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Dem gleichen Menschen scheint die Erde eine Wüste,ley,wenn seine Nerven schlaff sind. Aber die Fluren bieten ihmihre Blumen an, sür ihn leuchtet die Sonne, für ihn schalltder gesangvolle Hain, wenn seine Nerven eine flüchtige Starkeempfinden. Er ist im eigentlichsten Sinne gesund, wenn diej Vernunft, der Einbildung Meister, ihm alles in seinem wahrenl Lichte zeigt. Man sieht, daß hier die Frage nicht ist, wie> man die Temperamente aus ihren Zeichen erkenne, sondern wieman durch die in gesunden Tagen erworbene Kenntniß desTemperaments zu einer nähern Kenntniß der Krankheit ge-^ lange.
§ Der Zustand des Gemüths ist auch, insofern er von dem ^^ Körper nicht abhängt, eines der wichtigsten Zeichen in denKrankheiten, und ein Zeichen, auf welches man die Aerztenicht genug verweisen kann. So sehr ich nach tausend über-wundenen Irrthümern versichert bin, daß des Menschen zeit-liches Glück am meisten auf dem freyen Stande seiner Ner-ven beruht, so sehr bin ich auf der andern Seite überzeugt,daß auch, unabhängig von den Nerven, ein heiterer Gemüths-znstand möglich ist, und daß dieser eines der besten Zeichen inden Krankheiten wird. Die schönen Hoffnungen, die ich ander Seite des Schmerzenbettes von einem Strahl der Fröhlich-keit mir mache, sind nicht immer unbeglückt. Alles verbindetsich, den Kranken bis an deS Grabes Rand aufrecht zu erhal-ten, wenn der Geist stark genug ist, unter den Drangsalen desKörpers aufrecht zu bleiben.
Diese Stärke ist nicht unmöglich, obschon die Leidenschaf-ten oft aus dem Körper fließen, obschon der Körper in unend-lich vielen Fällen eine zwingende Macht auf die Seele hat,so ist sie doch nicht in allen Fällen seine Sklavin. Die geof-fenbarte Religion lehrt uns, daß die Seele heiter und stillseyn kann, indem der Körper mit Pein und Schmerzen ringt.Auch die ganze Stoische Philosophie beruhte auf diesem Grund-sätze , der allerdings in der Natur seyn muß. Einige Dichter,
' und besonders Tasso, wußten siel, ihres Körpers so sehr zu be-meistern, daß sie in ihren Begeisterungen alle Sinnlichkeit zu