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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Die Ehre der Aerzte und der Arzeneykunst würde befe-stigt, wenn man sich in seinen Urtheilen nicht übereilte, undwenn viele Aerzte mit Recht sagen könnten, was ich nicht sagenkann, sie Haben sich niemals übereilt. In dem ersten hal-ben Jahre, da ich Kranke zu besuchen anfing, kam in Bernein Mädchen zu mir, dem kurz vorher ein heftiges Wechsel-fieber in seinen ersten Anfällen erstickt worden, und daraufder Bauch anschwoll; ich fragte, ob es schwanger sey? es schwurmir, daß es sich niemals habe berühren lassen; darum glaubte ich,auf eine Windsucht schließen zu dürfen; aber kurz darauf en-digte sich die Windsucht dieses unberührten Mädchens in ei-nen hübschen Sohn. Verschiedene in ihren Augen unendlichgroße und mir sehr wohl bekannte Aerzte sind einige Malemajestätisch in diesen lächerlichen Irrthum gestolpert. SogarDrelincourt, Professor der Anatomie in Leyden, entschied,«ine wassersüchtige Jungfer sey schwanger, und Salzmann,Professor der Anatomie in Straßburg, eine schwangere Jung-fer sey wassersüchtig. So hielt man die Frau Markgräfinvon Daden-Durlach bis an die vier lezten Tage vor ihrerNiederkunft, für wassersüchtig.

Ein Arzt, der vorhersagen will, was künftig geschehenwird, kann in sehr vielen Fällen nur sagen, es sey wahr-scheinlich, daß es geschehen wird, und oft ist es unmöglich,diese Wahrscheinlichkeit zu sehen. Die Wahrscheinlichkeit einerVorhersagung verhält sich wie die Menge ähnlicher Fälle, inwelchen man auf gleiche Umstände einen bestimmten Ausgangerfolgen sah. Man glaubt daher nicht, daß diejenigen, welchedie Vorhersagungen des HippokratcS und besonders die Vor-hersagungen von CoS gesammelt, von jeder» Falle so vieleBeyspiele erwartet haben, als zu dem höchsten Grade derWahrscheinlichkeit gehören. Hippokrates hatte zwar die Beob-achtungen der Familie des Aesculap vor sich, und also konnteer durch ihre Erfahrung die seinige ergänzen; demungeachtet saher die große Schwierigkeit einer wahrscheinlichen Vorhersagung sowohl ein, daß er kein Bedenken trug, zu gestehen, wie baldman hierin betrogen sey. Die Vorhersagungen in hitzigen