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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Krankheiten sind ungewiß, sagt er, unD man kann nicht un-fehlbar versichern, ob die Krankheit zum Tode oder zur Ge-sundheit gehe. Hippokrates hat sich darum mit Bitterkeitüber die Aerzte seiner Zeiten beklagt, die durch ihre eitelnund prahlerischen Weissagungen eine an sich so wichtige Kunstlächerlich machten. Diese griechischen Charlatans waren von -der Art derjenigen, die in unsern Zeiten weissagen: wer die- lsen Winter kein Flußfieber hat, wird im Frühling kratzig; wer ;im Frühling nicht krätzig ist, wird im Sommer ein Narr; wer 'im Sommer kein Narr ist, stirbt im Herbst.

Zuweilen geschieht es, daß Aerzte, die nicht Charlatans sind,doch in unausstehliches Unglück verfallen, wenn sie sich diesemWeiffagungsgeiste allzu leichtsinnig überlassen. Ein Schwei-zerischer Arzt, den man nur darum für den größten unteruns hielt, weil er bey dem Frauenzimmer von gutem Toneder berühmteste und folglich auch der reichste ist, ward un-längst von einer artigen jungen Dame dieser Gattung berufen,die seit langem sehr schwächlich war, und allmählig abzuzehrenschien. Man schrieb ihre Abzehrung einem Geschwüre in denLungen, in der Leber, oder in einem andern Eingeweide zu.Der große Arzt besuchte die Dame fleißig, und weissagte denTod, wenn unglücklicher Weise ein Bauchfluß sich ereignenwürde. Ein anderer Arzt, den man sonst für einen schlechtenund tonlosen Mann hielt, weil er gelehrt seyn soll, ward,ich weiß nicht warum, auch Herbeygerufen. Dieser sagte, inder Welt kann euch nichts heilen, als ein Bauchfluß. DerBauchfluß kommt, der schreckende Eindruck des Orakels be-hält die Oberhand, man nimmt Abschied, man umarmt seineKinder, man macht seinen Bedienten Geschenke, man hat sechs-zig Stuhlgänge in sechszehn Stunden; und wird gesund.

Afterärzte schämen sich nicht, den Pöbel zu bereden, siekennen nicht nur bey dem ersten Anblicke alle Krankheiten,sondern sie wissen auch sogar schon an dem ersten Tage derKrankheit ihren Ausgang. Man kann freylich oft schon amersten Tage einer hitzigen Krankheit aus der Heftigkeit desAnfalls, aus dem Gelöschte der Ursachen, und den besondern