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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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große Arzt hinzu, daß wer auch immer auf die bloße Betrach-tung des HarnS ein Mittel verschreibt, ein Spitzbube ist, undder Kranke, der diese Mittel schluckt, ein,Narr.

Nach diesen unmaßgeblichen Betrachtungen komme ich näherzur Sache. Die Griechen haben nach ihrer gewohnten Spitz-findigkeit sehr zahlreiche Verschiedenheiten deü HarnS, undsehr bestimmte Bedeutungen dieser Verschiedenheiten angegeben;allein man begriff längst, daß die Natur hierin so bestimmtnicht wirkt. Indeß will ick mit der möglichsten Kürze anfüh-ren, was zwar sehr ungleiche Grade der Wahrscheinlichkeit hat,aber dennoch die Aufmerksamkeit des beobachtenden Arztes"verdient.

Der Harn ist ein Theil des Wassers, das der NahrungSsaftmit sich in das Blut bringt, und daS aus demselben in denNieren von dem Blute abgesondert wird. Dieses Wasser fuhrtaus dem Blute etwas OelichteS, einige Salze, und auchErdtheile. In Fiebern oder auch durch eine andere heftigeBewegung vermehren sich das Oel und die Salze, und siewerden schärfer. Die Erde hängt sich oft in der Harnblasean, und wird zu Stein. In dem ungebornen Kinde führtder Harn noch kein offenbares Salz oder Oel, in einem Kna-ben ist er dem Gerüche und dem Geschmacke schon fühlbar;mit dem Alter wird er durch die Vermehrung seines OeleSund seiner Salze nach und nach schärfer. Gleich nach dem Es-sen ist er am meisten hell; man nennt diesen Harn den Ab-gang des Getränks. Fünf bis sechs Stunden nach dem Essenist er gelb und folglich scharfer; man nennt diesen Harn denAbgang deö Bluts. Uebrigens ist der Harn in dem gesundenMenschen nicht nur nach der Verschiedenheit des Alters undder Zeit, sondern nach dem Getränke, nach der ganzen Diät,und nach dem Temperamente unendlich verschieden. Man be-trachtet in demselben die Menge, den Geruch, den Geschmackdie Farbe, die Flüssigkeit und den Inhalt.

In kalten Ländern, wo man weniger ausdünstet, geht derHarn sehr häufig ab. Er ist sehr häufig in dem sogenanntenHarnflusse, in hypochondrischen und hysterischen Zuständen,