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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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60
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stärkerer Arzeneyen; aber auch in öer Unterbringung der Arze-neykunst durch die Chemie, in der Verabsäumung der Zeiten,der Abänderungen, der Zeichen und Ursachen der Krankheiten;in der Anpreisung allgemeiner Arzeneyen und wunderwirkenderPanaceen, und in der großen Meinung von sich selbst. Ererzählte irgendwo, Gott habe seinen Geist erleuchtet, nachdemer alle seine Bücher weggeschafft, um in der Welt auf derWahrheit herum zu reisen; auch verstehe niemand die Arzeney-kunst wie er. Er rühmt an einem andern Orte, er habe durchnächtliches Staunen und Phantasiren, durch Träume und Er-scheinungen, größere Progresse in den Wissenschaften gemacht,als durch seine Vernunft. Die Praxis der Alten taugt nichts,sagte dieser niederländische Weise, denn sie waren Heiden.

Bey einem so allgemeinen Verfall wuchs die Anzahl dereinfachen und die Verwirrung der zusammengesetzten Mittel.Die Galenischen Aerzte gaben ihren einfachen Arzeneyen Tu-genden, die alles zu erschöpfen schienen, was sich zum Vor-theil des Menschen wünschen ließ; Alles taugte bey ihnen zuAllem. Die chemischen Aerzte erzählten Wunder von ihrenExtrakten und Tinkturen; ihre verstiegenen Schriften warenerlogene Triumphe über die Natur, vergötterte Denkmale derunverschämtesten Unwissenheit. Auch sind die Galenisten, dieChemisten und die meisten folgenden Aerzte in ihren Verord-nungen so abgeschmackt, daß es unbegreiflich wäre, wie sienoch in unsern Zeiten Nachfolger finden könnten, wenn mannicht wüßte, daß die unvernünftigsten Meinungen in der Weltdie dauerhaftesten sind.

Diese Leute können uns eher verführen als unterrichten,eher von der Wahrheit entfernen, als der Wahrheit nähern,wenn wir den wahren Gebrauch ihrer Schriften nicht verste-hen. Man kann wissen, was Andere gedacht haben, ohneselbst denken zu können. Die meisten Verfasser lehren unSzwar, was sie gedacht haben, aber nicht was wir denken sol-len. Nur der Mangel festgesetzter und lichtvoller Begriffe istes, nach Herrn d'Alembert, welcher die Begierde in unSerwecket, Anderer Gedanken zu wissen; man bemüht sich durch