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lesen, und noch weniger alle Richter der Aerzte. Diese beydenFälle sind aber vorzüglich in Absicht auf die hier erwähntenSchwierigkeiten der Kunst, und die daher rührenden Einwürfeder gesprächigen Unwissenheit, meinem Zwecke so sehr gemäß,baß ihre verkürzte Beschreibung aus diesen Blättern nicht weg-bleiben kann. Warum sollte nicht auch endlich hierdurch,sagt Boerhave, den oft so sehr böswilligen und lügenhaftenAuslegern der Verrichtungen anderer Aerzte, der Anlaß zumSündigen entzogen werden, denen es einzig und allein ge-fällt, aus zweifelhaften und argwöhnischen unter dem Pöbelausgestreuten Gerüchten, steif an dem Falschen und Dösen kle-bend, zu schöpfen, während bestochene Richter die Wahrheitelend untersuchen.
Johannes Freyherr von Wassenaer und Admiral von Hol-land, ein ziemlich mäßiger, dem Podagra unterworfener, übri-gens gesunder, starker, mit der äußersten Standhaftigkeit,und den größten Tugenden begabter Mann, hatte die Gewohn-heit, so oft ein Brechmittel zu nehmen, als er von überflüs-sigen Speisen die geringste Beschwerung empfand. Diese Me-thode schien ihm so sehr zuträglich, daß er sie mehr als ein-mal selbst in den Anfällen des Podagra zu seinem größtenNachtheil wagte. Seine Freunde unterließen nicht, ihn sosehr als die Aerzte hierüber zu warnen. Er aber gab immerzur Antwort, nichts in der Welt erleichtere ihn so sehr wieein Brechmittel; auch könne und wolle er desselben heilsamenund durch eine lange Erfahrung bewährten Gebrauch nichtmissen.
Eines Nachts erhielt Boerhave die Nachricht, der Admiralvon Wassenaer ringe auf seinem Landhause mit dem Tode,und vielleicht sey er schon gestorben. Boerhave eilte plötzlichhin, und fand den Admiral auf seinem Bette in einer vor-wärts gebogenen Stellung, von drey Bedienten unterstützt.Jede andere Stellung vermehrte auf die grausamste Weise denihn marternden Schmerz. Er konnte nicht rückwärts, nichtauf dem Bauche, nicht auf ber Seite liegen, und am we-nigsten aufrecht sitzen. Boerhave erschrak um so viel mehr