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losophisch geschrieben, weil es nicht möglich war, über einenabstrakten Ausdruck sich deutlich zu erklären, ohne an philoso-phische Grundsätze hinauf zu steigen, aus denen nunmehr be-greiflicher wird, was ich durch den Beobachtungsgeist in derArzeneykunst verstehe. Rousseau sagt, es sey sehr traurig, daßes so viel Philosophie braucht, um einmal beobachten zu kön-nen, was man alle Tage sieht.
Die Gelehrsamkeit ist der Schlüssel, mit dem der Arzt dasInnerste der Natur öffnet; der Praktiker will diese Thüre ohneSchlüssel öffnen. Ohne die Gelehrsamkeit wissen wir nicht,worauf wir in der Natur zu sehen haben; ohne den Beobach-tungsgeist betreten wir blindlings ihre Spuren. Ein gelehrterArzt kennt zum Voraus das Land, das er durchreisen soll,er hat die besten Beschreibungen davon gelesen; der Praktikertrittet unbereitet diese Reise an; er findet es närrisch, sich zumVoraus um ein Land zu bekümmern, das man sehen wird.Man kann indeß die Erdbeschreibung verstehen, und, plötzlichin ein noch ungesehenes Land versetzt, das eine für das anderenehmen. Die Kunst zu sehen muß die Gelehrsamkeit begleiten,weil es besser ist, daß man selbst sehe, als nur schlechterdingsglaube, Andere haben gesehen. Täglich mit der Natur bekann-ter, lernt man ihre Stellungen, Wendungen, Gewohnheitenund Launen (csprices) kennen, wenn die Gelehrsamkeit mitder Kunst zu sehen vereint ist.
Ich verstehe unter dem Beobachtungsgeist in der Arzeney-kunst die Fähigkeit, in dem historischen Theile der Arzeney-kunst oder der Geschichte der Begebenheiten, alles so zu sehen,wie es ist. Unter der Geschichte der Begebenheiten in der Arze-neykunst verstehe ich die Geschichte derjenigen Erscheinungenund Zeichen, aus welchen man begreift, daß eine Krankheit,oder jede andere in Krankheiten sich ereignende Begebenheitdasjenige ist, was sie ist. Der Beobachtungsgeist macht alsodem Arzt die Erscheinungen in den Krankheiten, ihre Verbin-dung und ihre Abhängigkeit in so weit deutlich, als es ihmnöthig ist, durch dieselben auf die Ursachen zu schließen. Erzeigtihm die Physiognomie von jeder Krankheit, die man zwar