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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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das geringste Zeichen einer Vollblütigkeit an irgend einem Orterschienen sey, nachdem die Goldader weniger geflossen. Un-mittelbar hierauf endet Boerhave mit folgenden höchst merkwür-digen , und seine ganze Größe schildernden Worten: Ein jeder,sagt er, denke darüber frey und aufrichtig; ich habe der Wahr-heit gemäß den Fall beschrieben. ——

AuS djesen Erzählungen erhellt zur Genüge, daß cS höchstwichtige Fälle gibt, deren wesentliche Beschaffenheit sich durchgar keine Zeichen äußert; daß man bey dergleichen Schwie-rigkeiten unsinnig seyn müßte, wenn man dem Arzte ver-wiese , er habe das Gegenwärtige nicht erkannt, oder das Künf-tige nicht vorhergesehen; daß der Arzt, wie der Mathemati-ker, seine Pflicht gethan hat, wenn er von einer ihrer vor-gelegten Natur nach unauflöslichen Aufgabe mit Gewißheiterweist, es sey ganz unmöglich gewesen sie aufzulösen; unddaß auch darum die Geschicklichkeit des Arztes, der die gänzliehe Unmöglichkeit, eine Krankheit zu kennen, zeigt, eben spreiswürdig ist, als die Geschicklichkeit des Arztes, der einekennbare Krankheit kennt und heilt. —

Fünftes Capitel.

Don der Beobachtung der Zeichen der Krankheiten, ihrer Abände-rungen und ihres Ausgangs in dem Pulse.

Cs ist schwer, die Dinge, die wir sehen, zu fassen, aber«och schwerer, sie zu unterscheiden. Bald fehlt es uns an derAufmerksamkeit, bald an dein Scharfsinn oder der Unterschei-dungskraft. Jene hängt von unserm Fleiße ab, diese gewinntdurch die Zeichenlehre.

Das erste und allgemeine Zeichen der Krankheiten liegt indem Pulse. Die ältesten Beobachter sahen auf denselben zwarsehr wenig, oder man zähle die Chinesen unter diese Beobachter.Dem Hippokrates war der Puls zwar bekannt, aber er beküm-merte sich wenig um die Zahl seiner Schläge, noch um seine