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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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sähe, weil die Aerzte keine haben; es finde sich keine guteMethode, weil jeder glaubt, die seine sey die beste. Hippo-krates sagt: ein Arzt heiße sehr oft gut, was ein anderer ver-werfe, und dieses setze die Kunst den Verleumdungen des Pö-bels aus, der sich darum eiubilde, nichts sey so eitel als sie.

Voll Ungeduld über ihre Leide», fordern die Menschen eineunwandelbare Gewißheit in allen Handlungen des Arztes, eineGewißheit, die man, mit Ausnahme der reinen Mathematik, inkeinem andern Theile der menschlichen Kenntniß findet. Alles,was uns die Sinne versichern, alles, was aus einer richtigenInduktion fließt, alles, was wir unmittelbar in unsern Ideensehen, ist wahr. Das Ungewisse in der Arzeneykunst, undfolglich alles, was Vorurtheil, Wahrscheinlichkeit und Mei-nung ist, vermindert die Gewißheit des Wahrhaften nicht.Wir erkennen die Wirkungen mit ziemlicher Gewißheit, abermit den Ursachen haben wir unsere Noth, und wir irren auchdann in diesen nicht, wenn uns alle Wirkungen einer Ursachezum Voraus so bekannt sind, daß sich aus den Wirkungendie Ursache bestimmen läßt. Allein die meisten Aerzte sehenentweder diese Grundsätze oder ihre Anwendung nicht; ihreMeinungen sind verschieden, weil ihre Köpfe verschieden sind.Diderot glaubt darum, es sey lächerlich zu sagen: so viel Köpfe,so viel Meinungen; weil nichts so gemein als Köpfe, nichts soselten ist, als ein guter Rath. Darum ist dem Kranken ineiner Consultation am besten geholfen, wenn er dasjenige fürwahr hält, was ihm unter vielen Aerzten die wenigsten sagen.

Die wenigsten Aerzte sehen; viele haben den Beobachtungs-geist nur halb; bey den größten ist er oft so gebunden, daßsie nichts als ihre Vorurtheile sehen; darum ließ Kaiser Ha-driauus auf seinen Lcichenstein setzen: die Menge der Aerztehaben den Kaiser getödet.