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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Wir bemerken die Verhältnisse der Hoffnung zu der Gefahr,wenn wir das Gute, welches uns aus dem Gegenwärtigen undVergangenen von dem Kranken bekannt ist, mit dem Schlim-men abwägen, das wir aus den gleichen Quellen schöpfen;wenn wir die Kräfte des Kranken gegen die Kräfte der Krank-heit messen, und allemal zugleich auf das sehen, was in denmeisten uns bekannten Fällen auf gleiche Umstände und Zei-chen gefolgt ist. Wir lernen durch diese mit der äußerstenSorgfalt gemachte Untersuchung, ob die Hoffnung vollkom-men , ob sie zweifelhaft oder nichtig sey. Herr von Montesquieufragte auf seinem Sterbebette seine Aerzte: wie verhält sich dieHoffnung zu der Furcht? Sie hätten auf gut chinesisch ant-worten können: Ein Theil geht zum Leben, und neun zumTode.

Ein Arzt wird zur Vorhersehung in den Krankheiten ge-schickter, wenn er auf die sogenannten Crises, oder Abänderungenin den Krankheiten, die ich Abfälle nenne, mit der nöthigenKlugheit die möglichste Aufmerksamkeit hat. Man verstehtunter dem Abfall einer Krankheit den Auswurf der Materieder Krankheit, auf welchen insgemein eine merkliche Verände-rung zur Gesundheit oder zum Tode folgt. Die Aerzte un-terscheiden in Ansehung dieser Abfälle die Zeit, in welcher diein dem Magen, in den Gedärmen, in den Adern oder in irgendeinem Gliede haftende Materie der Krankheit uuverbessert bleibt,in welcher die Auswürfe des Körpers am meisten von dem abge-hen, was sie in gesunden Tagen waren, und in welcher die Krank-heit sich noch zusehends verschlimmert; sie unterscheiden ferner dieZeit, in welcher die Materie der Krankheit genugsam erdünnert,dem vorhergehenden Zustande genugsam entgegengesetzt, unddem, was sie in gesunden Tagen gewesen, genugsam und dochnicht vollkommen ähnlich zum Abfall sich anschickt, und dieKrankheit nicht mehr steigt, sondern vielmehr fällt; und dieZeit, in welcher der Abfall wirklich geschieht.

Vermittelst der genauen Beobachtung des Verlaufs einerKrankheit, der Abnahme, der Zunahme, des Ausbleibens,der Hinzukunft der Zufälle, machten sich die Alten mit der