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Sie getrauen sich, allen Menschen, und sogar den aufgeklär-testen, ihre Mährchen mit einer Miene aufzubürden, die jedemUngläubigen ihre Verachtung droht. Unendlich und unzähl-bar sind die eingebildeten Wahrnehmungen dieser Menschen,und sowohl fürchterlich als gefährlich die daraus in Absichtauf die innere Glückseligkeit, auf die sittlichen Pflichten unddie Arzeneykunst fließenden Folgen, wider die der aufgeklärtePfarrer nicht eifert, weil man sagte, er sey ein Atheist:wider die der dumme Pfarrer nicht eifert, denn er selbst istabergläubisch; wider die einer der größten Männer, und auf-geklärtesten und sittsamsten Gottesgelehrten, Samuel Weren-fels, ehemaliger Professor der Theologie in Basel, mit bezwin-gender Stärke zwar gestritten hat, aber wofür auch dieserWohlthäter seiner Republik, von Priestern und Layen gehaßt,verleumdet und verketzert worden ist; wider die sich endlichunsere aufgeklärten Aerzte nicht auflehnen, weil man sagenwürde, sie seyen Freygeister oder Theoretiker; wider die unserePraktiker nicht reden, denn der Aberglaube gibt Praxis.
Aus allen diesen durchaus auf der Erfahrung ruhenden Vor-dersätzen fließt, daß Hippokrates mit dem größten Rechte Stilledes Geistes, Entfernung vom Aberglauben und eine göttlicheErhabenheit der Seele von dem Arzte gefordert, weil es un-möglich ist, daß man abergläubisch sey, und das Wahre sehe;daß der Arzt an allen zweifeln müsse, was übernatürlich oderwunderbar ist, weil der Aberglaube nur das Uebernatürlicheund Wunderbare will; daß er, nach den Regeln der Vernunft,schuldig und verbunden sey, die bloße historische Gewißheitdes Uebernatürlichen und Wunderbaren so lange entscheidendzu verwerfen, als die Menschen nur die Erscheinungen sehenwollen, die ihre Vorurtheile begünstigen, und blind für diesind, die ihren Vorurtheilen widersprechen.
Der Arzt muß auch dann das Uebernatürliche und Wun-derbare nicht allzu sehr wünschen, dessen Niederkunft nichtallzu hitzig hoffen, und dessen Gegenwart nicht allzu geschwindbescheinen, wenn er die edle Absicht hat, der Vernunft die-sen Flecken auszuwischen, die Wirkungen der Natur, deren