142
über diesen Anblick, da er wußte, mit was für einer heroi-schen Standhastigkeit er oft den Admiral die heftigsten Schmer-zen des Podagra ausstehen gesehen, da er, durch ihre Wuthsäst getödet, still und gelassen blieb. Noch mehr erschraker, so oft er das durchdringende Wehklagen hörte, das indem sonst unbesiegten Gemüthe des Admirals die Uebermachtder Schmerzen, bey den vergeblichen Bestrebungen seinerGeduld, erzwäng.
Sobald Boerhave in das Zimmer getreten war, wollte derAdmiral sich ein wenig aufrichten, Boerhave die Hand bietenund ihn grüßen. Aber bey der geringsten Bewegung, beyjedem einzelnen Worte, schien er unter der Vermehrung sei-ner Schmerzen zu erliegen. Hierauf versuchte er seine kläg-liche Krankheit zu eröffnen, ohne es zu können, weil beyjedem Versuche die angestrengte Grausamkeit des Schmerzesihm den Athem hinterhielt.
Einer von den Umstehenden machte also folgende Erzählung:Drey Tage vor der Krankheit hatte der Admiral an einemgroßen Gastmahl ziemlich Theil genommen, und gleich daraufdurch eine gänzliche Enthaltsamkeit jedem sonst daher entste-henden Uebel vorgebogen. Seine letzte Mittagsmahlzeit vordem Anfall der Krankheit war mäßig. Den ganzen Nach-mittag genoß er nichts, sondern er ritt, war freudig, ganzgesund, er hatte nicht die geringste unangenehme Empfindung,auch nicht den geringsten Argwohn eines bevorstehenden Uebels.
Nachdem er glücklich von seinem Ritte zurückgekommen,enthielt er sich, nach seiner Gewohnheit, der Nachtmahlzeit. Umhalb zehn Uhr des Nachts trank er drey Poccellanschalen vonseinem gebräuchlichen Cardobenedikten-Thee. Um die Ursacheangefragt, sagte der Admiral, er fühle eine kleine Beschwe-rung in dem obern Theile des Magens, die er auswaschenwolle, weil er sie schon oft gefühlt und immer durch ein Brech-mittel gehoben habe. Er erbrach sich bald hernach, doch nichtsehr leütit, und nicht genug. Darum nahm er noch vierThceschalcn von dem gleichen Getränke. Obschon er nun denMagen so sehr angefüllt hatte, so konnte er doch nicht brechen.