Wechsel
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Wechsel
In einigen Ländern müssen die Wechsel, entwederdurchgehend oder ausnahmsweise, gestempelt oder aufStempelpapier geschrieben sein, ein rein positives Er-fordern^. — Die äußere Gestalt der Wechsel ist ziem-lich gleichgiltig und der Willkür überlassen, doch nimmt manüberall die Längen-Hälfte eines Quartblattes, und ein dün-nes Papier dazu, um sie bequem in Briefe falten zu könne».Gegenwärtig bedienen sich überdies fast alle Handelshäusergedruckter Schematen zu ihren Wechseln, in denen bei derAusfertigung blos die veränderlichen Punkte ausgefülltwerden.
Die Wechsel zerfallen im allgemeinen in zwei Haupt-klassen: 1) Trassirte oder gezogene Wechsel, Trat-ten, welche in einer Anweisung des Ausstellers an einenauswärtigen Bezogenen bestehen, und weswegen man denArt. Tratte nachlesen wolle; — 2) eigene oder trockneWechsel, auch Deposito-Wechsel genannt, welche ineinem Schuldschein des Ausstellers bestehen und auf diesenselbst lauten, so daß er zugleich der Bezogene ist.
Die eigenen Wechsel verdienen eigentlich diesen Na-men gar nicht, denn sie haben mit den Wechseln nichts alsdie Form, und die Wechselverbindlichkeit des Ausstellersüberein, während sie ihrem Wesen nach bloße Schuldscheinesind. Zur Entstehung derselben hat höchst wahrscheinlichdas im Mittelalter vom kanonischen Recht ausgesprocheneVerbot aller Zinsen die Veranlassung gegeben, indem mandie Darlehen durch das Wort Wechsel zu verbergen suchte.Eben hierdurch aber ward auch das Verbot solcher Wechselhervorgerufen, welches indeß späterhin wieder zurückgenom-men wurde. Da man sich lange nicht von der Idee trennenkonnte, daß der Wechsel von einem Ort zum andern wan-dern müssen wenn er Früchte tragen solle, so nannte man dieWechsel, die am Ausstellungs-Ort liegen blieben, todteWechsel (crunbia mortus). Der Name trockne Wech-sel (cmnbia sicc») soll daher rühren, weil sie nicht über Seeversandt werden konnten; nach einer andern Version abersolle» sie deswegen so heißen, weil sie hinsichtlich ihres Nu-tzens den trassirten weit nachstehen und im Vergleich mitihnen ziemlich unfruchtbar erscheinen. Zn Frankreichund England führen dieselben gar nicht den Namen W.,genießen aber die Rechte der Wechsel; in ersterem Landeheißen sie lüllols, s. diesen Artikel; im andern proinissoi^nows. — Die eigenen Wechsel sind entweder an Ordregestellt oder nicht; die an Ordre gestellten eigenen Wechsel(franz. Illllels a orclee) können, wie die gleicherweise ausge-stellten trassirten, weiter übertragen werden, während diesbei den nichtan Ordre gestellten (franz. Simples promes-sos, killols simples) nicht der Fall ist. Die letzter» sind je-doch gebräuchlicher und kommen im kaufmännischen Lebenbesonders in dem Fall vor, wenn ein Geschäftsmann fremdeKapitalien in seine Handlung zieht. Eigene Wechsel anOrdre kommen fast gar nicht vor; sie würden dem Kreditdes Ausstellers nur schaden und als ein unsicheres Papierbetrachtet werden. — Domicilirte eigene Wechsel (s.domicilirte W.) werden eigen trassirte W. (franz.llillots d äomicile) genannt.
Sola-Wechsel, franz. Souls 6o cliange, engl. SinZIevr onh kill), heißt jeder Wechsel, der nur in einem einzigen
Exemplar ausgestellt ist. Gewöhnlich belegt man die eige-nen Wechsel mit jenem Namen, weil diese in der Regelnur einfach ausgestellt werden, wogegen man eine einfachausgestellte Tratte in der Regel Prima nennt, weil beson-dere Gründe immer noch die Ausfertigung eines Duplikatsnöthig machen können.
Die gezogenen Wechsel (Tratten) werden auchwohl förmliche, die übrigen, nämlich die am Ort derAusstellung zahlbaren und insbesondere die eige-nen, aber unförmliche Wechsel genannt. Diese Bezeich-nungen sind vorzüglich in Oesterreich und Bai ern ge-bräuchlich.
Nächst der bisher berührten wichtigsten Eintheilungwerden sämmtliche Wechsel nach ihrem Zahlungstermin auchunterschieden in: 1) Meßwechsel oder Regulär-Wechsel (cambia regulär!» , c. lerlarum) ,und 2) Außer -meßwechsel, Nichtmcßwechsel oder Jrregulär-wechsel (cambia lrrcgularl», L. xiatoarum); man sehe des-wegen weiter oben.
Eine dritte Eintheilung, ebenfalls auf die verschiedeneArt der Bestimmung der Verfallzeit gegründet, ist die in fol-gende Gattungen:
1) Datowechsel; 2) Sichtwechsel; 3) Uso-Wechsel. (Man sehe die gleichlautenden besondern Artikel,und den Art. Verfallzeit.)
Noch theilt man auch sämmtliche Wechsel ein in:1) solche, die nur in einem einzigen Exemplar ausgestelltsind, oder Solawechsel (s. weiter oben), und 2) solche,welche mehrfach ausgefertigt sind oder doch eine mehrfacheAusstellung zulassen: Prima-, Secunda-, Tertia-Wechsel, s. oben und den Art, Wechselduplicate.
Wir haben weiter oben schon gesagt, daß das Wech-selgeschäft kostspielige Baarsendungen nach auswärtigenOrten erspare; die Wege jedoch, welche man dabei einschla-gen kann, sind verschieden, wie ein Beispiel sogleich zeigensoll. Ein Kaufmann 6. in Augsburg ist einem Geschäfts-freunde 0. in Wien eine namhafte Summe Geldes schuldig,und da die Einsendung des baaren Betrags ihm allzu kost-spielig ist, so will er diese Schuld mit Hülfe des Wechsel-geschäfts abtragen. Es stehen ihm dabei folgende Wegeoffen.-
1) Er kann dem Schuldner v. Wechsel aufWien einsenden (remittiren), die er entweder vorräthighat oder an seinem Platz kauft, oder auf ein anderes wienerHaus trassirt.
Dies ist der direkteste Weg. Wenn 6. mit einem zwei-ten wiener Hause, welches wix L. nennen wollen, in Verbin-dung steht, dessen Gläubiger er ist, so ist die Abmachung derSchuld an v. sehr bequem, indem er dem ki. Auftrag giebt,die betreffende Summe an v. zu zahlen, ihm, dem L., aberzu belasten, — oder indem er auf seinen Schuldner L. ei-nen Wechsel ausstellt, und diesen dem 6. als Zahlung ein-sendet.
2) Er kann dem I). Wechsel auf fremde Plätzeeinsenden (remittiren), aufweiche Wien einen Curs un-terhält, und welche er entweder vorräthig hat oder kauft,oder selbst ausstellt.
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