Der Urheber der Natur hat den Lauf der meisten Krankheitendurch ewig», und unveränderliche Gesetze festgestellt; wir ent-decken bald diesen Lauf, wenn er durch deu Kranken oder dieUmstehenden nicht unterbrochen wird; denn diese sind oft dieUrheber der meisten Anfälle. Aus diesen gefundenen Zeichenverstehen wir, in welcher Periode sich die Krankheit befindet,ob sie in ihrer Aufnahme, auf ihrem Gipfel, oder in der Ab-nahme sey. Boerhave hielt diese Zeichen sowohl bey der Un-tersuchung als bey der Heilung der Krankheiten von solcher Wich-tigkeit, daß er kaum etwas einen großer» Einfluß auf die Aus-übung der Arzeneykunst zu haben glaubte, und daher auch dieVerabsäumung derselben höchst schädlich fand.
Aus den Zeichen der Abänderungen und des Zustands derKrankheiten werden diejenigen genommen, die uns über denAusgang einer Krankheit in das Leben, in die Gesundheit,in eine andere Krankheit, in den Tod und über die Zeit diesesAusgangs unterrichten. Man gelangt zu diesen Zeichen über-haupt , wenn man alle übrigen Zeichen verbindet und vergleicht,und aus dem, was in sehr vielen Fällen gesehen worden, aufden Ausgang des gegenwärtigen Falls schließt. Die Altenmußten lange die Krankheiten nach ihren einfachsten Erschei-nungen beschrieben und auf alles gemerkt haben, was dieNatur, das Ungefähr oder die Kunst thun, ehe sie mit einigerWahrscheinlichkeit sagen konnten: hundertmal waren in dieserbestimmten Krankheit, bey diesen Umständen, diese Zeichen dieVorläufer dieses Erfolgs, und daher sind sie es auch jetzt.Durch die genaueste Aufmerksamkeit auf alles, was in derKrankheit vorging, lernte Hippokrates nicht nur eine Krank-heit von der andern durch ihre Zeichen unterscheiden, sonderner erwarb auch durch die Vergleichung der gleichen Krankheitin verschiedenen Personen, und der Zufälle, die vorhergingenund nachfolgten, eine Fertigkeit, die Krankheiten den Gesun-den vsrherzusagen, und den Kranken ihren Ausgang zu bestim-men. Man muß aber die gleiche Beobachtung sehr oft ohnedie geringste Uebereilung, und ohne daß sie jemals fehlgeschla-gen, gemacht haben, wenn man sagen will, daß auf diese Um-stände dieser Erfolg sich äußern werde,