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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
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159
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' dir alle Augenblicke gegenwärtig gewesene Todesgefahr. Hier-auf bat er den Arzt, daß er ihm eine Ader offnen lasse; dadieser es nicht gestalten wollte, sprach er: also wollen Sie michsterben lassen? Der Arzt antwortete: ist es mir erlaubt den Todzu beschleunigen? In dem gleichen Augenblicke nahm die Ersti-ckung auf die allergrau samste Weise zu; doch befahl er dem Be-dienten, daß er ihm sogleich eine Brühe rüste; die tödtende Er-stickung wuchs mit unglaublicher Gewalt; das Angesicht wardvon einem Augenblick zum andern schwärzer; der Krankestrengte alle seine äußersten und letzten Kräfte an, den Athemzu finden; er sah nun über und über in seinem Gesichte auswie ein Mohr; er ersuchte seine Gemahlin, zu Gott für ihnzu flehen, sank, unter den vergeblichen Bemühungen den Athemzu finden, ein, neigte sein Haupt und starb.

Diese Botschaft überbrachte sogleich du Ry Boerhave, sowie er gewohnt war täglich Nachricht von der Krankheit desHerrn von Saint Auban demselben zu überbringen. Beydehielten um die Erlaubniß an, den Körper zu offnen, unddiese ward ihnen gewährt. Indeß überlegte Boerhave ausallen ihm durchaus bekannten Umständen dieser Krankheit aufdas strengste, ob er auch setzt noch die wahre Ursache so gros-ser Uebel ergründen könne, er versuchte bey sich selbst, alleswohl überlegend, ob er noch setzt vorhersagen könne, was er beyder Oeffnung des Körpers Ungewohntes entdecken werde, undwelcher Theil der verletzte sey. Aber dieser von keinem Ster-blichen in der Größe des Geistes und des Herzens jemalsübertroffene Mann gesteht öffentlich, er habe nichts Gewissesbey sich selbst hierüber bestimmen können. Er bittet auch, nachseiner gewohnten Bescheidenheit, den Leser, daß er selbst aus denvorerzählten Umständen auf die wesentliche Ursache dieses Trauer-falls schließe, ehe er weiter liest.

Der ganze Körper des Herrn von Saint Auban sah aus-wendig vollkommen gesund auö, und des langen Hungers undder langen Plagen ungeachtet war er nirgends mager; nur derBauch war etwas gespannt, diese Spannung machte Boerhavesehr aufmerksam; er bemerkte sogleich den Umstehenden, man