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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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so mehr, weil er, durch einen entsetzlichen und unaufhörlichenHunger getrieben, alle Speisen, die er erhäschen konnte, ver-schlang , und wenn es die Umstehenden nicht mit der äußerstenSorgfalt verhütet, in einer entsetzlichen Menge verschlungenhätte; obwohl ihn alles, was er aß, auf das grausamste äng-stigte. Acht Tage vor seiner letzten Stunde floß ihm, zuseiner unaussprechlichen Freude, die Goldader, denn daher hoffteer nun die Heilung seines Uebels. Er hatte auch immer vonden Aerzten begehrt, daß ste durch die Kunst diesen Fluß er-regen möchten, und dieses ward auch früher durch Bähun-gen versucht; doch klagte er immer die Aerzte einer Nachlässigekeit an, daß sie nicht gleich im Anfange der Krankheit diesenFluß mit aller Macht zu erzwingen gesucht. Den siebentenHeumonat ergoß sich eine ziemlich große Menge Blut durchden After, das sogleich gerann. Den folgenden Tag giengdurch den gleichen Weg vieles Blut ab; der Kranke ward hier-durch freudiger, und getraute sich sogar mit Hülfe der Um-stehenden ein paar Schritte in seinem Aimmer zu wagen, wel-ches vorher lange unmöglich gewesen wäre. Aber zugleich hatteer auch denselben Tag einen so unersättlichen Hunger, daß erzum öftern verschiedene Speisen genoß, und dieselben nun-mehr ohne Furcht der Erstickung verschlang; er genoß auchmit großer Lust seine Nachtmahlzeit, war dabey ziemlich freu-dig, da er erfuhr, daß er nunmehr thun konnte, was ihmseit vielen Wochen verboten gewesen, indem er in dieser Zeitnicht eine Unze Fleischbrühe, ohne die gerechteste Furcht derschnellsten Erstickung hätte genießen können. Endlich fand denneunten Heumonat der Doctor du Ry, der den Kranken langebesucht hatte, nach einer grausamen Nacht abermal ihn fastgetödtet. Niemals hatte er eine entsetzlichere Beklemmung em-pfunden. Du Ry sah ihn um zehn Uhr des Morgens beyseiner Ankunft aufrecht in seinem Bette sitzend, und fast er-stickt. Das Angesicht und der Hals waren sehr geschwollenund aufgeblasen, die Augen ragten aus ihren Höhlen, dasAngesicht war schwarzbraun. Mit Besonnenheit und starkerStimme erzählte er den Jammer der vergangenen Nacht, und