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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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pers, nach welcher der Mensch empfindet, denkt und handelt,insofern er, dieser körperlichen Triebkraft überlassen, denkt und,handelt, wie er empfindet. In Absicht auf die Kenntniß derKrankheit verstehe ich unter Temperament diejenige Beschaffen-heit deü Körpers, nach welcber der Mensch die Krankheit em-pfindet und beurtheilt. Die Empfindung seiner Krankheit istder Begriff ihrer fühlbaren Wirkungen; das Urtheil über dieseEmpfindung verhält sich wie das Temperament des Kranken,und äußert sich durch sein Betragen. Man sieht also, daß dieTemperamente allerdings als Zeichen zu betrachten sind, weilihr Einfluß auf gewisse Umstände in den Krankheiten durchsichtbare Wirkungen kennbar wird.

Als ein Zeichen äußert sich das Temperament vorzüglich in demAusdrucke der Empfindung seiner Krankheit. Die Klagen verschie-dener Kranken verhalten sich in der gleichen Krankheit nach der Ver-schiedenheit ihrer Temperamente. Einige beklagen sich gar nicht,andere sehr wenig, andere viel, andere mit Heftigkeit, andererasen, indem sie klagen. Der Arzt wäre sehr betrogen, wenner aus diesem so verschiedenen Urtheil über die gleiche Wirkungjedesmal auf eine Verschiedenheit in der Krankheit schloße, weildie gleiche Krankheit, der großen Verschiedenheit der Tempe-ramente ungeachtet, in dem größten Geiste und dem größtenDummköpfe gleich ist, obschon sie weder gleich empfundennoch gleich beurtheilt wird.

Erst dann läßt sich in schmerzhaften Zufällen die Größedes Uebels bestimmen, wenn man, zum Voraus unterrichtetvon dem Temperamente des Kranken, weiß, ob er zu wenigoder zu viel sagt. Ich habe Männer gesehn, die, mit dem fein-sten Gefühle in allen übrigen Umständen des Lebens begabtund geplagt, in den heftigsten Anfällen des Podagra inihre Leintücher bissen, um den Ausdruck ihrer Schmerzenverbergen zu können. Hingegen habe ich Weiber gesehen,welche die sehr mäßigen Schmerzen von einem Blasenpflasterbeurtheilten, wie man, auf einen brennenden Scheiterhaufengeworfen, seine Flammen beurtheilt. Jene waren eine Gat-tung Philosophen, diese Furien.