslos, loorlos;ital. Loräi äo coräare, sind die mit Widerhaken besetzten,länglich-walzenförmigen, reifen Blüthenköpfe der Weber-karde, lat. I)ip8acus iülionum, einer distelartigen, im südl.Europa einheimischen, aber in mehreren Gegenden Deutsch-lands, Hollands und Frankreichs angebauten Pflanze,Man gebraucht die Karden in der Tuchfabrikation zum Auf-kratzen oder Rauhen des Tuches. Gewöhnlich kommen sieZU 23 Stück an den Stielen zusammengebunden in denHandel. 40 solcher Bündel machen einen Packe» von 1000Stück, und 10 bis 12,000 packt man in ein Faß. Am bestensind die weichen, biegsamen und dabei doch elastische» Karden.Neuerlich hat man sie aus Metalldraht nachgemacht. InDeutschland wird bci Bamberg, Erlangen, Nürnberg undHalle Kardcnbau getrieben, in Frankreich bei Rouen undSedan, in Italien bei Bologna, in England in der Graf-schaft Essex. Zu Sedan, woher die niederrheinischen Tuch-

manufakturen viel Karden beziehen, theilt 'man dieselbennach den Graden ihrer Stärke in 10 Klassen. Die ältestenund stärkste» heißen premwros, und so folgen dann:äcuxwmos, 3es, 4os, des, 6es, 7cs, sous-poswis, pvslels etnouls.

Wechsel , Wechselgeschäft. In welcher unvoll-kommenen Weise in den frühesten Zeiten der Handel getrie-ben wurde, wie er in einem bloßen Tausch bestand, und wieallmälig erst die Münzen als Repräsentanten des Wertheseingeführt wurden, habe» wir unter den Artikeln Handelund Geld gezeigt. Je größer aber im Mittelalter dieMannigfaltigkeit der Münzen wurde, je mehr die Münzver-änderungen und die Verfälschungen zu Verwirrungen Ver-anlassung gaben, desto mehr mußten bei dem Austausch dergeprägten Gold- und Silbersorten die gegenseitigen Vor-theile, Bedürfnisse und Wünsche einander begegnen, destonothwendiger war es, sowohl für die Individuen als für dieStaaten, zuverlässige Leute zu haben, welche diesen Aus-tausch vermittelten, die schlechten, verrufenen Münzen wie-der in die Münze einlieferten und gegen ein Aufgeld in neueauswechselten, ohne das unwissende Volk durch ein unmäßi-ges Agio zu bedrücken. Solche Geldwechsler gab es daherbald überall, besonders an den Meßplätzen; aber nicht jeder-mann war das Umtauschen der Münzen, oder auch nur desunverarbeiteten Goldes und Silbers, erlaubt; es bedurftevielmehr in der Regel einer besondern Verleihung hierzu,und wer dieselbe erlangt hatte, übte häufig auch das Münz-rcgal aus, wodurch er eine bedeutende Finanzquellc erwarb.An einigen Orten gingen die Wechslei^aus den edelste» Ge-schlechtern hervor, in andern Gegenden mußten sie sich be-sondern Förmlichkeiten unterwerfen, Caution stellen, unddurften nur an bestimmten Plätzen der Stadt ihre Wechsel-bank oder Wechseltischc halten, wogegen aber auch nach denfrüheren Gesetzen mehrerer Orte ihren Büchern vollerGlaube bcigemessen und die von ihnen ausgestellten Scheineden öffentlichen Acten, inslrumcnüs publicis, gleichgeachtetwerden sollten. Diese Geldwechsler nannte man in jenenZeiten Münzer, Münzbürger, Hausgenossen,Lompsoros. Wie damals überhaupt der größte Theil dereigentlichen Handelsgeschäfte auf den Messen (s. d. Art.)betrieben wurde, so waren diese letzter» auch, wenn nicht dereinzige, doch der Haupt-Wirkungskreis der Campsoren, de-ren Geschäfte oft sehr ausgedehnt waren, und theils imUebermachen der Gelder an dritte Orte durch Anweisung,theils in Geld-Anleihen für Staaten und Privatleute be-standen. Bei den bedeutenden Geldmitteln, welche zu gro-ßen derartigen Unternehmungen erforderlich waren, bildetensich bald Gesellschaften solcher Campsoren, welche auf ver-schiedenen Handelsplätzen ihre Contore hielten. Das Auf-geld, welches die Campsoren bei ihren Verwechslungen undAufbewahrungen anrechneten, so wie dasjenige, welches siesich auf förmliche Darlehen, die sie ebenfalls machten, zahlenließen, scheint nicht unbeträchtlich gewesen zu sein. Späterwurde dasselbe gesetzlich festgestellt. Auf den französischenMessen z. B. war ihnen ausdrücklich gestattet, für Meßschul-den von Messe zu Messe einen gewissen Nutzen zu nehmen,welchen man xoin äe koire, Meßgewinn, nannte, undwelcher im Jahr 1311 (durch Verordnung Philippe desSchönen, Art. 2.) auf 80 8ols für 100 lüvros, also 2>/r Proc.,