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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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219
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den sanftesten Widerspruch zu verdauen, in die gleiche Krank-heit von Neuem verfallen.

Solche Leute werden nicht nur geschwinder krank als an-dere, sondern sie sind es auch viel langer und heftiger, weilder immerwährende Streit ihrer immer lärmenden Leidenschaf-ten , die beängstigende Furcht bey jeder Vermehrung ihrer Un-gelegenheiten, die rastlose, unablässige und durch die zärtlich-sten und hnlfreichsten Bemühungen der nächsten und bestenFreunde, nicht zu besänftigende Bekümmerniß die Empfindungihrer Krankheit immer wiederbringt, und weil durch die bestän-dige Zerrüttung ihrer Lebensgeister selbst der ordentliche undgewohnte Lauf der Krankheit verändert und zerrüttet wird.Ein launiges, phantastisches, zu allen dummen Qualen ge-schärftes, und sich selbst verdammendes Weib wirft ihren schonaufgerichteten und gestärkten Körper tausendmal zu Boden.

Ich habe gesagt: was das Betragen des Arztes auf die"Seele des Kranken vermag, eben so viel Gutes vermag dieSeele des Kranken auf ihren Körper. Mit Schmerzen kom-men wir zwar in die Welt, und mit Schmerzen müssen wirmehrentheils sie verlassen. Aber auch in dieser ernsten Zwi-schenzeit krönt jede freudige Leidenschaft mit Anmuth jedenTag. Ein einziger froher Gedanke bringt Licht in die schwär-zeste Finsterniß. Unter den freudigen Leidenschaften ist dieHoffnung die gesundeste und sanfteste, weil sie der Seele Ge-fährtin auf unserer Wallfahrt seyn soll. Auch alsdann, wennVertrauen auf die Güte Gottes bey Seite gesetzt wird, steigt,nach einem der feinsten Geister und größten Weltweisen unse-rer Zeiten, mit jedem Unglücke, das uns in der Welt aufstößt,die Hoffnung, daß es besser gehen werde. Ein hypochondri-scher, in sich selbst gezogener und in der Einsamkeit sich ab-zehrender Mensch, der aller Erwartung hellerer Tage abgesagt,lebt oft bey dem Anblicke eines kleinen Glückes auf. Die einstgereizte, gekränkte, und zuletzt noch gesättigte Leidenschaft,wirkt Wunder bey hysterischen Weibern. Jeder frohe Blick indie Zukunft, jede aufkeimende Hoffnung ist in körperlichenKrankheiten ein sehr gutes Zeichen, weil sie nicht nur anzeigt