die in ander» Dingen eben nicht unwissend sind, ihres Scharf-sinns, ihrer Vernunft und ihrer Wissenschaft auf einmal beraubtscheinen, sobald es um einen Harnpropheten zu thun ist, densie immer so hoch schätzen, als er von der schlechtesten Canaillehochgeschätzt wird.
Ich finde neben Herrn le Clerc die grössten Namen unterden neuern Feinden der Harnpropheten. Stahl schrieb eineeigene Abhandlung wider die Harnguckerey, damit er den häß-lichen Gebrauch der Aerzte stürze, die aus dem Harne sichberathen lassen. Boerhave sagt, die Urtheile aus dem Harnesteigen bis zum Wahnsinn, und er habe selbst die vornehmstenHarnpropheten in Holland so grosse und so häßliche Fehlerbegehen sehen, daß sie sich billig verkrochen hätten, wennso elende Kerls der geringsten Scham fähig wären. Er setztan einem andern Orte hinzu, die unwissendsten Menschen hal-ten am meisten auf dem Harne.
Hofmann war himmelweit von dem Aberglauben entfernt,daß ein Arzt aus der Betrachtung des Harns ein richtigesUrtheil über den individuellen Austand eines Menschen, überdie Natur, den Fortgang und Ausgang einer Krankheit spre-chen, und aus einem HarnglaS wie aus dem DelphischenOrakel über Leben und Tod antworten könne. VernünftigeAerzte, sagt Hofmann, haben diese mehr als Vettelische Thor-heiten längst verlacht.
Herr Tissot, derjenige unserer Schweizerischen Aerzte, demmir die meisten und größten und hülfreichsten Bemühungen fürdie Aufnahme der ausübenden Arzeneykunst zu danken haben,sagt, die Aerzte sehen einigermaßen auf den Harn der Kran-ken, dessen Abänderungen in einigen Krankheiten und beson-ders in inflammatorischen Fiebern, zu einer Anzeige der in denflüssigen Theilen vorgegangenen Veränderungen behülflich sind;allein es verräth eine grobe Unwissenheit, wenn man glaubt,und das allerhöchste und volle Maß der Betrügerey, wennman Andere bereden will, die bloße Betrachtung des Harnslehre unS die Anfälle, die Ursachen und die Mittel der Krank-heiten. Man kann ganz entscheidend versichern, setzt dieser