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Jede Handlung hat ihre Triebfedern. Man gelangt zu derKenntniß dieser Triebfedern durch eine vielfältige Beobachtungder Gemüthsart der handelnden Personen, ihrer Ideen, ihrerLeidenschaften und der aus denselben fließenden Tugenden undLaster, durch eine scharfsinnige Prüfung ihres Betragens un-ter vielerley Umständen, durch eine immerwährende Auseinan-declegung des Verschiedenen und Zusammensetzung des Aehnli-chen, durch eine endlose Untersuchung der Abhängigkeit derTheile und Vergleichung unter sich und mit dem Ganzen.
Ein gemeiner Geist steht nur was unmittelbar in die Au-gen fällt, ein aufgeklärter Geist bringt über die dunkelstenVorwürfe Licht, und durchdringt durchaus das Wahre unddas Falsche. Keine Regung in den Herzen der Menschen ent-geht einem guten Beobachter, der nicht, wie meistentheils derWeltmann, immer sieht und niemals denkt, der nicht, wie mei-stentheils der Philosoph, immer denkt und niemals sieht, son-dern nach der gehörigen Vorbereitung die Kenntniß der Weltin der Welt sucht; der sich in alle Handlungen der Menscheneinmischt, damit er selbst sehe, wie sie handeln; der bald indie Welt kömmt, bald aus derselben zurücktritt, immer unterden Menschen aus und ein geht, seine Beobachtungen in ih-rem Umgänge macht, wiederholt, verändert, ordnet, durchdieselben zu den Ursachen steigt, diese Ursachen durch neueBeobachtungen prüft, und zuletzt nach der Erwägung desGanzen schließt.
Die Geschichte ist in ihrem vornehmsten Gesichtspunkteines der wichtigsten Hülfsmittel zu Vermehrung unserer Kennt-niß der Moral. Wir suchen die Vorwelt aus der Rahe zukennen, damit wir unsere Zeitgenossen gründlicher kennen ler-nen, und in derselben eine Richtschnur für unsere Urtheileund unser eigenes Betragen finden. Da wir unter den Men-schen, mit denen wir leben, nur einen unendlich kleinen Theilder Welt sehen, so bemühen wir uns in der Geschichte zuder Kenntniß der ganzen Welt zu gelangen, nicht von We-nigem auf Vieles, von einem Volke auf die zahllosen Erdbe-wohner aller Zeiten zu folgern. Wir glauben nur das im