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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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düngen und hellere Schlüsse fallen. Folglich kann in vielenGesichtspunkten Hippokrates weit unter einem Boerhave, sowie Sydenham in vielen Fällen weit unter einem van Swietenseyn; während nicht desto weniger es wahr bleibt, daß jedeeinmal von Hippokrates wohl beobachtete und bestimmteKrankheit für alle Zeiten und für alle Völker bestimmt ist.

Die Beobachtungen der wahren Aerzte aller Zeiten bleiben,wie die Orakel der Propheten und Apostel. Von der Gott-heit begeistert, überbrachten diese ihre ewigen Wahrheiten derNachwelt; von der Natur unterrichtet, die, so wahr als ihreUrsache, so wahr als Gott ist, überwanden jene die Zeit.

Viertes Capitel.

Von der Beobachtung der Erscheinungen in den Krankheiten nndihrer Zeichen.

An der weiten Ausdehnung der Natur ist also die Beobach-tung der Erscheinungen das erste Geschäft des forschenden Ver-standes ; die Zeichen sind sein Leitstern auf dem ungewissenPfad, wo man oft im Dunkeln sehen, und den Sinnen uner-reichbare Veränderungen ausspüren muß.

Um die Krankheiten einzelner Personen deutlich zuerkennen,sollte man wissen, was in ihrem Körper zum Nachtheil seinerordentlichen Verrichtungen vorgegangen ist. Nun sehen wirmehrentheils diese inwendige Veränderung vermittelst der Sinnenicht, und folglich liegt das Vermögen, sie zu suchen, in demVerstände. Aber dieses Vermögen wird so oft unwirksam,als wir, das Unbekannte zu finden, uns von dem Sichtbarenentfernen. Hippokrates sagt: ich lobe die Vernunftschlüsse, diebey den Wirkungen anfangen, und ihre Folgesätze aus denErscheinungen ziehen.

Die Zufälle sind diese Erscheinungen. Auf diese ist unsereerste Aufmerksamkeit gerichtet, und sie bleibt nicht unvergolten,wenn man die Zufälle sorgfältig prüft und scharfsinnig untcr-ZiimncrmannS Erfahrungen. 8