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Frauenzimmers über ein sehr wichtiges historisches Gemäldewissen, das einen großen Jtaliäner zum Urheber hatte, undwovon das Rührende in Wenigem vorborgen lag. DiesesFrauenzimmer hatte, ohne von Gemälden eine Kunstverstän-dige zu seyn, ein sehr feines Gefühl. Sie sank bey demersten Anblick meines Stückes ein; ich fragte nicht mehr. Mitdiesem angebornen Gefühle, durch welches man die Werkeder Maler, wie die Werke der Dichter am meisten, und in-sofern eS nicht so wohl um die Art und Weise wie sie wir-ken, als um ihre Wirkung allein zu thun ist, am besten be-urtheilt, und mit der oft wiederholten Aufmerksamkeit, wirdder Geist so scharf als die Augen, mit welchen LieberkühnJupiters Trabanten ohne Fernglas, sehen können.
Wenige Menschen Die Augen des gemeinen Mannes
sind offen^,aber sein Geist ist blind. Er hat die Kenntnissenicht, die seinen Geist auf einen Gegenstand heften könnten,der außer dem engen Kreise seiner nächsten Bedürfnisse liegt.Er hat nur über das Wenigste von dem denken gelernt, waser sieht, und darum sieht er in den meisten Sachen nichts.Jede moralische oder physische Erscheinung glitscht über seinenKopf weg, wie eine Kugel über Marmor. Andere sehen, undunterscheiden nicht was sie sehen, weil sie unfähig sind, aufeinen Vorwurf insbesondere Acht zu haben, und ihn in sei-ner Ordnung und Verknüpfung zu betrachten, oder weil indemselben gar zu viele Dinge vorkommen, die von einanderunterschieden sind, und von ihnen nicht können unterschiedenwerden. Oder sie entdecken die Oberfläche der Dinge, undhalten die Oberfläche für das Ganze, das Kleid für denMann, einen hübschen Busen für Verstand. In morali-schen Dingen sieht der Dummkopf nichts, der Narr verkehrt,der Witzling die Oberfläche, ein aufgeklärter Kopf alles.
Man macht sich einen deutlichen Begriff von den Graden indem Mangel des Beobachtungsgeistes, und von den Gradendes Beobachtungsgeistes, wenn man nur beobachtet, wie ver-schiedene Menschen einen Kupferstich, ein Gemälde, oder dieMenschen betrachten.