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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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dem Herzen liegt, diese Beobachtungen besser zu machen alswir. Ich kenne Leute, die in ihrer Kunst alles sehr wohlsehen, und in allen übrigen menschlichen Dingen nichts; siefinden in der Erkenntniß von allem, was außer ihrer Kunstist, keinen Vortheil, und darum sehen sie außer derselbennichts. Ein guter Kopf sieht nur darum in den gemeinstenDingen nichts, weil er nichts darin zu sehen verlangt. Derkleinste Geist kann in einem elenden GerichtShandel alles mitdem äußersten Scharfsinn sehen, und ein Mann von Ver-stand nichts.

Aus diesen Vordersätzen geht hervor, daß der Beobachtungs-geist weder daS Eigenthum eines allzu lebhaften noch eines allzukalten Kopfes ist. Leute mit mehr Einbildungskraft als Ver-stand sehen auf einmal sehr viel, aber sie sehen zu geschwind,und darum nicht deutlich. Darum verbindet sich zuweilen miteiner starken Einbildungskraft ein verworrener und unstäterGeschmack, weil der Verstand an dem Geschmacke so vielAntheil hat, als die Einbildungskraft. Leute mit vielemVerstände ohne Einbildungskraft, sind überhaupt zum geschwin-den Sehen zu langsam; sie beurtheilen eine Beobachtung sehrwohl, aber sie bemühen sich nicht, sie zu machen. Sie sehenvielleicht deutlicher die Leidenschaften aufsteigen und wirken,als ein allzu lebhafter Kopf, der sie selbst fühlt, indem er siesieht. Aber sie haben den Trieb nicht, der uns über alles,was uns umgiebt, den Geist öffnet; sie sehen nur, was sieheftig zu sehen verlangen. Eine übertriebene Kälte des Tem-peraments, und das aus demselben fließende niedergedrückteund niederdrückende Wesen macht die Menschen eben so ver-kehrt sehen, als eine übertriebene Hitze des Temperaments.Man sieht schnell und unterscheidet was man sieht, wenn,bey einer gehörigen Mischung des Verstandes und der Ein-bildungskraft, jener diese an dem zu untersuchenden Vorwürfefesthält. Auch liegt in einem lebhaften Kopfe, der wie einseuervoller und an dem Tage einer Schlacht ungemein kalterConde mit Stille und Gelassenheit beobachten kann, der höchsteGrad des Beobachtungsgeistes.