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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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76
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lichsten Anlässen im Geheim eine geschwinde, richtige, und miteiner meistentheils erfüllten Vorhersagung begleitete Verbindungin seiner Seele bildete. Er hat, mit Diderot, die Menschenbeurtheilt, wie Leute von Geschmack die Werke des Geistesdurch das Gefühl.

Unsere ganze Kenntniß beruht ursprünglich auf guten Beob-achtungen. Wir müssen von sinnlichen Gegenständen unsereausgedehnteste Kenntniß abziehen, und wir gelangen durchdas Beobachten allein zu allgemeinen Begriffen, das ist, zuder von dem Pöbel so oft angetasteten, so sehr mißkanntenund verachteten Theorie. Man fängt bey dem Einfachen undUnzweifelhaften an, wenn man das Wahre in einer Reihe deut-licher Folgesätze erkennen will. Jede Erscheinung muß da-rum in ihre Theile zerlegt, jeder Theil in seine Grundsätzeaufgelöst, jeder Grundsatz durch die Erfahrung bekräftigtseyn. Der Beobachtungsgeist ist durchaus nöthig, wo derVerstand durch die Augen sehen soll.

Die Kenntniß der menschlichen Handlungen oder die Mo-ral ruht ganz auf guten Beobachtungen. Man versucht um-sonst in den Herzen der Menschen zu lesen, und ihre Gedan-ken oder die Metaphysik ihrer Handlungen zu verstehen, wennman die Sitten und die Welt nicht wie die Naturlehre oderdie Arzeneykunst studirt hat. Die Geschichte selbst ist nichtsanders, als eine Sammlung von Beobachtungen in Absichtauf die Kenntniß des Menschen und der Welt.

Der Unterschied zwischen den Reden und den Thaten führtuns auf den unendlichen Unterschied zwischen dem, was derMensch seyn will, und dem, waS er ist. Wir müssen ausden Erscheinungen die Wesen kennen lernen, damit wir einstaus den Wesen selbst die Erscheinungen vorhersehen; zuerstaus den Thaten der Menschen auf ihr Herz schließen, undzuletzt von ihrem Herz auf ihre Thaten. Man findet die Un-terscheidungszeichen der Reden und der Thaten, wenn manohne Aufhören eine sorgfältige Vergleichung zwischen beydenanstellt. Wir müssen darum die Menschen handeln sehen, wennwir wissen wollen, wie sie denken.